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Im Bezirk der Kait-Bey-Moschee

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

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Im Bezirk der Kait-Bey-Moschee. 
Sultan Kait-ßey selbst regierte von 1468—1496 und wird als ein tüchtiger 
Herrscher gerühmt, der die immer zuchtloser werdenden Mamluken zum 
letzten Male soweit bemeisterte, als das überhaupt noch möglich war. Seine 
glücklichen Kriege retteten Aegypten mehrmals vor dem Ansturm der 
türkischen Macht, und nachdem der Mamlukenemir Esbek 1490 sogar den 
Schwiegersohn des Grossherrn gefangen genommen und sein Heer vernichtet 
hatte, schloss die Pforte Frieden mit Kait-ßey. Aber das Ende der Burgiten 
war trotzdem unabwendbar; seit Kanssuwe el-Ghuri’s Erhebung forderten 
verkehrte Massregeln das Schicksal geradezu heraus. El-Ghuri fiel, über 
70 Jahre alt, in der unglücklichen Schlacht bei Haleb am 24. August t5i6 
gegen den türkischen Sultan Selim I, der nun sogleich nach Aegypten vordrang 
und dort an den Mokattambergen im Angesicht von Kairo den letzten Mam- 
lukensultan, Tuman II., am 22. Januar 1517 entscheidend schlug. Das Land 
wurde dem türkischen Reiche einverleibt. 
Der Ausgang von Diorama führt uns an die hübsche, mit einem 
Minaret versehene Baulichkeit, welche die Abtheiiung für Erzeug 
nisse Palästina’s aufgenommen hat. Sie zerfällt in zwei Räume. 
Im ersten können wir die vom Alten Testament einst hochgepriesenen 
Weine des gelobten Landes probiren. Wie bekannt, ist dem Muslim 
aller Weingenuss durch den Propheten verboten, und so hatten die 
arabischen Eindringlinge überall dem Rebenbau ein Ende gemacht. 
Seitdem aber im Laufe der letzten zwanzig Jahre das europäische 
Element in Palästina immer massgebender geworden ist, und schon 
grosse, bisher wüst verbliebene Landstriche für die Kultur zurück 
gewonnen sind, hat sich auch der alte Weinbau einer Neuerweckung 
zu erfreuen. Vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, wo Palästina 
sein ehrwürdiges Wappenbild, die beiden Kundschafter Josua’s unter 
der Last ihrer Riesentraube, wieder mit vollem Rechte führen darf. 
Sogar ein sehr modernes Getränk, nämlich Cognac, wird ebenfalls in 
der Umgegend von Jerusalem erzeugt und steht dem echten fran 
zösischen an Bouquet durchaus nicht nach. 
Im zweiten Raume sind palästinensische Boden- und Handarbeits- 
Erzeugnisse ausgestellt. Neben Durra, Gerste, Weizen, Sesam, Oliven, 
Mandeln u. dergl. m. finden wir Proben der dortigen Seidenzucht, 
sowohl Cocons als filierte Seide, sämmtlich aus der Spinnerei von 
Rosch Pinah in Jerusalem. Zu gleicher Zeit verkäuflich sind die 
geschmackvollen Schnitzwerke aus Olivenholz und die verschieden 
artigen Steinarbeiten. Noch viel unerwarteter und von beinahe „un 
heiliger“ Modernität erscheinen uns — Parfüms aus dem Lande 
Kanaan, obgleich sich bei genauem Zusehen feststellen lässt, dass
        
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