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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

28 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
billigen Produkte dem Spekulationsbau nutzbar machen, ja für diese 
können sie bei einer so rapiden Produktion, wie sie Berlin in den letzten 
Jahren erlebt hat, geradezu unentbehrlich sein. Vor allem scheint der 
Zimmerfussboden dem Schicksal verfallen, in der Hauptsache nur noch 
von Genossenschaften angefertigt zu werden. 
c) Schlosser, Schmiede.*) 
Das System, wonach unsere Schlosser ihre Arbeiten anordnen, rührt 
von einem deutschen Meister, dem in Augsburg gestorbenen, rühmlichst 
bekannten Schlossermeister Zipper her; bis dahin hatte man die höchst 
unförmigen, obwohl sicheren deutschen Schlösser in Gebrauch, welche mit 
einer halben Tour verschliessbar waren. Zipper gab in seinen Zeichnungen 
das zweitourige Schloss und dabei als Hauptsache den zierlichen, leichten 
Schlüssel. Derartige Schlösser waren an fast allen auf der Ausstellung 1844 
befindlichen Stuben-, Hausthür- und Vorlegeschlössern angebracht. Die 
weitere technische Entwickelung der Schlosserei ist den modernen An 
forderungen der letzten Jahrzehnte entsprechend zweifellos mit weiter ge 
schritten, so dass das ganze Gewerbe heut eine ausserordentlich präzis 
arbeitende, kunstfertige Stufe erreicht hat. 
Die ornamentale Eisenschmiedekunst geniesst bekanntlich in 
Berlin eine recht erfreuliche Pflege, während der Kunsteisenguss sich 
besser in die Gegenden zurückzieht, in denen die hierbei nicht zu 
entbehrende Holzkohle produzirt und die Arbeitskraft billiger wird als in 
der grossen Stadt. Interessant ist es, gerade bei den Bronzearbeiten 
zu beobachten, wie die Behandlung derselben Aufgabe in der Entwickelung 
der Jahre durch die Aufnahme eines Momentes an Gesundheit und Vollendung 
gewonnen hat, wir meinen die Rücksicht auf das Material, die übrigens 
der Berliner Schule keineswegs eigen ist. Man muss in den Formen, die 
in der Feinheit der Stäbe und Ranken fast so weit geht, wie das Material 
überhaupt gestattet, einen entschiedenen Fortschritt erblicken gegen die 
schweren Ranken alter Gaskronen und Kandelaber. Der graziöse, bis zu 
den Grenzen der Haltbarkeit ausgedehnte Metallcharakter wurde verschmolzen 
mit der Schmiedetechnik. Wenn in den letzten Jahrzehnten unsere gesammte 
Metallindustrie in andere Bahnen gelenkt wurde, indem, durch Architekten, 
Bildhauer und Ciseleure veranlasst, die Fabrikanten die Finessen der Technik 
mit dem künstlerischen Theil der Fabrikation verbanden, so sind dafür ein 
besonderer Beweis die Gasbeleuchtungsgegenstände. Das ganze hierher 
gehörige Gebiet hat sich in zwei Gruppen geordnet, von denen die eine ihrer 
normalen Ausbildung nach der Schmiedetechnik angehört. Diese Arbeiten, 
in der Regel aus gedrücktem und aus geschnittenem Blech in Verbindung 
mit flachen Bändern, haben sich durch Billigkeit und Leichtigkeit, auch 
reicher Erscheinung, ein weites Absatzgebiet erobert, wobei die andere Art, 
die wirkliche Bronzekrone, zurückstehen musste. Kein Gewerbe der ge- 
sammten Kunstindustrie hat in den letzten Jahren solche Blüthen getrieben, 
keines hat die beengenden Fesseln, welche Tradition und stümperhafte 
Technik ihm auferlegt haben, so gründlich abgestreift, wie die Schlosser 
und Schmiedekunst. 
d) Klempner.**) 
Die Gewerbe, welche sich mit Blecharbeiten beschäftigen, haben in 
neuerer Zeit wichtige Veränderungen hinsichtlich der Betriebsweise erlitten. 
*) Amtl. Ber. 1844. — Deutsche Bauzeitung 1874 und 1879. 
**) Amtl. Bericht 1844. — Deutsche Bauzeitung 1874.
        
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