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Der altaegyptische Theil

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

Der altaegyptische Theil. 
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' bestehend, tritt, sich im Bogen südwärts fortsetzend und so um die Ebene 
schlingend, bis auf drei oder vier Kilometer vom Flusse zurück und nähert 
|l sich ihm dann wieder. Diese Kurve ist an sehr vielen Stellen von Gräbern 
i durchbrochen, unter welchen die von Assasif am bekanntesten sind. Das Thal 
der berühmten Königsgrüfte hingegen windet sich tief in die Bergkette hinein. 
■ Eine halbe Stunde Weges von den Ruinen des Tempelpalastes bei Kurnah 
liegt das schon erwähnte Ramesseum, welches die klassischen Autoren seit 
i, Strabon irrthümlich als „Memnonium“ aufführen. Zwischen diesem und dem 
I? grossen Tempel von Medinet-Habu ragen die beiden kolossalen Sitzbilder 
|! Amenophis III. empor, von denen das eine jedesmal bei Sonnenaufgang ge 
klungen haben soll, bis der römische Kaiser Septimius Severus sie renoviren 
liess, und damit den physikalischen Vorbedingungen des eigenthümlichen Lautes 
ein Ende machte. Drüben erhebt sich palmenumkränzt der Riesentempel von 
l Karnak, dicht am Wasser aber Luksors Heiligthum mit dem Obelisken, 
i | Weit hinter diesen beiden Stätten zieht sich im Osten ebenfalls eine Bergkette 
; hin, welche als die östliche Umwallung von Theben bezeichnet werden kann 
i I und im Süden, mit drei hohen Felshörnern endet. 
Oberhalb Thebens folgt in Erment, dem Hermonthis der Griechen, ein 
! I kleiner Tempel und eine grosse moderne Zuckerfabrik, welche durch ihren 
1 mit wohlgepflegten Bäumen bepflanzten Kai an das Flussufer reicht und dem 
etwas erstaunten Reisenden hier, unfern der Tropen, eine heimathlicheErinnerung 
wachruft. Bei der grösseren Stadt Esneh, ebenfalls mit Fabrikenbetrieb, 
liegt wieder ein Tempel, aus der griechisch-römischen Periode Aegyptens 
j stammend. Ebenfalls auf dem östlichen Ufer bemerken wir in einiger Ent- 
. fernung von dem Orte El-Kab zwei weitere Tempelruinen mit Gräberanlagen, 
und gelangen nun nach Edfu, mit dessen Sehenswürdigkeiten der Besucher 
j von „Kairo“ inzwischen schon bekannt geworden ist. Nachdem der halbe 
Weg zwischen Edfu und Assuan zurückgelegt ist, ohne Merkwürdiges zu 
■ bieten, treten plötzlich die den Nil begleitenden Höhenzüge von rechts und 
I links dicht an den Strom heran. Der Fluss hat sich hier durch ein Sand 
ig Steingebirge Bahn gebrochen; die Bewohner nennen diese Enge Gebej 
Selseleh, „Kettenberg“, und verknüpfen damit eine Sage, nach welcher hier 
] einst eine Kette von Wand zu Wand die Schifffahrt sperrte. In Wirklichkeit 
I rührt der Name von der griechisch-römischen Bezeichnung Silsili für den 
! Ort her, und hat nichts mit Ketten zu thun. Dagegen sind hier unter den 
altägyptischen Pharaonen die Steine für alle grossen BautenThebens gebrochen 
und den Fluss hinuntertransportirt worden. 
Der nächste grosse Tempel von Kom-Ombo thront in malerischen 
i Trümmern auf einem Hügel des Ostufers. Seine Pylonen sind bis auf un 
bedeutende Reste in den Strom gestürzt, die hinteren Theile vom Wüstensand 
zugedeckt. Aber die Kapitale der mächtigen Säulen sind von hoher Schönheit, 
die Farben an den starken Architraven grossentheils noch frisch geblieben. 
'Schon seit Gebel Selseleh hat sich die Landschaft dem nubischen Charakter 
genähert. Das Flussthal wird enger, man erblickt nur noch selten Palmen 
haine. Zerklüftete Sandsteinberge, zwischen denen sich der gelbe Sand der 
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