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Das Riesen-Fernrohr

Full text: Illustrierter Amtlicher Führer durch die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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von Leitern und die kostspielige Einrichtung von auf- und 
nieder beweglichen Podien, falls Beobachtungen an niedrig 
stehenden Objekten zu machen sind, vermieden. 
Weiter trägt der Kasten die seitlich von ihm wegragenden 
200 Centner schweren Gegengewichte' diese bewirken, daß das 
Rohr, welches ein Gewicht von 80 Centnern hat, sobald 
es nicht in einer bestimmten Stellung festgeklemmt ist, einem 
mäßigen Drucke der Hand nachgiebt und mit größter Leichtig 
keit in jede gewünschte Lage gebracht werden kann. 
Bedeutet somit das neue Fernrohr durch die eigenartige 
Konstruktion der mechanischen Teile einen wichtigen Fortschritt/) 
welcher sicherlich von bedeutendem Erfolge sein wird, so ist es 
auch in mancher Hinsicht optisch den größten bis jetzt 
existierenden Fernrohren überlegen. Sein Objektiv 
besteht, wie bei allen großen Fernrohren, aus zwei Linsen, 
einer Crown- und Flintglaslinse; sie haben 70 Centimeter Durch 
messer und erreichen somit annähernd die Linsen der großen 
Fernrohre in Nizza, Paris und Pulkowa. Das bisher größte 
Fernrohr in Deutschland befindet sich auf der Kaiserlichen 
Sternwarte in Straßburg und hat nur 48^ Centimeter große 
Linsen. Weiter ist für das Instrument auch ein Objektiv von 
110 Centimeter Öffnung bestimmt, welches das größte der Welt 
ist und selbst das des Perkes Telescop in Chicago übertrifft; 
der Ankauf und die Bearbeitung der zu diesem Objektiv ge 
hörigen Linsen, welche ebenfalls ausgestellt sind, erfordern 
aber noch den Aufwand von einer Viertel Million Mark, 
welche bis jetzt noch nicht vorhanden ist?*) 
Für die Größe der Bilder, welche ein Fernrohr in der 
Bildebene entwirft, ist aber nicht die Größe der Objektivlinsen 
maßgebend, sondern vor allem deren Brennweite. In dieser 
Beziehung übertrifft das neue Riesenrohr alle Fern 
rohre der Welt, welche gegenwärtig existieren. Bei dem 
Rohre in Pulkowa beträgt die Brennweite 14 Meter; daher 
wird ein Sonnenbild erzeugt, dessen Durchmesser nur 13 Centi 
*) Die genaue Darstellung der Konstruktion des Fernrohres ist für 
die Interessenten in dem Gebäude für 0,50 Mk. käuflich zu haben. 
**) Bekanntlich sind die Kosten für die Fertigstellung des Fernrohres 
von Privaten aufgebracht worden. Den Gebern, welche ihr Interesse 
an der Wissenschaft und deren gedeihlichem Fortschreiten so kräftig be 
thätigt haben, daß der Bau des Instrumentes möglich würde, gebührt für ihre 
hochherzige Gesinnung der wärmste Dank aller Freunde der Wissenschaft.
	        
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