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Die Sukkarîjeh und Umgebung

Full text: Offizieller Führer durch die Special-Abteilung Kairo der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Krug, Karl

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Die Sukkarijeh und Umgebung. 
viel Geld, dass sie umkehren sollten, und verbarg den Scbuchu in ihrem 
Palast. Hier blieb Schuchu versteckt wohl einen Monat, doch langweilte er 
sich und sehnte sich zurück an den belebten Hof des Königs, damit er sich 
und Andere erheitere mit der Gedanken Perlenschmuck und der gewählten 
Rede Kunstausdruck. Doch immer flehte die Königin zu bleiben, da er sie 
alle ins Unglück stürzen würde. Eines Tages geschah es aber, dass ein 
Fischer einen grossen Fisch gefangen, und als der Koch den schlachtete, fand 
er in seinen Eingeweiden den Ring des Königs, den derselbe einst bei einem Bade 
in der See verloren hatte. Nun war Schuchu nicht mehr zu halten, er nahm 
den Ring und entrann. Er wusste aber, dass der König um eine gewisse 
Stunde am Meere spazieren zu gehen pflegte. Er warf sich ins Meer und 
schwamm. Als nun der König am Gestade spazieren ging, sah er ihn 
schwimmen, und als Schuchu ihn erblickte, schrie er mit voller Stimme: „oh 
König, oh König!“ Der König war sehr erstaunt, als er Schuchu’s Stimme 
vernahm, und glaubte, er sähe eine Truggestalt von bösen Geistern; denn 
schon hatte es ihm leid gethan, ihn ertränkt zu haben, da mit Schuchu alle 
Freude und Heiterkeit vom Hofe gewichen war. 
Behüte Gott, sprach der König. Bist du Schuchu, den ich vor einem 
Monat ertränkt? Jawohl, antwortete Schuchu. Aber im Namen Gottes (und 
der König betete die Fathah im Stillen), woher kommst du denn jetzt 
lebend? Ach, antwortete Schuchu, du denkst, du bist allein König, aber da 
unten im Meer herrscht auch ein gewaltiger Sultan mit Macht und Kraft, der, 
wenn er zürnt, die Wogen hoch aufbrausen macht, doch wenn er freundlich 
ist, ein gar lieblich lachendes Antlitz zeigt. Siehe, fuhr Schuchu fort, als 
deine Soldaten mich dort bei dem Felsen in’s Meer geworfen, und nun die 
die Wellen über mich zusammenschlugen, sagte ich: wir sind Gottes, und 
wir kehren zu ihm zurück. Denn ich dachte, diese Wogen wären die 
Wogen des Todes. Doch alsbald erschien ein grosser Fisch, der sprach: ich 
bin gesandt von dem grossen Sultan der Meere, der dich zu sprechen wünscht; 
setze dich auf meinen Rücken, ich werde dich zu ihm tragen. Und er fuhr 
mit mir hinab bis in die unterste Tiefe des Meeres. Hier stand ein prächtiges 
Schloss, gebaut von den schönsten Korallen und mit den prächtigsten Perlen 
verziert, es war durchsichtig wie von feinstem Crystall und leuchtete wie die 
Strahlen des Vollmondes. Sobald der Fisch dahin gelangte, setzte er mich 
an der Schwelle ab, und ein Knabe, schön wie Joseph, öffnete die strahlen 
den Thore. O König, nicht ist es einem Sterblichen vergönnt, die Wunder 
des Meeres in diesem Schlosse der Genien zu erzählen. Mit Perlen besetzte 
Crystall-Säulen, mit schönsten Muscheln bedeckte Fussböden, aller Glanz ver 
blendete mein sterbliches Auge; doch im Hintergründe funkelte mir ein 
Thron entgegen, wie der Thron des Königs Salomo, wie die aufgehende 
Morgenröthe strahlend. Darauf sass der König der Meere, ein Mann mit ehr 
würdiger Stimme und langem weissen Bart, seine Augen leuchteten wie ein 
Sternenpaar. Auf dem zarten Lotos und Lilien gebettet und mit Perlen rings 
umstrahlet, sass hinter einem dünnen Nebelflor die schöne Königin, wie die 
Strahlen des aufgehenden Mondes.
        
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