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Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie

Gruppe XVI. Papier-Industrie. 
B/oAlE Papiermacherei gehört za den ältesten Gewerben Deutscli- 
1 VJ lands, denn schon im Anfang des 14. Jahrhunderts haben in 
fifiP' Süddeutschland verschiedene Papiermühlen bestanden. Wann und 
wo zuerst in der Mark Brandenburg Papier gefertigt wurde, lässt sich 
zwar nicht genau nachweisen, doch sicherlich sind auch hier bereits in 
früherer Zeit und an verschiedenen Orten Papiermühlen betrieben worden. 
Zu den älteren Fabriken in der Mark gehört die 1539 gegründete und heute 
noch in Betrieb befindliche Papierfabrik in Pulverkrug bei Frankfurt a. 0. 
Auch die auf der Ausstellung vertretene, durch Friedrich den Grossen ge 
gründete Papierfabrik von Gebrüder Ebart in Spechthausen bei Eberswalde 
besteht seit 1781. 
In früherer Zeit wurde jeder einzelne Papierbogen aus einer flüssigen 
Papierstoff enthaltenden Bütte mit einem auf Rahmen gespannten Sieb ge 
schöpft, daher die Bezeichnung Büttenpapier oder geschöpftes Papier. Dieses 
langsame, aber gute Papiere ergebende Verfahren wird heute nur noch für 
Werthpapiere, bessere Arten von Zeichenpapieren sowie zu Papieren für 
hervorragende Prachtwerke angewendet. Erst seit dem Anfang unseres 
Jahrhunderts wird das Papier auf einer von dem Franzosen Louis Robert 
erfundenen Maschine hergestellt. In Deutschland wurde die erste derartige 
Maschine 1819 in Berlin aufgestellt. 
Während in früheren Zeiten das Papier nur aus Lumpen hergestellt 
wurde, finden diese heute nur noch zu den besten Papiersorten Anwen 
dung. Schon in den sechziger Jahren benutzte man als Ersatz für die 
immer theuerer und seltener werdenden Hadern Strohstoff. Mitte der 
60er Jahre kam der von dem im vorigen Jahre verstorbenen Keller 
erfundene sogenannte Holzstoff in Aufnahme, nachdem für seine leichtere 
Gewinnung von Heinrich Völter in Bautzen die geeigneten Maschinen erbaut 
worden waren. Die Papiererzeugung der ganzen Welt ist durch diese 
beiden Erfindungen umgestaltet worden, denn dadurch wurden Druck- und 
Schreibpapiere viel wohlfeiler als früher. Von noch grösserer Bedeutung 
für die Papierherstellung war das von dem Amerikaner Tilghmann erfundene 
Sulfitverfahren, das aber erst durch den deutschen Professor Dr. Mitscherlich 
zu zweckmässiger Verwendung geführt wrnrde. Bei diesem Verfahren wird 
Holz mit doppelt-schwefligsaurem Kalk gekocht und dadurch in brauchbaren
	        
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