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Die Sukkarîjeh und Umgebung

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

Die Sukkarijeh und Umgebung. 
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zweige Hessen sich allerdings nicht auf einen kurzen Sommer hierher ver 
pflanzen, z. ß. fehlt die kuriose Gestalt des Delläl, des öffentlichen Ver- 
igerers. Sein Amt erfordert nicht nur wie hierzuland eine kräftige Stimme, 
. ndern auch körperliche Gewandtheit. Der Delläl muss die Waare auf der 
: lasse herumtragen um Bieter zu gewinnen, so dass er, da es an Neugierigen, 
Müssigen und halbwegs Kauflustigen niemals fehlt, bald an der Spitze eines 
lärmenden Trupps marschiert, ohne sich in seiner scharfen Aufmerksamkeit 
beirren zu lassen. Der eigentliche Verkäufer befindet sich stets in der Nähe 
i.nd tritt bei jedem Geschäftsabschlüsse selbst in Thätigkeit. 
In den niedrigen Läden des Chan haben sich mehrere orien 
talische Schuhmacher, Zeltdeckenarbeiter und Kullehdreher 
■iedergelassen. Das Verfahren der beiden erstgenannten Gewerke 
unterscheidet sich nicht so sehr von dem hiesigen, dass eine besondere 
Beschreibung am Platze wäre; mehr Interesse werden ihre fertigen 
Produkte erwecken. Die Kulleh ist hingegen ein dem Orient eigent- 
xhümliches Gefäss, aus graubrauner, poröser Thonerde gefertigt und mit 
weiter, becherförmiger Oeffnung. Eine Abart, Dörak genannt, aber jetzt 
häufig ebenfalls als Kulleh bezeichnet, ist langhalsig und hat die Form 
unserer Karaffen. Da sich in ihnen das Wasser durch Verdunstung 
vortrefflich abkühlt, weshalb sie gewöhnlich in den Muschrabijen auf 
bewahrt werden, so empfiehlt sich eine Bereicherung unseres Haus 
raths durch die Kulleh recht sehr. Stöpsel von Silber, Zinn oder 
Holz schliessen die Mündungen; beim Gebrauch werden dann die 
Gefässe auf einen tiefen Präsentirteller gestellt, in dem sich das aus 
den Poren durchsickernde Wasser sammelt. Innen sind sie durch 
den Rauch harziger Hölzer geschwärzt, und dann mit wohlriechenden 
Stoffen (Mastix u. dergl.) nachgeräuchert. 
Den Eckladen des Chan hat ein arabischer J uwelier und 
Silberarbeiter inne; seine mit den eigenthümlichen, stets anziehenden 
Arabeskenmustern versehenen Waaren finden daheim bei der Vorliebe 
orientalischer Frauen für blanken Putz immer guten Absatz. 
Der Schmuck aegyptischer Frauen aus den besser situirten Ständen ist 
schon deshalb ziemlich mannigfaltig, weil er auch zum Kopfputz Verwendung 
findet. Hierbei spielt wieder der sogenannte ,.Kurss“ die Hauptrolle: ein aus 
stark mit Kupfer legirtem Golde, selten aus Silber gefertigter gewölbter Deckel, 
der auf dem Tarbusch befestigt getragen wird. Bisweilen ist er dicht mit 
geringwerthigen Diamanten besetzt, die in Rosenblatt-Mustern vertheilt sind; 
ein solcher Kurss hat jedoch immerhin einen bedeutenden Werth. Selbst 
verständlich sind diese Putzstücke gewichtig und zu Anfang ihren Besitzerinnen 
unbequem genug; diese sollen aber, einmal an die Last gewöhnt, stets über
        
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