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Das markgräfliche und kurfürstliche Berlin

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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oder, nach den vielen Fenstern zu schließen, gar des ältesten Rathhauses am Alten 
Markt, in der Portalöffnung steht das Landeswappen, der rothe Adler der Mark. 
Die theilweise beschädigte Umschrift lautet in römischen Majuskeln: Sigillum de 
Berlin Burgensium. Aus einer Urkunde des Jahres 1280, also etwa 60 Jahre 
nach der Gründung der Stadt, begegnen wir dem Bären zum ersten Mal im 
Mappen: zwei aufgerichtete Bären halten den Brandenburgischen Adlerschild. Der 
Griginalstempel dazu ist noch heute vorhanden. Die Umschrift lautet hier: Ligilluin 
Burgensium de Berlin 8um. Seit etwa 1538 ist der schreitende Bär das 
Mappenthier, über ihm schwebt der landesherrliche Adlerschild. Das war in den 
Zeiten städtischer Selbstherrlichkeit. Als Kurfürst Friedrich Ist die Stadt demüthigte, 
nahm auch der Bär eine bescheidene Haltung an, er trug ein Halsband und im 
Genick saß ihm der rothe Adler als die suprema volnnta5 der hohenzolleru. 
Jum ersten Mal urkundlich erwähnt wird Cölln im Jahre 1237 und Berlin 
am 26. Januar 1244. Ein Dominus Symeon wird in der betreffenden Urkunde als 
Propst von Berlin genannt. DerSitz einer Propstei bedingt eine vollständig organisirte 
Stadt. Das älteste Berlin lagerte sich ursprünglich um den Alten (späteren Molken) 
Markt und um die Pfarrkirche Sanct Uicolai. Das Granitgemäuer der Thurm- 
facade dieser Kirche repräsentirt das älteste Baudenkmal der Stadt, deren früheste 
Umwallung an der Stelle der heutigen König- und Klosterstraßc zu suchen ist. 
Das war ein normales Areal für eine märkische Stadtanlage. Aber schon in 
der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwies sich eine Erweiterung der Stadt 
als nothwendig. Cölln lag in den Sümpfen eingezwängt, folglich kam der Zuzug 
der Kolonisten Berlin zu Gute. Der Neue Markt und die Marienkirche bildeten 
das Centrum der Stadtauslage und am Ende des Jahrhunderts mußte man den 
Neubau der Mauern in Angriff nehmen. Der Zug der heutigen Neuen Friedrich- 
straße markirt bis 1650 die Ausdehnung des mittelalterlichen Berlin. Unterdessen 
hatten sich an der Töllner Stadtmauer die schwarzen Brüder, die Dominikaner, 
und am entgegengesetzten Ende Berlins die Franziskaner, die grauen Brüder, 
häuslich eingerichtet. Daß man das Hospital zum heiligen Geist innerhalb der 
Mauern antrifft, ist ein außerordentlich wichtiges Moment für die Geschichte des 
ältesten Berlin. Cs ist ein seit 2llters her feststehendes Gesetz, daß die Gpiiäler 
immer vor den Thoren angelegt wurden. Die Siechen, die Krüppel und die 
Armen suchte man möglichst weit über die Peripherie des städtischen Lebens ab 
zuschieben. 2lus der abnormen Lage des Heiligengeist-Spittels ist nun zu folgern, 
daß die älteste Mauer Berlins einen bedeutend engeren Kreis beschrieb als der 
Mauerbau von 1300, ferner wird damit bewiesen, daß das Hospital bis in die 
Zeit der Stadtgründung zurückreicht. 
Berlin hat sich unter der Herrschaft der askanischen Markgrafen bereits zu 
einer verhältntßmäßig ansehnlichen Stadt entwickelt. Die günstige Lage an der
        
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