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Der altaegyptische Theil

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

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Der altaegyptische Theil. 
(1200—1168) ihrer Herr, und nahm wahrscheinlich die Gefangenen so 
wohl als alle sich später Unterwerfenden einfach in Sold. Da ausserdem 
die Nachfolger des Königs, welche stets den Namen Ramses führten, 
immer mehr den Merowingern ähnlich wurden, so verlor das König 
thum neben den Grossämtern und der Priesterschaft alle Gewalt. Mit 
Ramses XII. starb das Geschlecht Setnacht’s um 1085 V. Chr. aus, und 
Herhor, der bisherige Oberpriester des Amon in Theben, nahm vom 
Throne Besitz. Er scheint aber bald genöthigt gewesen zu sein, sich 
mit einer mächtigen Fürstenfamilie, die im unterägyptischen Tanis 
gebot, zu verbinden. Von dieser einundzwanzigsten Dynastie 
(1085—95°) i st sehr wenig bekannt, wie denn überhaupt die folgende 
Zeit an Denkmälern überaus arm dasteht. Der vorletzte oder letzte 
Ta'nit muss der Pharao gewesen sein, dessen Tochter König Salomo 
von Israel zur Frau erhielt. Sodann tritt die in Bubastis am öst 
lichen Nilmündungs-Arme hausende zweiundzwanzigste Dynastie 
mit dem Könige Scheschonk I., dem Sisak der Bibel, an die Spitze. 
Ihr zufällig erhaltener Stammbaum beweist, dass sie libyscher Her 
kunft war und Söldner-Obersten zu Ahnen hatte. Damit stellt sich 
also heraus, dass Aegypten völlig unter die Botmässigkeit der Mieths- 
truppen gekommen war. Scheschonk I. eroberte sogleich nach seinem 
Regierungsantritt die nordisraelitischen Städte, welche noch Rehabeam, 
dem Sohne Salomo’s, anhingen, und übergab sie Jerobeam, nahm auch 
vorübergehend Jerusalem ein. Eine leider beschädigte Inschrift am 
Tempel von Karnak hat einst die Geschichte dieses Feldzuges erzählt. 
Von Scheschonk’s Nachfolgern wissen wir ebenfalls nicht viel; 
die Namen Scheschonk, Takelut und Usarken herrschen unter ihnen 
vor. Um 780 endet ihre direkte Linie, und schon um dieselbe Zeit 
geräth Oberaegypten in den Besitz der äthiopischen Könige. Die XXIII. 
und XXIV. Dynastie besteht also nur aus kleinen Theilfürsten, von 
denen Usarken III. noch Bubastis innehat. Gegen 750 erobert der 
Aethiopenkönig Pianchi Memphis und Heliopolis, sein Nachfolger 
Schabaka entthront den Fürsten Bakenranf von Sa'is (730) und 
nimmt somit ganz Aegypten in Besitz. Unter dieser fünfundzwan 
zigsten Dynastie gehorcht also das ganze Land den Königen in 
Napata. Inzwischen breitete sich das Reich der mächtigen Assyrer 
über Syrien, Phönizien und Palästina aus, und bedrohte schon 
Aegypten, bald nachdem Schabaka sich dort festgesetzt hatte (720). 
Neunzehn Jahre später versuchte dessen zweiter Nachfolger Tarhaka
        
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