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Textil- und Bekleidungs-Industrie Gruppe I. Textil-Industrie

Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Textil- und Bekleidungs-Industrie

Gruppe I. Textil-Industrie 
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Jedoch das nachbarliche Städchen Bernau, welches billigeren Lebens 
unterhalt gestattet und daher billiger produzirt, mr :ht unter Leitung einiger 
hiesiger Fabrikkomtore mit Erfolg grosse Anstrengungen, um sich den auf 
einige Artikel zurückgegangenen Berliner Bedarf durch die auswärtige 
Konkurrenz nicht aus den Händen winden zu lassen. Die Anzahl der in 
Bernau zur Zeit im Gange befindlichen Webstühle hat sich auf ungefähr 
400 reduzirt, von denen ca. 150 mit glatten und damassirten Kleider-, 
Shlips- und Schürzen-Stoffen, 115 mit Hutvelpel und glatten, meist doppelt 
gewebten und geschnittenen Plüschen, 36 mit fagonnirten Plüschen, 70 mit 
ganzseidener Serge, Satin de Chine, Levantine und halbseidenen Atlassen 
und 30 mit verschiedenen halbseidenen Besatzstoffen beschäftigt sind. 
Leinen-Industrie. 
Für dieselbe sind die Vorbedingungen in Deutschland insofern günstig, 
als wir nächst Russland die grösste Flachsproduktion haben, nämlieh auf 
etwa 130000 ha 850000 Doppelcentner Jahresertrag. Wenn nun auch 
nahezu die Hälfte ins Ausland geht, so wird doch andererseits jetzt noch 
mehr, etwa zwei Drittel der ausgeführten Menge, besonders aus Russland, 
wieder eingeführt. Die Flachs-Ein- und Ausfuhr betrug: 
1880 
1890 
1895 
Einfuhr Ausfuhr Mehreinfuhr 
36369 23 230 13139 
60691 26 248 34 443 
64 929 26 290 38639 
Unsere Spinnereien haben noch ein grosses Feld zu erobern, nämlieh 
der deutschen Weberei auch die feineren Garne zu liefern, die jetzt noch 
in hohen Posten — im Werthe von durchschnittlich 22 Millionen Mark 
jährlich — aus England, Belgien und Oesterreich bezogen werden müssen, 
ln der deutschen Leinen-Industrie zählt man etwa 300000 Feinspindeln 
und 8600 Kraftstühle. Das Handspinnrad ist fast ganz verdrängt. In der 
Weberei berechnet man die Zahl der Handwebstühle noch immer auf 
nahezu 140 000, denen ca. 13 600 mechanische Webstühle gegenüberstehen. 
Die Leinwand-Industrie ist über das ganze Reich verbreitet, ihre Haupt 
stätten sind Schlesien, Westfalen, Sachsen, Baiern und Württemberg, — Die 
Heimath der Wäschefabrikation sind neben Bielefeld und einigen Gross 
städten auch Berlin. Sie stellt fertige Hemden, Hemdeneinsätze, Kragen 
und Manschetten her. — Die Zwirnproduktion ist im Königreich Sachsen, 
in Schlesien und der Rheinprovinz zu Hause. — Die Seilerei ist mit ihren 
hervorragenden Erzeugnissen in ganz Deutschland verbreitet. 
Seit Jahren klagt die deutsche Leinengarnspinnerei und die Leinweberei 
über einen schweren Stand. Für die Bekleidungsstoffe, ja selbst für Bett 
wäsche werden immer mehr halbleinene oder baumwollene Gewebe ge 
wählt, und an Stelle desjenigen Leinens, welches zu Emballagen, Decken 
u. s. w. benutzt wurde, tritt mehr und mehr Jute. Dazu kommt die scharfe 
Konkurrenz britischer, belgischer und österreichischer Erzeugnisse. Die 
Ausfuhr von Leinengarn, Leinwand und anderen Leinenwaaren hatte im 
Jahre 1894 einen Werth von 23,0 Milk, 1895 aber von 25,9 Milk Mark. 
Dem gegenüber steht allerdings eine höhere Einfuhr, nämlich von 26,5 Milk 
Mark im Jahre 1894, die im Jahre 1895 etwas geringer geworden, nämlich 
auf 26,2 Milk Mark herabgegangen ist. Umsomehr erfreulich ist das be 
trächtliche Wiederanwachsen unserer Ausfuhr.
	        
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