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Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie Gruppe VIII. Graphische und dekorative Kunst und Buchgewerbe

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie

12 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1S96 
Beim Lichtsleindruck (Photolithographie) wird auf ein mit Ghromgelatine 
einseitig überzogenes und getrocknetes Papier ein Strichnegativ kopirt. 
Dabei entsteht eine braune Strichzeichnung auf gelbem Grunde, die an den 
braunen Stellen kein Wasser annimmt. Wird eine solche Strichzeichnung 
mit fettiger Farbe eingewalzt, so nehmen nur die trockenen Stellen die 
Farbe an. Da der Steindruck auf der Unvermisc-hbarkeit von Wasser und 
Fett beruht, kann man eine solche Zeichnung auf den lithographischen 
Stein übertragen und ebenso benutzen, wie eine vom Lithographen auf den 
Stein gezeichnete Darstellung. 
Der Lichtdruck (Albertotypie, Lichtleimdruck) ist ein weit verbreitetes 
Wiedergabe-Verfahren für Faksimile-Drucke nach alten Handzeichnungen 
und ähnlichen Kunsterzeugnissen, für Bilder nach der Natur u. s. w. Eine 
mit Ghromgelatineschicht versehene Glasplatte wird unter dem photogra 
phischen Negativ belichtet und ausgewaschen, um das nicht zersetzte Chrom 
salz zu entfernen. Die vom Lichte getroffenen Stellen nehmen, entsprechend 
dem Grade der Belichtung und der Tonwirkung des Origmals, im Bade 
wenig oder keine Feuchtigkeit an, dagegen saugen diejenigen Theile, die 
weniger oder gar nicht vom Lichte berührt worden sind, Wasser ein und 
quellen auf. Wird eine solche Lichtdruckplatte mit Firniss-Druckfarbe ein 
gewalzt, so nehmen die trockenen Stellen mehr, die feuchten weniger und 
die nassen gar keine Farbe an, so dass beim Druck auf der Steindruck 
presse ein dem Original gleichkommendes, mehr oder minder abgetöntes 
Bild entsteht. Man kann beim Druck jeden beliebigen Farbenton hersteilen, 
sowohl die der Photographie ähnliche braune Farbe und einen Sepia-Tusch 
oder Graphit-Ton, als auch rothe, blaue, gelbe und gebrochene Farben. 
Durch Ineinanderdrucken verschiedener Passplatten werden Farbenlicht- 
drucke erzeugt. 
Beim Lichtglasdruck (Glasdruck, Negativdruck) wird das durch photo 
graphische Aufnahme gewonnene Strichnegativ mit Chromgelatine über 
gossen und getrocknet, hierauf in verkehrter Lage, d. h. mit der Glas 
seite nach oben, dem Tageslichte ausgesetzt. Das Licht dringt zuerst durch 
die Glasplatte, trifft dann auf die Bildschicht, dringt nur durch ihre durch 
sichtigen Linien und in die auf dieser liegende Chromgelatineschicht. Beim 
Anfeuchten tritt wieder die schon beschriebene Wirkung ein, die vom Licht 
getroffenen Stellen bleiben trocken, nehmen also beim Einwalzen fette 
Schwärze an. Von der eingewalzten Platte wird ein Abdruck auf Umdruck 
papier gemacht und damit das Bild auf den lithographischen Stein oder 
Zink übertragen. 
Die Tiefdruck-Verfahren bestehen aus dem Lichtkupferstich (Licht 
galvano-Tiefdruck), Heliographie, galvanoplastischem Verfahren und der 
Lichtkupferätzung (Heliogravüre, Photogravure). Beide Verfahren beruhen 
auf den mehrerwähnten Eigenschaften der Chromgelatine und auf der 
Herstellung einer Pigmentkopie eines sogenannten Kohlebildes nach der 
photographischen Aufnahme. Bei Wiedergabe von Strichzeichnungen durch 
den Lichtkupferstich wird ein Blatt mit schwarz gefärbter Gelatine über 
zogenen Pigmentpapieres, nachdem es mit doppeltchromsaurem Kali licht 
empfindlich gemacht worden, unter einem Negativ belichtet, dann in einem 
dunklen Raume auf eine versilberte Kupferplatte unter Wasser aufgelegt 
und fest angerieben. Im folgenden warmen Wasserbade lässt sich nach 
einiger Zeit das Papier von der Platte abziehen und die nicht belichtete 
Chromgelatine abspiilen, so dass nur ihre vom Licht getroffenen, der Zeich 
nung entsprechenden Theile in Gestalt eines Reliefs auf der Kupferplatte 
Zurückbleiben. Dieses Relief wird beim Trocknen metallisch hart. Man
	        
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