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Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie Gruppe VIII. Graphische und dekorative Kunst und Buchgewerbe

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 (Public Domain) Issue 10 Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie (Public Domain)

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Massenherstellung mit den Edelsteinschneidern in Idar und Oberstein auch nicht 
vergleichen kann, so sind doch einige der hiesigen Steinschneider um so 
hervorragender durch die Sauberkeit und den Kunstwerth ihrer Arbeiten. 
Ein verwandtes Fach der Graveure, die Ciseleure, theilt man in zwei 
Gruppen, solche, die aus flachen Metallplatten die Formen heraustreiben, 
und solche, die den Bronze- oder Silberguss überarbeiten. Die Letzterwähnten 
sind weniger bekannt, da ihre Namen fast nie auf die Kunstwerke, an denen 
sie mitgewirkt haben, gesetzt werden. Es sind aber sehr gute und werth 
volle Arbeiten von Ciseleuren beider Arten auf der Ausstellung vorhanden. 
Die Medailleurkunst, die wohl als die vornehmste dieser Kunstarten 
gilt, ist in Berlin schon jahrhundertlang gepflegt und in ihrer Entwickelung 
von den kunstsinnigen Herrschern des Hohenzollernhauses wirksam unter 
stützt worden. Hervorragende Meister, wie Pfeuffer, Kullrich, sind weiteren 
Kreisen durch ihre ausgezeichneten Arbeiten bekannt geworden. Wenn 
sich auch in den Werken unserer Medailleure nicht die jetzt so beliebte 
Manier der französischen Medailleure, wie Chaplain und vor Allen Roty, 
findet, so werden doch die hier ausgestellten Medaillen unserer Meister 
wegen ihrer ungemein sorgfältigen und von ernstem Streben zeugenden 
Ausführung allgemeinen Beifall finden. Insbesondere sind die von der 
bekannten Berliner Medaillen-Münze von Loos, jetzt Krüger, Lauer in Nürn 
berg und Anderen ausgestellten Arbeiten hervorzuheben. 
B. Buchgewerbe und Buchverlag. 
Das politische Leben eines Volkes ist bestimmend für sein Geistesleben. 
Das Geistesleben eines Volkes spiegelt sich wider in seiner Litteratur, und 
der gewerbliche Niederschlag der Litteratur ist das Buchgewerbe und der 
Buchverlag. So ist auch die Entwickelung des Berliner Buchgewerbes und 
Buchverlages mehr als irgend ein anderer Gewerbszweig abhängig gewesen 
von der politischen Geschichte des preussischen Staates, dem die Führung 
des Deutschen Reiches vom Schicksal bestimmt war. Heute, nachdem 
Berlin seit fünfundzwanzig Friedensjahren sein erstes Jubelfest als Reichs 
hauptstadt feiert, steht es hinsichtlich der Zahl der von ihm in die Welt 
alljährlich hinaüsgehenden Verlagsartikel an der Spitze aller deutschen 
Druckstädte. Die Bedeutung der bekannten Buchhändlerstadt Leipzig beruht 
mehr auf kommerziellem Gebiete. Leipzig ist nach wie vor der Mittel 
punkt für den buchhändlerischen Versendungs-, Lager- und Abrechnungs-Ver- 
kehr, während das Schwergewicht Berlins auf seiner Bücherherstellung beruht. 
Als die mittelalterlichen Druck- und Verlagsstädte in höchster Bliithe 
standen, ja, sie zum Theil schon überschritten hatten, als die Namen der 
berühmten Drucker und Verleger Koberger u. A. sich schon längst mit unver- 
löschlichen Buchstaben in die Geschichte des deutschen Buchhandels ein 
geschrieben hatten, war Berlin ein kleines, elendes, märkisches Landstädtchen. 
Nachdem schon lange die herrlichsten Erzeugnisse deutscher Druckkunst 
erstanden waren, kam es endlich im Jahre 1540 — also 100 Jahre nach 
der angenommenen Zeit der Buchdruck-Erfindung — zum ersten, innerhalb 
der Mauern Berlins gedruckten Buche. 
Ein Hohenzoller war es, Kurfürst Joachim II., der im Jahre 1539 
einen Wittenberger Drucker, Johann Weiss, nach Berlin berief, um eine 
neue Kirchenordnung drucken zu lassen, nachdem der Fürst sich der 
Reformation angeschlossen halte. Weiss druckte und verlegte vier Jahre 
hindurch bis 1544 in Berlin, zog sich aber dann wieder nach Wittenberg
	        
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