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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

Gruppe III. Bau- und Ingenieurweseu 
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Bei den hohen Berliner Löhnen fällt diese Bestimmung hier mehr als an 
irgend einer anderen Stelle im Reiche ins Gewicht, und stellt sich der 
wirklich gezahlte Lohn etwa 10 pCt. höher. 
Um an einem Beispiele zu zeigen, in wie ganz hervorragender Weise 
die Stadt Berlin mit ihren Vororten an der Bauthätigkeit des Deutschen 
Reiches betheiligt ist, sei auf die bereits mitgetheilten, auf gleicher Grund 
lage aufgestellten amtlichen Angaben der Sektion I der Nordöstlichen 
Baugewerks-Berufsgenossenschaft hingewiesen, aus denen hervorgeht, dass 
in Berlin und seinen Vororten etwa der 25. Theil aller deutschen Bau 
gewerksbetriebe sesshaft ist, in denen rund der 13. Theil aller Bauarbeiter 
beschäftigt wird, und diese wieder den 11. Theil aller im Deutschen Reiche 
ausgezahlten Löhne und Gehälter für Bauarbeiter erhalten haben. 
5. Lohnrerhältn isse. 
Nach diesen hier wie bereits früher bei Beurtheilung der Bauthätig 
keit Berlins mit den Vororten angeführten kurzen Bemerkungen über die 
Lohnverhältnisse der Bauhandwerker sei es gestattet, in kurzen Zügen 
etwas eingehender darauf zurückzukommen. 
Es empfingen in Berlin Maurer- und Zimmergesellen im Jahre 1879 
nach Angabe des Bundes der Bau-, Maurer- und Zimmermeister wöchent 
lich als Zeitlohn durchschnittlich ca. 19—20 Mark bei einem Stundenlohn 
im Sommer von 25—35 Pf., im Mittel 30—35 Pf. Im Jahre 1889 
empfingen von den 5656 Gesellen, die allein dieser Bund zur Zeit der 
Erhebung beschäftigte, 2504- je 55 Pf., 2048 je 60 Pf., der Rest je 45 Pf. 
bis 1 Mark Stundenlohn. Bei 10 ständiger Arbeitszeit würde sich hieraus 
ein Wochenlohn von etwa 33—36 Mark für die Hauptmasse der Maurer- und 
Zimmergesellen ergeben. Die Ortskrankenkasse der Zimmerer bezifferte 
den Wochenlohn ihrer Mitglieder auf 30—33 Mark; die Lohnangaben des 
Bundes und der Krankenkassen stimmen somit überein. Die Steigerung 
der Löhne hat .sich hauptsächlich vom Jahre 1886 ab, wo die Löhne von 
22,50 Mark im Vorjahre auf 27 Mark stiegen, vollzogen. Gegenüber der 
ausserordentlichen Höhe dieser Steigerung, die sich für den ganzen 10jährigen 
Zeitraum auf mehr als 50 pGt. beziffern würde, sei auf die statistisch 
freilich nicht zu erhärtende Thatsache hingewiesen, dass gerade die Bau 
handwerker in Berlin infolge des Bauschwindels oft beträchtliche Ausfälle 
ihrer Einnahmen erleiden mussten. 
Wenn nämlich das Baugeschäft in grossen Städten infolge der Wohnungs- 
noth einerseits und der Geldflüssigkeit andererseits flott geht, werfen sich 
neben soliden, technisch gebildeten und vermögenden Bauherren geriebene 
und verkommene Spekulanten, Grundstückskommissionäre, auch Maurer 
und Zimmerpoliere und dergl. in Menge auf dies Geschäft. Technische 
Kenntnisse und Vermögen sind keine absolut nothwendigen Bedingnisse für 
diese Leute, denen die vielen sogenannten Baumeister und Maurermeister 
zur Seite stehen, die alsdann nach bekannten Mustern bauen. Geld wird 
ihnen in reichlichem Maasse durch die unsoliden Grundstücksspekulanten 
und Banken vorgeschossen, die Zeche bezahlten alsdann schliesslich die 
Bauhandwerker. 
Standen auch, wie bereits mehrfach hervorgehoben, die letzten Jahre 
unter dem Einflüsse einer wirthschaftlichen Depression, so hat doch die 
Bewegung der Arbeitslöhne nach oben keinerlei Unterbrechung erfahren. 
Für 1892 ergiebt die Statistik der sozialen Versicherungsorganisationen, 
dass die durchschnittlichen Lohnsätze gegen 1891 nicht unerheblich stiegen,
        
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