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Textil- und Bekleidungs-Industrie Gruppe II. Bekleidungs-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Textil- und Bekleidungs-Industrie

50 Spezial-Katalog der Berliner Ge werbe-Ausstellung 1896 
Vor Jahrzehnten schon wurde hier die Engros-Konfektion kleiner Pelz 
sachen, wie Barets, Muffs, Manschetten, Boas, kleinen Schulterkragen und 
anderer von der Mode in den Weg geworfener Artikel aufgenommen. 
In den jüngst verflossenen Jahren war Pelzwerk nicht allein modern, 
man darf sagen, dass es die Mode vollständig beherrschte. Die Kürschner 
hatten darum Ursache zufrieden zu sein. Wohl hatte der Kürschner stets 
seinen Stolz darin gefunden, solide, werthvolle Herrenpelze und Kragen 
herzustellen, dagegen sträubte er sich gegen die Konfektion von Damen 
mänteln und liess sich höchstens herbei, dem ihm vom Schneider gelieferten 
Oberstoff das Futter unterzufügen. Der Wettbewerb der Konfektion führte 
bald zur Aenderung des Verfahrens und verlieh dem Geschäftsgang eine 
wachsende Lebendigkeit. 
Der Unterschied im Absatz der einzelnen Jahre 1871 und 1896 dürfte 
wahrscheinlich dem ganzen Konsum der dem Kriege vorhergegangenen 
zehn Jahre gleichkommen. Die Kürschnerei konfektionirt flott und ge 
schmackvoll. Die Jaquettes, Capes, Rotunden, Mäntel wissen der Mode 
ebenso schnell zu folgen, wie die Stoffumhänge, und alle Finessen derselben 
zum Ausdruck zu bringen. Man verarbeitet Breitschwanz, Persianer, 
Krimmer-Lammfelle, Nerz, Seal, daneben auch andere, weniger kostbare 
Felle, allein und mit einander kombinirt. Der Fremde findet gleichfalls die 
hochfeinsten Pelzwerke, wie Kamschatka-Biber, Blaufuchs, Silberfuchs, 
sibirische Zobel, Hermelin, auf den hiesigen Lägern. 
Gegenwärtig steht die Position der Berliner Kürschnerei in völligem 
Einklang mit der Bedeutung der Stadt. 
3. Schuhe, Schäfte, Filzschuhwaaren und dazu gehörige 
Bedarfsartikel. 
In den letzten Jahren hat sich infolge der Vervollkommnung der 
Maschinen die hiesige Schuhfabrikation ganz bedeutend entwickelt. 
Es bestehen hier zur Zeit 16 komplet eingerichtete Schuhfabriken mit 
Kraftbetrieb, die theilweise eine bedeutende Ausdehnung angenommen haben. 
Das Fabrikat, welches durchschnittlich einem guten Mittel-Genre entspricht, 
theilweise auch in vollendeter Ausführung hergestellt wird, findet in ganz 
Deutschland Absatz und nimmt seinen Weg nach Holland, Schweiz, Däne 
mark, Schweden und Norwegen. Als ein neuer Zweig der hiesigen Schuh 
industrie hat sich die Fabrikation von Ball- und Galanterie-Schuhen 
herausgebildet. Dieser Genre wurde bis vor wenigen Jahren ausschliesslich 
von Oesterreich, speziell von Wien bezogen. Dem hiesigen Fabrikat wird 
jetzt der Vorzug gegeben, weil dasselbe bei gleicher Eleganz grössere 
Solidität zeigt. Dieser Zweig findet Unterstützung durch die geschmackvolle 
Herstellung von Stickereien und Garnituren, welche von hiesigen Spezial- 
Geschäften hergestellt werden. 
Die Fabrikation von Obertheilen, welche früher hier sehr bedeutend 
war, ist in den letzten Jahren, infolge der maschinellen Herstellung von 
Schuhwaaren, wesentlich zurückgegangen. Einige grössere Betriebe wurden 
in die Umgegend verlegt, wo man mit billigeren Arbeitskräften und geringeren 
Spesen zu rechnen hat. 
Ausser der fabrikmässigen Herstellung von Schuhwaaren giebt es noch 
kleinere Betriebe, die theilweise in Berlin selbst, theils in der Umgegend, 
wie Straussberg, Lübben, Frankfurt a. 0. etc., ihren Sitz haben. Diese 
versorgen die kleinen, handeltreibenden Schuhmacher.
	        
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