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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen 
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täglicli 500 Steine vermauert, diese Zahl wird bei Frontwänden mit vielen 
Pfeilern nicht erreicht, bei stärkeren, vollen Mauern, z. B. Giebelmauern, in 
denen 6—700 Steine zur Verwendung gelangen, überschritten. Rechnet 
man für einen Stein das Gewicht von 3,5 bis 4 kg, so hebt ein leistungs 
fähiger Maurer innerhalb einer Arbeitszeit von 10 Stunden eine Last von 
etwa 38 Centnern. Gebäude von 6—7 Fenster Front, 5 Stockwerk hoch 
mit zwei Seitenflügeln und einem Quergebäude werden in 12—14 Wochen 
von 28—30 Maurern bis zur Rohbauabnahme hochgeführt, vorausgesetzt, dass 
die Frontmauer des Hauptgebäudes nicht durch Sandsteineinlagen, Erker 
oder Vorbauten etwas mehr Zeit zu ihrer Herstellung bedingt. Das Zu 
bringen von Baumaterialien findet, soweit nicht die bereits erwähnten Bau 
elevatoren in Anwendung sind, durch sogenannte Steinträger statt, denen 
die Kalkträger zur Seite stehen. Erstere werden nach der Anzahl der ver 
mauerten Steine einschliesslich des Kalktransportes bezahlt, haben sich also 
mit den Kalkträgern abzufinden. Der Preis für das Zutragen von tausend 
Steinen steigt natürlich mit dem Aufwachsen des Gebäudes. Da jeder 
Steinträger durchschnittlich am Tage 2800—3000 Steine auf die Rüstung 
befördert, so hat er, da die einmal gefüllte Molle, welche 24—30 Steine fasst 
und voll etwas weniger als 2 1 / 3 Centner wiegt, täglich eine Last von etwa 
200 Centnern zu befördern. 
b) Tischler.*) 
Die Tischlerei greift gewissermassen in alle Verhältnisse des mensch 
lichen Lebens ein, sie soll den mannigfaltigsten Anforderungen genügen, 
was um so schwieriger ist, als Architektur, Kunst und Bediirfniss fast bei 
den meisten Arbeiten vereinigt sind, dabei aber auf eine gefällige Form 
gehalten und doch die grösste Dauer erreicht werden soll. Es hat sich in 
dieser Beziehung besonders durch des unsterblichen Schinkels Vorgang und 
Beuth’s kräftige Unterstützung die Tischlerei hinsichtlich des Geschmackes 
in den Formen ungemein gehoben, ja sich in den einzelnen Werkstätten 
selbst der schönen Kunst genähert und vorzüglich durch deren Mitwirkung 
ausgezeichnete Leistungen hervorgebracht. Leider wird bei der immer 
steigenden Konkurrenz und den dadurch mehr gedrückten Preisen immer 
weniger auf ausgezeichnete Arbeit und Behandlung derselben Rücksicht 
genommen. Ein fabrikmässiger Betrieb des Tischlerhandwerkes findet sich 
erst seit dem Ausbau des Eisenbalmnetzes Ende der 40 er Jahre, und 
ununterbrochen steigend hat sich dann in zahllosen grösseren und kleineren 
Tischlereien ein massenhaftes Möbelgeschäft ausgebildet, das unsere Stadt 
und fast alle Gegenden Deutschlands mit seinen Erzeugnissen versorgt. 
Auf dem Gebiete der Holzbearbeitung hat in der eigentlichen Bautischlerei 
die immer mehr überhandnehmende Maschinenarbeit in neuerer Zeit fast 
alle einigermassen gut beschäftigten Werkstätten in Aktiengesellschaften 
umgewandelt, obwohl bemerkt wurde, dass die Architekten kleinere be 
währte Meister bei ihren Vergebungen vorziehen. Gerade die Bautischlerei 
erfordert, wenn sie sich ein wenig über das Gewöhnliche erhebt, so viel 
Erfahrung und Kenntniss im Ankauf und der Behandlung der Hölzer, so 
viel persönliche Exaktheit in ihrer Bearbeitung, dass das Misstrauen 
gerechtfertigt erscheint gegenüber den unpersönlichen Gesellschaften, bei 
denen man meist mit kaufmännischen Vertretern zu verhandeln bat. Diese 
Erscheinung schliesst nicht aus, dass die Holzbearbeitungsfabriken ihre. 
*) Amtl. Bericht 1844. Beilräge zur Geschichte des Berliner Handels und 
Gevverbell. 1870, aus der ältesten Zeit bis auf unsere Tage. Von den Aeltesten der 
Kaufmannschait Berlin 1870, S. 108 u. f. — Dt. Bauztg. 1874.
	        
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