Path:
Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe IV. Holz-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Issue 2 Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

Gruppe IV. Holz-Industrie. 
@ AS Holz spielt in der Geschichte des deutschen Hauses und Geräthes 
eine ausserordentlich wichtige Rolle. Die Benutzung des Holzes 
für Bauzwecke und seine Verarbeitung zu Möbeln und Geräth war 
bei den germanischen Stämmen von Alters her weit umfangreicher, als bei 
den Kulturvölkern des klassischen Alterthums. Die Griechen und Römer 
bauten ihre Wohnhäuser, ihre Tempel und Paläste aus Stein und statteten 
sie vorwiegend mit Geräthen aus Marmor und Erz aus. Des Deutschen 
Haus dagegen erscheint nach der deutschen Heldensage und der geschicht 
lichen Ueberlieferung in der Zeit nach der Völkerwanderung, als zuerst 
unter dem Einflüsse der römischen Kultur und des Christenthums Spuren 
von friedlicher Kulturarbeit sich bemerkbar machen, lediglich als Holzbau, 
ln der aus Balken gefügten Halle, deren Thürpfosten mit Runen und ge 
schnitztem Bildwerk verziert ist, sitzt der Edle auf erhöhtem Sitz, um ihn 
auf holzgezimmerten Bänken die Mannen. Langsam und allmälig erst 
beginnt der Steinbau sich einzubürgern. Der schier unerschöpfliche Reich 
thum des Landes an bestem Holz, die leichtere und bequemere Gewinnung 
und Verarbeitung dieses Materiales und die klimatischen Verhältnisse wirken 
zusammen, um, wenigstens für das bürgerliche und ländliche Wohnhaus, 
die Verwendung des Holzes als ausschliessliches oder doch als hauptsäch 
lichstes Baumaterial aussergewöhnlich lange, in einzelnen Gegenden bis in 
die jüngste Vergangenheit, ja im Hochgebirge und im skandinavischen Norden 
bis in die heutige Zeit aufrecht zu erhalten. Für Mobiliar und inneren 
Ausbau des Hauses aber hat das Holz bei uns allezeit seine bevorzugte 
Stellung behalten; erst in neuester Zeit sind Möbel in nennenswerthem 
Umfange und zwar vornehmlich mit Rücksicht auf Billigkeit, Beweglich 
keit und die beschränkten modernen Miethsräume aus Eisen hergestellt 
worden; im Uebrigen hat der Deutsche niemals Metall und Stein in gleicher 
Weise, geschweige in gleichem Umfange für sein Gebrauehsgeräth, für das 
Möbel verwendet, wie dies bei den Griechen und Römern geschehen ist. 
Naturgemäss musste sich bei einer so ausgedehnten und vielseitigen 
Verwendung des Holzes und der Leichtigkeit, mit der es überall und reichlich 
in guter Qualität zu beschaffen war, auch die Fertigkeit in der technischen 
Behandlung desselben in erhöhtem Maasse entwickeln. Neben den ursprüng 
lichsten und allen Völkern von frühester Zeit an geläufigen Bearbeitungs 
und Verzierungsarten musste sich sehr bald eine, auch höheren künstlerischen
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.