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Die Sukkarîjeh und Umgebung

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

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Die Sukkarijeh und Umgebung. 
darunter liege, kommt sehr drastisch in der Umgebung von Saida zur Geltung. 
Dort haben sich die Frommen sogar einen altrömischen Meilenstein zum 
Salben ausgesucht, weil er ihnen hinreichend bedeutungsvoll aussah. 
Das ßegräbniss eines Weli unterscheidet sich auch in seinen Cere- 
monien von dem gewöhnlicher Muslimen. Der Tragbahre folgen Weiber, 
welche aber anstatt der sonst gebräuchlichen Klagerufe ein schrilles Freuden 
geschrei („Sagharit“ genannt) ausstossen. Lassen sie damit eine kurze Zeit 
nach, so behaupten die Träger, es hielte eine übernatürliche Macht die Bahre 
fest. Oftmals soll auch ein todter Weli seine Träger nach einem ihm ge 
nehmen Orte hintreiben, und man erzählt in Kairo drollige Geschichten davon, 
in denen mitunter auch der Heilige betrogen wird. Einstmals kam der Leichen 
zug eines solchen am Bab en-Nassr, dem nördlichen Thore Kairos an, das 
nach dem allgemeinen Begräbnissplatze hinausführt. Wiederum erfolgte das 
geheimnissvolle Anhalten und erwies sich als unüberwindlich. ,,Mir scheint“, 
sagte endlich einer der Träger. >,der Schech ist entschlossen, sich nicht vor 
dem Bab en-Nassr bestatten zu lassen. Was ist aber zu thun?“ Alle waren 
zwar sehr betroffen, standen jedoch dem Weli an Eigensinn keineswegs nach, 
sondern versuchten seiner Laune zu trotzen. Sie gingen einige Schritte rück 
wärts, und dann in rascherem Tempo von Neuem vor, in der Meinung, durch 
solchen Anlauf den Todten gleichsam mit Gewalt zum Thor hinaus zu spediren. 
Obgleich sie den Versuch mehrmals wiederholten, half er doch zu nichts. Sie 
setzten nun die Bahre auf den Boden und beriethen eifrig. Zuletzt kam einem 
von ihnen der rechte Einfall. Er winkte den Genossen, mit ihm bei Seite zu 
treten, damit der Todte nichts hören solle, und sagte dann: „Wir wollen 
die Bahre wieder aufnehmen und einige Male flink herumdrehen, damit 
der Schech schwindlig wird. Nachher kann er nicht mehr wissen, welche 
Richtung wir einschlagen, und wird sich ohne Widerstand durchs Thor 
bringen lassen.“ Das thaten sie denn auch, der Heilige wurde wirklich irre, 
und liess sich nun ohne jede weitere Schwierigkeit an dem Orte begraben, 
wo zu ruhen er anfangs keine Lust gehabt hatte. 
Bab es-Suweleh gehört, obgleich sein Bogen die Strasse kreuzt, 
zu der linker Hand befindlichen Moschee El-Muaijad, was schon 
die beiden stattlichen Minarets andeuten, welche das Thor fiankiren. 
Ein drittes Minaret erhebt sich jenseits der grossen Kuppel des 
religiösen Bauwerkes, das im Volksmunde „Gämi el-Ahmar“ (die 
rothe Moschee) heisst, vom Farbenton des Anstrichs hergenommen. 
Das prächtige Thor, durch welches man von der Sukkarijeh aus den 
Tempel betritt — auf der Abbildung von einer Biegung und Vor 
bauten verdeckt — ist im besten Stile der arabischen Baukunst er 
sonnen und ausgeführt. Den Eingang im Hintergründe schmücken 
ein Paar kunstreiche Thorflügel, im Original aus Bronze, und ur 
sprünglich für die grosse Hasan-Moschee von Kairo bestimmt. Die
        
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