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Full text: Die Preisbewerbung um das National-Denkmal für Kaiser Wilhelm I in Berlin / Hossfeld, Friedrich Oskar

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Das Denkmal selbst setzt sich aus einer 130 m langen Säulen 
halle und einem dahinter liegenden, 40 m weiten, auch im Rücken 
von einem "Wandelgange umschlossenen Kuppelbau zusammen, unter 
dessen mächtiger Wölbung das Bild des Kaisers steht. Die Hallen 
flügel, ionischer Ordnung und mit wappengeschmückter Attika ge 
krönt, enden in kräftigen Eckbauten, vor denen auf der Terrasse 
Platz für zwei Reiterstandbilder geschaffen ist. Die Attika ist hier 
höher geführt und in reicherer Weise mit wappenhaltenden Gestalten 
und Inschriftentafeln geschmückt. Ueber ihr erhebt sich eine flache 
Kuppe], ruhig lagernde Löwen auf den Ecken, eine von Kinderfiguren 
emporgehaltene Krone auf der Spitze. Auf ihren Rückwänden soll 
die grofse Halle Gemälde tragen: die Schlacht am Teutoburger 
Walde, als die erste Regung deutscher Kraft und Einigkeit, und eine 
Ueberwölbung frei bleiben und mit keinerlei Verschlufs versehen 
sein. So soll das Innere des Kuppelraumes von Licht und Luft 
durehfluthet werden und das Denkmal mit seiner Umgebung gleich 
sam unter freiem Himmel stehen. So schön dieser Gedanke ist, es 
steht doch zu bezweifeln, ob er sich mit dem Ergebnisse der Aus 
führung decken würde, und zu befürchten ist namentlich, dafs bei 
dieser Art, die Umfassungswände zu öffnen, starker, vom Beschauer 
lästig empfundener Zug entstehen würde. Der Raum über den Rund 
bogenöffnungen ist mit Inschriftentafeln gefüllt, und über ihnen und 
den Wandpfeilern zieht sich das den Unterbau von der inneren Kuppel 
trennende Hauptgesims hin. Diese Innenkuppel ist ähnlich gegliedert, 
wie die äufsere. In den zwischen breit aufsteigenden, steinernen 
Rippen verbleibenden Feldern unten eine Wappenreihe, darüber 
Abb. 2. Holzsticb von O. Ebel. 
Nationaldenkmal für Kaiser Wilhelm I. 
Entwurf von Rettig und Pfann in Berlin. (Ein erster Preis.) 
Durchschnitt. 
sinnbildliche Darstellung der Errichtung des neuen Reiches. Vor 
diesen sind Standbilder der Dichter, Staatsmänner und Feldherren 
aufgestellt gedacht, welche für Deutschlands Einigung und Gröfse 
sangen, arbeiteten und kämpften. In der Mitte ist die Halle zu be 
deutender Wirkung gesteigert. Zwischen korinthischen Doppelsäulen 
öffnet sich ein hoher Rundbogen, durch den hindurch man schon 
weit vom Vorplatze her das Kaiserbild erblickt. Auf den Säulen 
paaren über kräftigem Hauptgesims Sockel mit bannertragenden 
Reitern, über der Bogenmitte hoch zu Rofs und von vier Frauen 
gestalten geleitet eine Germania mit emporgehobener Kaiserkrone. 
Hinter dieser Mitte steigt auf geschlossenem, säulengegliedertem, 
etwas niedrigem Tambour in voller, schön gezeichneter Linie die 
Kuppel empor. Sie ist durchbrochen in hellem Granit gedacht, mit 
Einsätzen von ehernen, vergoldeten Reichsadlern, welche in drei 
Zonen zwischen einfach gegliederten, breit emporsteigenden Rippen 
und reicher behandelten Gurten die Fläche der Wölbung bilden. 
Waffenstücke auf den Säulenbündeln des Tambours und eine 
reiche Laterne vervollständigen die wohlabgewogene Umrifslinie der 
Kuppel. 
Auf breitem Treppenlaufe ersteigt man den um 4,5 m höher 
liegenden Fufsboden des Kuppel-Inneren. Seine Umfassungswände 
sind durch korinthische Doppelpfeiler gegliedert, zwischen die sich 
Rundbogenöffnungen setzen. Wie der den Entwurf erläuternde Be 
richt betont, sollen diese Oeffnungen ebenso wie das Oberlicht der 
zwischen ornamentirten Gurten Darstellungen sinnbildlichen Inhalts 
auf Goldgrund. Auf gleichem Grunde soll in einer Nische hinter 
dem Standbilde Kaiser Wilhelms ein grofser, schwarzer, die Wappen 
der deutschen Staaten auf den Flügeln tragender Reichsadler aus 
geführt werden. Das Reiterbild des grofsen Kaisers denken sich 
die Künstler in Erz gegossen und vergoldet. Sein Unterbau reicht 
hinab in einen unteren, 20 m weiten Raum, welcher in der Weise der 
Confessionen alter christlicher Kirchen und des Napoleonsgrabes im 
Pariser Invalidendome aus der Mitte des Fufsbodens des Kuppel 
raumes ausgeschnitten ist und dessen Fufsboden etwa in Höhe der 
vorderen Säulenhalle liegt. Dieser untere Raum zeigt als Versinn 
bildlichung des „unterird’schen Schlosses“ Kaiser Barbarossa, wie 
ihn der Knabe weckt, um ihm die neu aufgehende Herrlichkeit des 
Reiches zu melden. Rings um Kaiser Rothbart stehen, in Stein ge 
hauen, die Kaiser des alten Reiches, oben, in der Runde um Kaiser 
Wilhelm, die in Erz gegossenen Standbilder der Fürsten, welche das 
neue deutsche Reich gründeten. Zwischen den Doppelpfeilern, 
die die Kuppelgewölbe tragen, führen breite Treppen zur Platt 
form des Bauwerkes empor, von der man den Ausblick über den 
Platz und den umgebenden Thiergarten geniefst. Diese Treppen, 
von innen durch die Oeffnungen der Umfassungswände sichtbar, sind 
geschickt verwerthet, um das Auge auf den Haupt- und Mittel 
punkt des Raumes, auf die Stelle, wo das Kaiserbild steht, zu lenken 
und diesem einen geschlossenen Hintergrund zu schaffen.
	        
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