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Textil- und Bekleidungs-Industrie Gruppe I. Textil-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Textil- und Bekleidungs-Industrie

20 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Feuerwerkszündern, zur Seilerei u. s. w. Die besseren Gespinnste dienen zu 
Teppichen, Plüschen, Bettdrellen, Futterstoffen und zu vielen anderen Zwecken, 
da sie sich leicht bleichen und schön färben lassen. Auf Berlin entfallt mit 
seinen circa 9700 Spindeln der 9. bis 10. Theil der deutschen Produktion. 
Während der Absatz aller Jute-Frzeugnisse in den letzten beiden Jahren, 
speziell für Berlin, ein recht günstiger war, sieht man der Zukunft mit ge 
wissem Bangen entgegen, da beabsichtigte Neugründungen und bedeutende 
Vergrösserungen bestehender Werke zweifellos eine Ueberproduktion in 
Deutschland und auf dem Berliner Markte hervorrufen werden, wogegen 
allerdings nicht ausser Acht zu lassen ist, dass der Verbrauch aller Jute- 
Erzeugnisse noch immer ein wachsender zu sein scheint. 
Färberei, Druckerei und Appretur. 
Diese Zweige der Textil-Industrie sind in Berlin und Vororten stark 
vertreten und befinden sich in hoher Blüthe. Ausser mehreren Gross 
betrieben bestehen hier etwa 90 Färbereien und Druckereien und 40 Appretur- 
und Dekatur-Anstalten mit Mittel- und Kleinbetrieb. Von ansehnlicher Be 
deutung ist Berlin in der Seiden- und Wollfärberei, sowie in der Stückfärberei 
und Appretur von wollenen, halbwollenen und Fantasie-Stoffen. Besonders 
seit dem Anfänge der siebziger Jahre haben diese Industriezweige in der 
Reichshauptstadt einen grossen Aufschwung genommen. So wurden im 
Jahre 1870 nur 100 000 kg Seidengarn gefärbt für einen Farblohn von 
750 000 Mk., 1877 schon 140 000 kg und 1895: 190 000 kg. 
Was die einzelnen Zweige der Färberei betrifft, so ist im Gegensätze 
zum Niedergange der Seidenfabrikation die Berliner Seidengarnfärberei 
aufgeblüht. Die hiesigen Seidenfärbereien stellen Organsins-, Tramen-, 
Chappeseiden für Posamenten-, Stoff-, Band- und Militär-Effekten-Fabrikation 
her, ferner Tussah-Seiden für Fantasiewaaren, gezwirnte Chappe-, Cusir- 
und Cordonet-Seiden für Näh-, Stick- und Häkelzwecke, sowie Chappe- 
Seiden in walk- und waschechten Farben für Effektzwecke in Kleiderstoffen. 
Waschechte Farben auf Chappe- und echten Seiden lür Deckenstickerei, 
sowie walkechte Farben zur Herstellung von Effekten in Tuchstoffen bilden 
eine Spezialität der Couleurfärberei. 
Die Schwarzfärberei stellt als Berliner Spezialität Velpelschwarz auf 
Organsin zur Hutplüschfabrikation her, ausserdem liefert sie Tief- und Blau 
schwarz in leichter und erschwerter Färbung auf Organsin, Tramen, Chappe, 
Cusir und Cordonet zur Herstellung von Stoffen, Posamenten, Spitzen und 
Häkelarbeiten für die Konfektion. Chappe, Cusir sowie Cusirseide farbig 
wie schwarz für Nähzwecke werden in grossen Quantitäten angefärbt. Die 
Berliner Seidengarnfärberei belief sich im letzten Jahre auf circa 190 000 kg. 
Die Wollengarnfärbereien beschädigen sich mit der Herstellung 
von Farben auf alle Arten wollener Garne am Strang. Hauptsächlich werden 
Zephyrgarne für Tapisseriezwecke angefärbt, sowie die verschiedensten 
Garne zur Fabrikation von Teppichen, Tischdecken, Tüchern, Shawls, 
Kleiderstoffen, Posamenten, Plüschen und Fantasiewaaren. Eine Spezialität 
der Wollengarnfärberei bilden Schattirungen auf Zephyrgarne für die 
Tapisserie, ferner Schwarz auf Strickgarn für die Strumpfwaaren-Branche, 
welche in Berlin im Zunehmen begriffen ist, während die früher blühende 
Fantasiewaaren-Branche durch die billigen sächsischen Arbeitslöhne imnmr 
mehr aus Berlin herausgedrängt wird. 
Verbunden mit der Wollengarnfärberei ist die Wollengarndruckerei. 
In dieser werden Zephyr-, Moos-, Kamm- und Strickgarne mit ein- unc
	        
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