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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

20 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Feuersgefahr mehr und mehr aus Eisen. Die Vorzüge des Granits 
wiederum liegen darin, dass zugerichtete Werkstücke aus diesem Material 
am Bruch nur etwa 1 / 80 , an der Baustelle im Durchschnitt 1 / 20 oder 
Vso des gleichen Raumtheils Eisen kosten, während die Druckfestigkeit 
25—50% der des Eisens äst. Wenn man auch die Festigkeit des Eisens 
bis zu Vs, die des Granits nur bis zu V20 ausnutzt, so stellt sich immerhin 
ein erhebliches Plus zu Gunsten des Granits heraus. Wie statistische 
Angaben darthun, findet übrigens Flusseisen von Jahr zu Jahr ausgedehntere 
Verwendung, und es erscheint nicht ausgeschlossen, dass in wenigen Jahren 
dass Flusseisen das Walzeisen für Bauzwecke vollständig verdrängt, obwohl 
es z. Z. im Kleingewerbe, weil es eben sehr sorgfältig behandelt werden 
muss, mit Unrecht weniger Anwendung gefunden hat, als bei grösseren 
Bauten. Eine erst der jüngsten Zeit angehörige Neuerung besteht darin, 
dass man die Eisenkonstruktionen mit Cementbeton umstampft, so dass 
Eisen und Cement einen Körper bilden, welcher vermöge der guten 
Festigkeitseigenschaften seiner Urbestandtheile nach angestellten Versuchen 
allen auf ihn einwirkenden Kräften genügenden Widerstand leistet. Die 
Eisentheile, deren Abmessungen durch diese Ummantelungen nur un 
bedeutend vergrössert werden, sind dadurch gegen den zerstörenden Ein 
fluss des Feuers völlig geschützt, so dass eine Erhitzung, welche die Trag 
fähigkeit verringert, nicht eintreten kann. Auffallend bleibt es, dass die 
eisernen Baugerüste, welche doch nach vielen Richtungen hin bedeutende 
Annehmlichkeiten haben, sich nicht weiter verbreiten; die hohe Stand 
festigkeit und der geringe Raum, den sie beanspruchen, leichtes Auf- und 
Abrüsten, wie die Möglichkeit, bequem Geleise für die Hebezeuge anzulegen, 
scheinen nicht den billigen Preis der Riiststangen aufwiegen zu können. 
d) Drahtputzwände, Gips- und Cementdielen. 
In den letzten 20 Jahren haben die Hochbaukonstruktionen, insbesondere 
die Herstellung der Decken und Wände, eine wesentliche Aenderung erfahren, 
die zum Theil auf der Kenntniss neuer Mörtelmischungen und ihrer Ver 
einigung mit Holz-, Eisen- oder Drahtgeflecht, zum Theil auf der konstruk 
tiven Vereinigung mit Eisen und Backsteinen beruht. Bahnbrechend hierfür 
haben die beiden Erfindungen von Rabitz und von Monier gewirkt, die 
gemeinsam das Geschick theilten, dass ihre Patente kurz vor dem Erlöschen 
vom deutschen Patentamt für nichtig erklärt wurden. Die Rabitzkon- 
struktion, welche dem königlichen Hofmaurermeister C. Rabitz in Berlin 
in Deutschland und vielen anderen Ländern patentirt wurde, besteht aus 
einem Drahtgewebe, welches als Träger des Mörtels, der an dasselbe gedrückt 
und dann glatt geputzt wird, anzusehen ist. Das Verfahren, welches bereits 
auf der Unfall-Ausstellung 1889 in verschiedenen Anwendungen vorgeführt 
wurde, hat sich durch ganz bedeutende Tragfähigkeit, die auch bei Ge 
wölben hervortritt, vollständige Feuersicherheit und Schallundurchlässigkeit 
für eine Reihe von Zwecken, und zwar nicht nur für Wohnhäuser, sondern 
auch für Baracken und Krankenhäuser, Theater und alle Bauanlagen, in 
welchen viele Menschen zusammen kommen, derart bewährt, dass nahezu 
der grösste Theil aller Bauten auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
aus diesem ausserordentlich gefügigen Drahtputz-Material hergestellt ist. 
Insbesondere sind hervorzuheben das Haupt-Industriegebäude, die Wandel 
hallen vor demselben, das Gebäude für chemische Industrie, das Alpen- 
Panorama und der Wasserthurm mit seinen gewaltigen Kolonaden. Gips-, 
Gement- und Drahtputzarbeiten bilden gewissermassen die Signatur für 
die Bauten der Berliner Gewerbe-Ausstellung.
	        
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