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Der altaegyptische Theil

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

Der altaegyptische Thejl. 
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/.erstreuie alle seine Geschosse, keins trat mich, und als er auf mich zusprang, 
da drückte ich einen Pfeil ab, der ihn am Halse traf. Er schrie laut und 
stürzte auf sein Gesicht nieder. Da durchbohrte ich ihm den Nacken mit 
seiner eigenen Lanze, stiess meinen Siegesruf aus, denFuss auf seinen Rücken 
gestemmt, und jeder Beduine schrie mit. Amunescha aber, der Fürst des Landes 
Tenu, verlieh mir Alles, was der Unterlegene besessen hatte.“ 
Zuletzt wird Saneha alt und gedenkt mit Trauer der Bequemlichkeiten, 
die ihm jetzt in seiner Heimath winken würden. Wahrscheinlich hatte er 
längst dafür gesorgt, dass die aegyptischen Gesandten ihn vor Usurtesen 
lobten, so oft er ihnen Gastfreundschaft erwies. Eines Tages aber gab er 
einem nach Theben Heimkehrenden sein demüthiges Bittgesuch an den König 
sowie an dessen Hauptgemahlin mit, und empfing wirklich eine günstige Ant 
wort. Nachdem die Korrespondenz dann noch eine Weile im Styl des 
Musterbriefstellers fortgesetzt ist, erscheint auch der königliche Bote, um 
Saneha abzuholen. Bei der Ankunft ruft der redefertige Greis von Neuem 
in schwülstigen Wendungen die königliche Gnade an, wobei die Söhne des 
Herrschers ihn unterstützen. „Endlich sagte Seine Majestät: ,Er soll sich 
nicht fürchten, sondern als Freund unter den Fürsten gelten, und als Pen 
sionär des Hofes aufgenommen werden. Ihm wird vom Hause der Ver 
ehrung aus (dem königlichen Kabinet) sein Rang angewiesen werden. — 
Sobald die Königssöhne aber wieder aus dem Kabinet herauskamen, 
reichten sie ihm (Saneha) den Arm und führten ihn zu der grossen Doppel 
halle (dem Staatsverwaltungs-Amt). Er wurde vorläufig in ein ‘Haus auf 
genommen, in dem ein Verwandter des Königs wohnte. Hier sorgte genügende 
Dienerschaft für sein Wohlbefinden: das Haar ward ihm geordnet und schöne 
Gewänder lagen bereit, man salbte ihn mit wohlriechendem Oel und bettete 
ihn auf einem prächtigen Ruhelager. So überliess er das Ungeziefer dem 
Wüstenle’oen und die Kittel den Beduinen; mochten sie auf dem Sande leben 
und sich weiter mit Baumöl salben! Später bekam er sogar ein eigenes 
Haus und drei- bis viermal täglich freie Mahlzeit, ungerechnet die Geschenke 
der Königssöhne. Auch ein Grabmal mussten ihm die königlichen Hand 
werker herrichten. „So liess man die Jahre an meinem Leibe Vorbeigehen, 
und ich erfreue mich der Belohnungen des Königs, bis der Tag des Ver 
schwindens da sein wird.“ 
Schon hier, wo alle längeren Ergüsse bis auf eine ebenfalls redu- 
zirte Probe weggelassen wurden, ist das Bestreben des gebildeten 
Aegypters im Mittleren Reiche, lauter grosse Worte zu machen und 
denselben Gedanken zehnmal mit immer neuen, klangvollen Wen 
dungen auszudrücken, gewiss unverkennbar hervorgetreten. Gerade 
zu entsetzlich wirkt aber dieses literarische Prinzip bei den lehrhaften 
Schriften. Der älteste uns erhalten gebliebene Papyrus zählt schon 
zu ihnen, nämlich eine Sammlung moralischer Denksprüche für das 
menschliche Leben, verfasst von dem Gaugrafen Ptah-hotep unter
        
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