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Die moderne Einquartierung in Alt-Berlin

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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üstrl Hoffacker fortgesetzt der Retter in der Noth, wenn es galt, ein alterthümliches 
Ladenschild, eine Innendekoration oder sonstige tausenderlei Einzelheiten in die 
Wege zu leiten. Ich habe mich in jenen fieberhaft einherstürmenden Wochen und 
Monaten oft mit Verwunderung gefragt, wie der Künstler, der im geschäfts 
führenden Ausschuß, in der Bau- und Verpachtungskommtssion I und II, in der 
Kommission für Wasser und Gas und in der Park-Kommisston saß, der, so weit 
ich gezählt habe, der Architekt von mindestens acht Gruppen ist, allen Anforderungen 
gewachsen sein konnte. Wenn man für die Leistungsfähigkeit Neu-Berlins ein 
klassisches Beispiel aufstellen will, so ist Karl Hoffacker's Thätigkeit in erster Linie 
dazu berufen. 
Von Herzen gern würde ich nun eine Schilderung bis auf das tz davon 
geben, wie es drinnen in den Läden, Trinkstuben und sonstigen Räumen aussteht, 
aber Mitte April, wo dieses Büchlein zum Abschluß gebracht werden mußte, war 
davon noch nichts zu sehen. Ganz begreiflich. Ts gehört eben zum noblen Ton 
der Neuzeit, daß eine Ausstellung immer erst in der letzten Minute fertig wird. 
Ich kann daher nur insoweit auf die Innendekoration der Ausstellung eingehen, 
als sich die Inhaber der Lokalitäten in dem gegebenen Zeitpunkt bereits darüber 
schlüssig gemacht und mir einen Einblick in ihre Pläne gewährt haben. In der 
Ausstellungszeitung „Alt-Berlin", für welche Emil Doepler d. I. einen 
prächtigen Kopf gezeichnet hat, werde ich später Veranlassung nehmen zu ausführ 
lichen Schilderungen über das Leben und Treiben in dem Mauergürtel, über die 
Tinrichtung der Restaurants und Läden und den ausgestellten Gegenständen aller 
Art eine liebevolle Aufmerksamkeit zuwenden. Dann sollen auch rein technische 
^fragen behandelt werden, wie z. B. die Bauausführungen, die Herr H. Görisch 
sämmtlich übernommen, die Loth'schen Patent-Holzlättchen-Deckengewebe für den 
inneren Ausbau der Trennwände, Decken, Kreuz- und Tonnengewölbe, welche Herr 
G. Heydrich geliefert hat, die Installation der Beleuchtung Alt-Berlins durch die 
Gasglühlicht-Firma <f. Butzkc u. Co., die Kostümausstattnng von Alt-Berlin 
durch Hugo Baruch u. To. und vieles Andere mehr. 
Das ganze Erdgeschoß des Rathhauses und der dazu gehörigen Bauwerke 
haben die Vereinigten Berliner Weinhändler mit Beschlag belegt. Daraus ist ein 
Rathskeller von stattlichen Dimensionen geworden. Ich habe nichts dagegen ein 
zuwenden, daß auch in dem Hause des alten Stadtgerichts der süße Spruch er 
tönt: „Euch soll sogleich Tokayer fließen." Die Ausstattung des Rathskellers ist 
begreiflicher Weise eine ebenso gediegene wie künstlerisch anmuthende. Die Tische, 
Bänke und Stühle, das Zinngeschirr und altvenetianische Kristall, die Malereien 
an den wänden und Wölbungen rufen die alte Zeit zurück, wo dem hetm- 
wankenden Zecher noch keine Gardinenpredigten beschieden waren. Ehedem gehörte 
ein anständiges Räuschlein zu jenen Dingen, die mindestens ein Mal in der Woche
        
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