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Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie Gruppe VIII. Graphische und dekorative Kunst und Buchgewerbe

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Buch-Gewerbe, Graphische und Decorative Kunst, Papier-Industrie

Gruppe VIII. Graphische etc. Künste und Buchgewerbe 
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Unger in Berlin eine erfolgreiche künstlerische Thätigkeit als Holzschneider, 
in der ihn sein Sohn Johann Friedrich Gottlieb Unger, der 1800 zum Pro 
fessor der Holzschneidekunst an der Berliner Akademie der Künste ernannt 
wurde, noch übertroffen hat. Die beiden Unger und ihre Schüler, F. W. 
Gubitz und Fr. Unzehnann, haben den Holzschnitt in Deutschland wieder 
zu Ehren gebracht. Von grossem Einfluss war es, dass bedeutende Künstler, 
wie Adolf Menzel, Ludwig Richter, Schnorr u. A., sich der Holzschneidekunst 
annahmen; Adolf Menzel hat sich die Holzschneider (z. B. Vogel, Kretschmar) 
erst heranbilden müssen, die seine Zeichnungen zu seiner Zufriedenheit auf 
den Holzstock übertragen konnten. In der weiteren Entwickelung der neu 
belebten Kunst sind hier in Berlin alle verschiedenen Manieren des Holz 
schnitts, die nach der Heimath hervorragender Holzschnitt Zeichner als 
französische, englische oder amerikanische Holzschnittmanier bezeichnet 
werden, neben der deutschen Art mit Erfolg geübt worden. Die zahlreichen, 
in den Kunstanstalten von Bong, Brendamour, Heuer & Kirmse u. A. ent 
standenen Blätter geben den Beweis, dass die Holzschneidekunst auch heute 
noch, trotz des scharfen Wettbewerbs der photomechanischen Verfahren, ein 
werthvolles und unersetzliches Darstellungsmittel bildet. Neben der Ver 
wendung des Holzschnittes zu rein künstlerischen Zwecken sei auch auf 
dessen geeignete Heranziehung zur Vervielfältigung von Zeichnungen auf 
den verschiedenen technischen Gebieten hingewiesen, wovon die gelungenen 
Abbildungen in den Preisverzeichnissen der auf der Ausstellung vertretenen 
Maschinenfabriken u. s. w. ein in die Augen springendes Zeugniss ablegen. 
Auch hierin wird in den Berliner Kunstanstalten ebenso wie in denen in 
Leipzig, Braunschweig, Hannover u. s. w. Hervorragendes geleistet. 
E. Entwürfe, Zeichnungen, Malereien, Modeliirungen, Litho 
graphie und Buntdruck, Kartographie, Photographisch- 
mechanische Druckverfahren. 
Wenn auch grössere Werke der Kupferstich- und Radirungskunst hier 
nicht vertreten sind, da sie in der Regel zahlreicher auf Kunst-Ausstellungen 
zu finden sind, so bietet doch unsere Gewerbe-Ausstellung immerhin recht 
tüchtige und sehenswerthe Erzeugnisse dieser Kunst. Sowohl in der Strich 
manier, wie auch in der Punktir-, Kreide- und Schabmanier haben in 
Deutschland tüchtige Künstler geschafft und gewirkt, und diese Kunst ist 
seit ihrer Erfindung, die ungefähr in das 15. Jahrhundert fällt, dank der 
durch die Nachfrage der Kunstliebhaber geförderten Anregung, immer 
weiter vervollkommnet worden. Bilden doch die Drucke von guten Kupfer 
stichen und Radirungen einen schönen Schmuck für die Häuslichkeit Der 
jenigen, die sich die Anschaffung der theueren Originale versagen müssen 
und die auch die oft minderwerthigen farbigen Vervielfältigungen mit Recht 
verschmähen. Hervorragende Vertreter dieser Kunst haben wir insbesondere 
in Berlin gehabt, wie im vergangenen Jahrhundert den berühmten, in Berlin 
geborenen Stecher und Radirer Georg Friedrich Schmidt, dessen Werke mit 
Recht denjenigen von Nanteuil, Edelink u. s. w. an die Seite gestellt werden 
können. Neben ihm Chodowiecky, dessen Berliner Skizzen und Radirungen 
wohl wenigen Besuchern der Ausstellung fremd sein werden. Auch in 
neuerer Zeit sind hier ausserordentlich gute Kräfte vertreten, um nur an den 
noch nicht lange verstorbenen Professor Mandel und seine Schule zu erinnern.
	        
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