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Die Sukkarîjeh und Umgebung

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

Die Sukkarijeh und Umgebung. 
Das hintere Diorama zeigt den grossen Mittelhof, auf dem sich, 
von Akazien umgeben, das grosse Becken für die vorgeschriebenen reli 
giösen Waschungen befindet. 
Die fünf täglichen Gebetzeiten werden von der oberen Galerie 
der Minarets herab durch den Gebetsrufer (Mueddin) laut und singen 
den Tones verkündet. Obgleich diese Zeiten vom Sonnenstände ab- 
hängen, so hat der Prophet Muhammed doch nicht gewollt, dass 
seine Bekenner ihr Gebet genau um Mittag, Sonnenuntergang oder 
Aufgang sprächen, weil, wie er sagte, die Ungläubigen zu eben dieser 
Zeit die Sonne anbeten. Es ist daher auch verboten, das Gebet vorher 
abzumachen, wohl aber kann es später, z. B. nach ruhiger Beendigung 
der Mahlzeit geschehen, während weicher gerade gerufen wurde. 
Fünf Minuten nach Sonnenuntergang fällt die erste Gebetzeit; die 
zweite beginnt mit Einbruch der Nacht (etwa mit dem Verschwinden 
des Abendroths), die dritte mit Tagesgrauen, die vierte bald nach 
Mittag, die fünfte gegen 4 Uhr Nachmittags. Ausserdem giebt es 
noch zwei besondere Nachtrufe, um diejenigen zu wecken, welche 
über das Gebot hinaus noch Andacht üben wollen. Das Hersagen der 
gewöhnlichen Gebete dauert in der Regel drei Minuten; der Muslim 
spricht sie in seinem Hause, seinem Verkaufsladen oder in der Moschee, 
wo es ihm am besten passt. Jemand in seiner Andacht stören 
wird für eine schwere Sünde gehalten. 
Ein gemeinschaftlicher Gottesdienst findet Freitag Mittags in der 
Moschee statt, wobei vom Imam und anderen Geistlichen besondere 
feierliche Gebräuche zu verrichten sind. An diesem muslimischen 
Sabbath steigen die Gebetsrufer schon eine halbe Stunde vor Mittag 
auf die Galerie der Minarets und singen einen Gruss an den Pro 
pheten (Seläm), worauf die Leute in der Moschee sich zu versammeln 
beginnen. Hier herrscht ein streng feierlicher Anstand. Die Gläubigen 
stellen sich in Reihen auf, das Gesicht nach der Kibla gewendet. Wer 
zeitiger fortgehen will, bleibt gleich auf den Knieen liegen oder mit 
gekreuzten Beinen sitzen, während der Vorleser das 18. Kapitel des 
Koran liest. Sobald draussen der normale Gebetsruf (Adän) erschallt, 
muss damit abgebrochen werden, die ganze Gemeinde hockt nieder 
und erhebt sich erst, wenn der Mueddin wieder schweigt. Dann 
öffnet der Moscheediener, ein hölzernes Schwert in der Rechten, die 
Kanzelthür, und beginnt mit den Muballighs ein Responsorium, 
während dessen der Imam Khatib (Prediger) herbeikommt, das
        
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