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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen 
„Freihauses“ reizvolle Ruheplätze gewährt. Diagonal gegenüber ist eine 
Bibliothek installirt. Der Mittelraum ist zu einem Schreib- und Lesezimmer 
ausgestaltet, in dem die beachtenswerthen Zeitungen, soweit sie für Archi 
tekten und Bauingenieure Interesse bieten, ausliegen. In den Seitenkojen 
haben die zur Ausstellung angemeldeten Architektur-Entwürfe etc. Auf 
stellung gefunden. Der ganze prunkvoll ausgeführte malerische Schmuck 
des Hauptgeschosses ist eine Ausstellungsarbeit der Firma M. J. Boden 
stein. Die Mehrzahl der grossen Fenster, sowohl im Erdgeschoss, als im 
oberen Stockwerke, sind in edelster Glasmalerei oder in Kunstverglasung 
ausgeführt, so dass das Freihaus in allen seinen Räumen vornehm und 
würdig wirkt. 
Der Otzen’schen Faeade gegenüber liegend, wird der „Bauhof“ in der 
Hauptsache durch zwei Giebelfaqaden begrenzt, die ein kurzer, überdachter 
Gang mit einander verbindet. Entworfen sind diese Facaden durch den Architekt 
H. A. Krause. Mächtig wirkt insbesondere der wundervolle, etwa 20 m 
hohe Giebelaufbau des Töpferei-Gebäudes mit seinen Zinnen und 
Thürmchen, der, in rothen Backsteinen mit farbigen Lasuren ausgeführt, an 
ein altmärkisches Original erinnert. Harmonisch zu ihm stimmt die im 
gleichen Stil, aber niedriger gehaltene Faeade der Ofenhalle. Den beiden 
grossen Bäumen, die auf dem Bauterrain standen und nicht entfernt werden 
durften, verdanken die beiden Facaden ihre eigenartige Stellung zu einander. 
Insbesondere waren diese die Veranlassung, dass der Giebel des Töpferei 
gebäudes hinter dem der Ofenhalle zurücktreten musste und dass erstem' 
durch den Vorbau einer kleinen Eintrittshalle noch besonders geziert wurde. 
Diese Häusergruppirung im Verein mit den in herrlichem Blätterschmuck 
stehenden beiden Baumriesen und dem reizvoll gestalteten schmiedeeisernen 
Gitter, das weiterhin den Abschluss der Längsseite des Hofes nach dem 
„Freihause“ zubildet, giebt ein malerisches Bild von berückender Schön 
heit. Es ist zweifellos, dass der „Bauhof“ mit allen seinen roman 
tischen Bauwerken für die Berliner Gewerbe-Ausstellung eine Sehens 
würdigkeit allerersten Ranges werden wird. — Die dem „Freihause“ gegenüber 
liegende Seite des Bauhofes wird von der Längswand des Haupt-Industrie 
gebäudes gebildet. Um diese nackte Wand zu den übrigen Bauwerken des 
Bauhofes harmonisch zu gestalten, ist sie mit Portalen und pfeilerartigen 
Vorbauten aus rothem Backstein verziert worden und sind ausserdem die 
an das Haupt-Industriegebäude anstossenden Giebel der „Längshalle“ und 
der „Ofenhalle“ mit sogenannten Reiterfacaden versehen, die ihre schlanken 
Giebel keck in die Lüfte senden. Sämmtliche Facaden und Giebel- 
bauten sind in der peniblen, sauberen Weise nahezu unentgeltlich von 
der Firma Held & Franke als Ausstellungsobjekt für Mauerarbeiten 
ausgeführt. Diese Firma hat durch ihr Entgegenkommen wesentlich dazu 
beigetragen, dass der Aufbau des Bauhofes überhaupt zur Ausführung kam. 
Der „Bauhof“ selbst ist 45x30 m gross und bildet im Allgemeinen 
eine gärtnerische Anlage, die, mit Ruheplätzchen versehen, den durch vieles 
und langandauerndes Sehen und Stehen ermüdeten Ausstellungs-Besucher 
erfrischen soll. In der Mitte des Bauhofes steht auf einem von vier Seiten 
ersteigbaren Podest aus Stampfbeton der zierliche, aus rothem Sandstein 
geformte Laufbrunnen von v. Uechtritz, dem in seiner Nähe sitzenden 
Besucher Kühlung spendend. — Dem Brunnen gegenüber steht ein mit 
reicher Malerei versehener, aus Gementdielen erbauter Pavillon, der 
im Innern dauernde Kühle birgt und so berufen ist, ein Versteck für 
die von der Sonnengluth geplagten Menschenkinder zu bilden. — Am 
anderen Ende der „Längshalle“, in der Ecke dicht vor den „Bogengängen“,
	        
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