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Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie Gruppe III. Bau- und Ingenieurwesen

Full text: Bau- und Ingenieurwesen, Holz-Industrie

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
vorüber gerauscht waren, hob sich allmälig wieder die Baukraft Berlins, so 
dass bereits Ende der 30er Jahre sogar in entlegeneren Stadtvierteln schon 
Prachtgebäude entstanden. Einen gewaltigen Wendepunkt erfuhr die Ent 
wickelung Berlins, als die Verkehrs Verhältnisse mit der Eröffnung der ersten 
Eisenbahnstrecke Potsdam-Berlin im Jahre 1838 einer neuen Epoche ent 
gegen gingen. Es begann damit die Massenherstellung gewöhnlicher 
Miethshäuser. 
Mit dem Regierungsantritt Friedrich Wilhelms IV. im Jahre 1840 be 
gann eine weitere Periode in der Entwickelung Berlins, die an Bedeutung 
zweifellos alle früheren weit überragte und die in ihrem ersten Stadium 
neben der Aufstellung des Bebauungsplanes vorzüglich grosse Leistungen 
des Kommunalbauwesens aufwies. Die Gesetze über Freizügigkeit und 
Gewerbefreiheit begünstigten weiter in den Jahren 1864—1871 ein fort 
währendes Zuströmen der deutschen Bevölkerung nach der Hauptstadt des 
norddeutschen Bundes, die schliesslich nach den gewaltigen Erfolgen des 
deutsch-französischen Krieges als junge Kaiserstadt mit Riesenschritten sich 
erweiterte und nunmehr den unbestrittenen Rang einer Weltstadt einnimmt. 
Einen sicheren Beweis hierfür liefert insbesondere die gegenwärtig in Berlin 
tagende Berliner Gewerbe - Ausstellung 1896, die an Grossartigkeit den 
bisher veranstalteten sogenannten Welt-Ausstellungen kaum nachsteht. 
Der ungeahnte Aufschwung, den Berlin nach dem denkwürdigen Jahre 
von 1871 nahm, veranlasste zunächst eine krankhafte wirthschaftliche 
Hausse, die nächst dem Bankwesen besonders das Gebiet des Bauwesens 
traf. Das plötzliche Zuströmen grosser Menschenmassen nach Berlin er 
zeugte naturgemäss eine Wohnungsnoth und schnellte die Mieths- und 
Grundstückspreise bis zu einer schwindelhaften Höhe. Es lag nahe, dass 
man diesem krankhaften Zustande von Staats wegen einen Damm entgegen 
setzen musste, und so enstanden die neuen Berliner Bauordnungen, in 
denen die hygienischen Anforderungen, entsprechend den nunmehr ver 
änderten Lebensbedingungen einer Grossstadt, einen wohlthuenden Einfluss 
gewannen. 
B. Die Entwickelung des Bauwesens. 
1. Umfang der Bauthätigkeit Berlins. 
Es sei an dieser Stelle gestattet, einen Ueberblick darüber zu geben, 
welcher Riesenapparat nothwendig ist, um die Bauthätigkeit einer Stadt 
mit einer alljährlichen Bevölkerungszunahme von rund 40—50 000 Seelen 
zu leiten. Die Baudeputation des Magistrats zu Berlin verfügt über je 
8 Baumspektionen für den Hochbau und für den Tiefbau. 
Die Tiefbauabtheilung umfasst den gesammten Strassen-, Chaussee- 
und Brückenbau, ihr unterliegen die Bearbeitungen des Bebauungsplanes 
und die Anlage neuer Pferdebahnen; während eine besondere Bauinspektion 
mit dem Umbau wichtiger Brücken beschäftigt ist. Die Hochbauab- 
theilung umfasst den Bau und die Unterhaltung der Gebäude; bei ihr 
ist noch eine Bauinspektion mit der Ausführung der Markthallen betraut, 
ihr gehören ferner die Bauinspektoren der städtischen Feuerversicherung 
und ein Heizungsingenieur an. Für jede der beiden genannten Abtheilungen 
ist ferner ein technisches Centralbüreau für Aufstellung und Prüfung der 
Entwürfe thätig. ln dieser Zusammensetzung beziffert sich nach den An
        
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