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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen 
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steigenden Bedarf ihrer Erzeugnisse haben die Fortschritte der Ziegeltechnik 
gleichen Schritt gehalten. Während früher der Thon durch Thiere oder Arbeiter 
selbst durchgeknetet wurde, betrieb man bereits 1844 den weit verbreiteten 
Gewerbzweig maschinell durch Thonschneidemaschinen. Der unsichere 
Betrieb auf sogenannten Feldziegeleien schwand mehr und mehr und machte 
gedeckten Schuppen und geschlossenen Oefen Platz. Seit den letzten Jahren, 
besonders seit dem französischen Kriege, will es scheinen, als wollte bei 
besseren Bauten der Werkstein den Backstein wieder verdrängen, doch kann 
nicht erhofft werden, dass die Ziegeltechnik, auf welche die Mark Brandenburg 
von der Natur hingewiesen ist, in ihrer jetzt so glänzenden Entwickelung 
gehemmt werden sollte. Verbesserungen, die in den letzten Jahrzehnten 
an Brennöfen vorgenommen worden sind, haben den Brennmaterialverbrauch 
auf ein Drittel des früheren herabgesetzt. . 
Wenn auch die Fabrikation der Ziegel mittelst Maschinen noch nicht 
so allgemein Eingang gefunden hat, als zu wünschen wäre, so sind immer 
hin die Maschinen billiger und besser geworden, und durch die neueren 
Vorrichtungen hat man alle schädlichen Einflüsse der wechselnden Witte 
rung überwunden. Die Holzpreise sind in der letzten Zeit so gestiegen, 
dass die Verwendung des Holzes zu Brennzwecken für Ziegelöfen fast ganz 
aufgegeben worden ist; das leichtsinnige Ausrotten der Wälder hat dadurch 
abgenommen. Die Ausdehnung des Eisenbahrmetzes in Deutschland er 
leichtert auf weite Entfernungen den Kohlenbezug und gleichzeitig den Ab 
satz von Ziegelerzeugnissen. Die Strohdächer sind polizeilich verboten und 
müssen durch Ziegeldächer ersetzt werden, der Massivbau für Wohnungs 
und Wirthschaftsgebäude wird nicht allein von den besser gestellten Guts 
besitzern bevorzugt, sondern auch der weniger Bemittelte findet es vortheil - 
hafter, Fachwerksbauten zu vermeiden. Auf dem platten Lande entstehen 
Fabrikanlagen und erfordern ungezählte Millionen gebrannter Ziegelsteine. 
Durch alle diese Faktoren steigt der Absatz, und es verringern sich die 
Herstellungskosten, so dass der pekuniäre Erfolg einer Ziegelanlage, trotz des 
billigeren Verkaufspreises der Waaren, heute als ein bedeutend günstigerer 
zu bezeichnen ist, als der in irgend einem anderen ländlichen Industrie 
zweige. Im Allgemeinen macht sich auch nicht nur eine in grossem Maass 
stabe, sondern eine in bescheidener Ausdehnung angelegte Ziegelei schon 
bezahlt. Brauchbare Thon- und Lehmsorten finden sich fast überall in 
Deutschland, von der Güte dieser Rohmaterialien hängt der Erfolg einer 
Ziegelei vor allem ab. Die Umgegend Berlins hat, besonders in der Gegend 
von Rathenow, vorzüglichen Thon und Lehm zur Anfertigung bester Mauer 
steine und Verblender. 
b) Bauholz, Baugerüst mit Bauelevatoren, Parketfabrikation. 
In Bezug auf Bauhölzer ist Berlin wesentlich günstiger gestellt, als 
hinsichtlich der Bausteine, da die Mark ausgedehnte Kieferwaldungen besitzt. 
Das leicht zu bearbeitende, dabei feste Kiefernholz bildet fast das aus 
schliessliche Baumaterial, wird nach Berlin geflösst und nicht nur im Bau 
allgemein als Nutzholz, sondern überhaupt für alle Tischlerarbeiten verwendet. 
Für diese findet freilich in weit beschränkterem Maassstabe ausserdem 
noch Borkholz oder schwedisches Fichtenholz wegen seiner gleichmässigen 
Maserung Anwendung, während Eichenholz infolge seines ausgezeichneten 
Aussehens bei Luxusarbeiten vorzuziehen ist. Das Fournieren der Hölzer, 
welches mit dem Ende des Mittelalters, als die Erde immer bekannter 
wurde und man in den Besitz der edlen Hölzer der Polarländer und 
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