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Relation von Zerspringung des Pulver-Thurns

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

Relation von Zerspringung des pulver- 
Thurns. 
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„Ls war nehmlich nahe bey dem alten Spandauer Thore ein sehr alter 
runder Thurn, über 100. Fuß hoch, und dessen Mauren über 8. Friß dicke, be 
findlich, welcher vermuthlich in Anno 1150. von dem Brandenburgischen Marg- 
grafen Alberto Urso gleich denen übrigen Thoren und Mauern der Stadt 
erbauet, wovon noch annitzo nebst einem Stück der alten Stadt-Mauer, ein solcher 
Thurn in denen Laru^uen, zwischen dem Spandauer und Königsthor zu 
sehen ist. 
„Den ehemaligen Gebrauch solcher Thürne betreffend, so mögen vermuthlich, 
die obern Theile davon, zu Aufhebung einiger Kriegee-Geräthschafften, oder aber, 
weil man in der Höhe von solchen Thürnen weite Ausstcht haben können, zu 
Warthen und Wacht - Thürnen, und die untern Theile derselben, zu fürchterlichen 
und harten Gefängnissen, gebrauchet worden seyn, maßen man, das letztere zu 
behaupten, in unserm Pulver-Thurn, als Anno 1715. in demselben eine Thüre 
unten eingebrochen worden, eine Tiesse von 15. Llafftern, und im Grunde einige 
Todtcngebeine von Menschlichen Lörpern angetroffen; wie ich davon selber ein 
Zeuge seyn kan, nachdem ich damals in die Tiesse des Thurns hinunter gestiegen 
und es also, wie angezeiget, gefunden habe. 
„Dieser Thurn war es nun, welcher durch seine entsetzliche Zecspringung 
solch Unglück angerichtet, welches nebst Tödtung und Verwundung vieler Menschen 
auch einige Gebäue, insonderheit die OurniZOir-Kirche und Schule sehr hart 
betroffen. 
„Ls sind die, bey solchem Unglück vorkommende Umstände so merckwürdig, 
daß sichs der Mühe verlohnen wird, von der gantzen Begebenheit eine wahrhafftc 
und vollkommene Nachricht, wie man solches zum theil mit Augen gesehen und 
bemercket, auch von glaubhafften Personen, so selbst mitten in diesem Unglück und 
Gefahr gewesen, berichtet worden, hier einzurücken. Denn ob zwar gleich damals, 
ein und anderer Bericht durch den Druck bekannt worden, so sind doch solche 
Nachrichten theils unvollkommen, in einigen aber sind gar Unwahrheiten mit ein 
geflossen, weilen die verfaster derselben, auf ungegründete Erzählungen gefußct." 
In solch anmuthigem Zops-Deutsch äußerte sich 1737 ein im Heiligengeist 
viertel hochangesehener Bürger über das tragische Ende des Spandauer Thor-
        
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