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Der altaegyptische Theil

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

Der altaegyptische Theil. 
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Haare zu Berge, wenn er vernimmt, wie energisch sich die vormals 
so frommen Knaben nun ihre Hörner abzulaufen suchen. „O, lass 
das unmässige Biertrinken“, schreibt ein solcher weiser Mann dem 
kecken Jüngling. „Was aus deinem Munde kommen soll, wird zum 
unverständlichen Lallen. Du fällst hin, verstauchst dir die Glieder, 
aber deine Kollegen trinken weiter und sagen beim Aufstehen: 
Schleppt ihn weg, er ist fertig! Wenn dich dann Jemand aufsucht, 
um sich Rathes bei dir zu erholen, so liegst du im Staube wie ein 
kleines Kind.“ 
Noch deutlicheren Einblick in die altaegyptische Burschenherr 
lichkeit erlaubt aber ein väterliches Ermahnungsschreiben, mit dessen 
Mittheilung wir diese Skizze schliessen wollen. 
Siehe, man sagt mir, du vernachlässigst die guten Bücher und hast ein 
schnödes Bum.nlerleben begonnen. Von Strasse zu Strasse schleuderst du. Alle 
Abend duftest du nach Bier. Der Biergeruch scheucht alle ordentlichen 
Menschen von dir weg, und du wirst hinfällig vom Trünke. — Wie ein zer 
brochenes Ruder, das weder nach rechts noch nach links Kurs hält, wie eine 
Kapelle ohne Götterbild, wie ein Heim ohne Brot, so bist du! Ueber Mauern 
hat man dich klettern sehen, wobei du die Holzbetäfelungen der Häuser in 
Trümmer pauktest! Alle Leute mussten vor dir fliehen, weil du ihnen 
Wunden schlugst. — Wisse, dass der Wein ein Gräuel ist, auf dass du dem 
Moste abschwörst. Verbanne den Wunsch nach kühlen Getränken aus 
deinem Herzen und vergiss des schäumenden Bechers. Aber du lässt dich 
gar im Singen nach der Schalmei unterweisen, im Flöten auf dem Rohre, 
im Gesang zur Zither und in komischen Fisteltönen zum Lautenklang. Das 
geschieht, während du in deinem Zimmer sitzest, mitten unter dem Weiber 
volk. Wenn du aufstehst, wackelt dein Genick. Aber du hockst neben der 
Frechsten nieder, lässt dich mit Parfüm benetzen und wirst voll Oel gerieben, 
einen Kranz von Mäusekraut um den Hals. Nun trommelst du den Takt 
auf deinem Bauche, fällst aber endlich um und beschmierst dich wie ein 
Krokodil. Schäme dich ’was! 
* * 
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Lautes Knarren berührt unser Ohr, mehr die Aufmerksamkeit 
als den Sinn für Harmonie erregend, sowie wir Abschied vom 
Wüstentempel Seti's und seinen Geheimnissen nehmen. Ein wohl 
gelungenes Bild der Nillandschaft bietet sich dar, so dass man fürs 
Erste nicht daran denkt, die Ursache des unmusikalischen Geräusches 
zu ergründen. DieWasser des heiligen Flusses bespülen am jenseitigen 
Ufer eine hübsch gelegene Ortschaft, weiterhin öffnet sich das gewundene 
Thal zum vollen Ausblick, von einem zerklüfteten Bergzuge ab 
geschlossen. Selbstverständlich ist diese Fortsetzung, wie man ohnehin
        
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