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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen 
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Ein Rundgang durch die Ausstellungsgebäude belehrt, in wie verschieden 
artiger Weise insbesondere die Drahtputz-Arbeiten zur Verwendung gekommen 
sind. Im Chemiegebäude und im „Freihaus der Gruppe III“ sind grosse, 
massiv aussehende Pfeiler, Säulen, starke Wände, Gewölbe aller Art aus diesem 
Material hergestellt: in den Wandelhallen vor dem Hauptgebäude reiht sich 
Kreuzgewölbe an Kreuzgewölbe; im Alpen-Panorama sind die kolossalen 
Felsblöcke der „Alpen“ bewunderungswürdig. Der so ausserordentlich 
reichhaltigen und massigen Verwendung von Drahtputz ist es in erster 
Linie zu danken, dass so monumental wirkende Bauten in unverhältniss- 
mässig kurzer Zeit zur Ausführung gelangen konnten. Wie hingezaubert 
erscheinen jedem Besucher die entstandenen Werke, wenn man bedenkt, 
was in der knappen Zeit von 6 Monaten durch die Drahtputz-Industrie 
geleistet worden ist. So hat beispielsweise eine einzige Firma, das Bau 
geschäft von Boswau & Knauer (s. Ausstellerverzeichniss), auf der Aus 
stellung allein 300 000 qm Drahtputz- und Stückarbeiten ausgeführt. Auch 
in Privatbauten gelangen die Drahtputzarbeiten immer mehr und mehr zur 
Anwendung. 
Eine Abart der bisher üblichen Drahtputzarbeiten bilden die in der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung zum ersten Male in die Erscheinung tretenden 
sogenannten Drahtziegel, welche die Firma P. Stauss & H. Ruff 
{s. Ausstellerverzeichniss) in den Handel bringt. Sie bestehen in der 
Hauptsache aus geglühtem Drahtgewebe, auf dem mittelst besonderer Ma 
schinen sternartig geformte Thonstücke fest eingepresst sind. Diese Draht 
ziegel werden beim Bau von Wandflächen genau so gespannt und im Uebrigen 
auch weiter so behandelt, wie das gewöhnliche Drahtputzgewebe. 
Wegen seiner hohen Feuersicherheit und sauberen Herstellungsart dürfte 
sich dieses Dachziegel-System bald einbürgern. Eine ausgiebige Anwendung 
hat es beim Bau des Freihauses der Gruppe III erfahren, [dessen Aussen- 
wände durchgehends als Ausstellungsobjekt in Dachziegelputz hergestellt ist. 
Die Moni er bauten unterscheiden sich von den Rabitzwänden in der 
Hauptsache dadurch, dass statt des Mörtels Gement zur Verwendung kommt- 
Durch die sachgemässe Verbindung von Draht und Cement erst werden 
die beiden Baustoffe in ihren Festigkeiten vollkommen ausgenützt, und wenn 
auch beide Materialien theoretisch genommen nicht gleichzeitig zum Tragen 
gelangen, wegen ihrer verschiedenen Dehnbarkeit, so zeigten die Probe 
körper praktisch neben unerwartet hoher Tragfähigkeit bei geringem Eigen 
gewicht grosse Dauerhaftigkeit und Feuersicherheit. Die Ausdehnungsziffern 
beider Stoffe liegen nämlich so nahe aneinander, dass der geringe Unter 
schied durch eine gewisse Elastizität des Cementes ausgeglichen und so für 
den Bestand der Konstruktion unschädlich gemacht wird. 
In gleicher Weise wie Mörtel und Cement hat auch der Gips sowohl 
allein, als in Verbindung mit Draht und Eisen zu feuersicheren 
Konstruktionen auf der Ausstellung reichliche Verwendung gefunden. Be 
sondere Erwähnung sollen hierfür die Mack’schen Gipsdielen finden, 
aus denen die Firma P. & 0. Mack (s. Aussteller-Verzeichniss) in Gruppe III 
ein respektables Arbeiterwohnhaus errichtet hat. Sie bestehen im All 
gemeinen aus Gips, in dem sich Rohrstengel befinden, und haben eine 
genügende Festigkeit, um sich recht gut zur Herstellung von Zwischen 
decken zu eignen. Man erhält auf diese Weise gleichzeitig Decken und 
Wände, welche nicht nur feuersicher sind, sondern auch gegen die Ueber- 
tragung ansteckender Krankheiten schützen, Wärme und Schall schlecht 
leiten und aus diesem Grunde jetzt mit grosser Vorliebe zu Barackenbauten 
und provisorischen Lazaretlibauten verwendet werden. Sie lassen sich in
        
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