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Zur Geschichte der Berliner Festungswerke

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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dieser Stelle hinausgenickt werden, aber der neu aufgeführte Theil befaß nur eine 
Stärke von drei Fuß und mußte später, da er bedenklich ins Wackeln gerieth, 
durch Strebepfeiler gestützt werden. Ls ist also kein Wunder, wenn die Berliner 
Festungswerke frühzeitig baufällig wurden und stellenweise gar einstürzten, wie 
das mehrfach berichtet ist. Die fortifikatorifchen Sünden der Alt-Berliner von 
Anno 1300 werden begreiflich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß bis dahin den 
Stadt-Insassen das Feuer nie auf die Nägel gebrannt hat, die Leiden einer Be- 
lagerung waren ihnen eine völlig unbekannte Sache. Ursprünglich war die Mauer 
nur mit einem nassen Graben umgeben, das Wasser wurde aus der Spree herein- 
gcleitet und durcli Wehre im Zu- und Abfluß regulirt. Der Graben befand sich 
etwa an der Stelle des dem Centrum der Stadt zugekehrten Bürgersteiges der 
Neuen Friedrichstraße, welche in ihrem eigenthümlich gewundenen Verlauf die 
Linie der alten Festungsbauten der Nachwelt überliefert hat. 
Lrst zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde der Berliner Mauergürtel gemäß 
den höheren Ansprüchen der fortgeschrittenen Bcfestigungskunst endgiltig ausgebaut 
und bedeutend verstärkt. Das neue Jahrhundert machte sich von vornherein in 
einer scharfen Tonart geltend. Das Zeitalter sozialer Umgestaltungen, des Auf 
blühens der Territorialgewalten und des Städtewesens rüttelte das gute Berlin 
mächtig auf. Ls kam die Fehde mit den LMitzows, die märkischen Städte schlossen 
sich, kommender schwerer Zeiten gewärtig, in Schutz- und Trutzbündnisscn eng zu 
sammen und der erste Hohcnzoller legte seine feste Hand auf Stadt und Land, 
erst noch zögernd und maßvoll, aber die Bürger sahen bereits deutlich, daß bei 
der unausbleiblichen Abklärung der eingertssenen Rechtsverwirrung ihnen erhebliche 
Uachtheile zu erwachsen drohten. Sie rüsteten sich daher auf alle Fälle. Da der 
eine Stadtgraben bei der weittragenden Wirkung der neuen Feuerwaffen nicht mehr 
genügenden Schutz gewährte, legte man einen zweiien an und zwischen beiden 
einen erhöhten Lrdwall, der gleichsam als Kugelfang bei Belagerungen gute Dienste 
zu leisten versprach. Hand in Hand ging damit die Lrrichtung der kleineren 
Außenthore auf dem Lrdwall. Wo cs nothwendig erschien, wurden die RIaucrn 
durch neue Weichhäuser bereichert, die verdeckten Wehrgänge werden gleichfalls nun 
mehr in größerer Ausdehnung aufgetreten fein. Wie etwa die Mauer im 15. Iahr- 
bundert durch besondere Bauten verstärkt wurde, zeigt auf der Ausstellung das 
elegant stilisirte Haus mit dem Walmdach am Zwinger. Den weitaus größten 
Kostenaufwand aber verursachten die Rundthürme, die zu eben dieser Zeit an den 
wicktigsten Punkten der Umwallung aufgepflanzt wurden und die Ligenart des 
Stadtbildes vervollständigten. Sie waren verschieden in Höhe und Gestaltung 
und in der Stärke des Mauerwerks, die normale Höhe wird 80 Fuß betragen 
haben, der Spandauer Thor-Thurm soll indessen höher als 100 Fuß gewesen sein 
bei einer Mauerdicke von 8 Fuß. Begreiflicher Weise waren sie sämmilich in
        
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