Path:
Ein Blick auf Alt-Cölln

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

155 
Die alte Hof» und Domkirche lag auf dem westlichen Theil des heutigen 
Schloßplatzes. Das Lauwerk war rings von Mauern umgeben, hinter welchen 
der Klosterkirchhof zu suchen ist. Zwischen dieser Mauer und der südlichen Häuser» 
reibe des Platzes blieb nur ein schmaler Gang. Das war die Domgasse, welche 
von der Breiten- bis zur Brüder-Straße lief. Ursprünglich gehörte die Kirche 
dem Töllner Dominikaner-Konvent. Sie ist 1297 erbaut, nicht in der reichen 
Ausgestaltung, die sie zur Zeit unserer Ausstellung aufweist, sondern in einfachen 
Lacksteinformen, auf dem Dach erhob sich nur ein kleiner Glockenthurm. Die 
'Aufführung von großen Thürmen verbot den schwarzen Brüdern die «Ordensregel 
in aller Entschiedenheit. Im Jahre 1656 hob Ioachi«n II. das Kloster auf, die 
Mönche wurden nach Brandenburg abgeschoben. Mit päpstlicher Genehmigung 
verwandelte sich das Gotteshaus in eine Kollegiatskirche zu Ehren der hl. Magda 
lena und des hl. Erasmus, mit welcher das 1469 begründete Domstift des hl. 
Erasmus vereinigt wurde. Jetzt baute der prachtliebende Kurfürst die Kirche 
glänzend aus, an die Mestfacade wurden zwei hohe Thürme gelegt, ebenso viele 
bekam die Ehorseite und die Längsfronten wurden durch pompöse Staffelgiebel 
am «Ouerschiss verschönt. Der alte viereckige Festungsthurm in der Bähe des 
Thors wurde an den Facaden dem Stil der Kirche gemäß mit Fenstern und 
Blenden neu gegliedert und erhielt ein starkes Geläut aus sechs großen und vier 
kleinen Glocke^, die zum Theil von den Städten Bernau, Milsnack und (vsterburg 
hergegeben wurden. Der Thurm wurde schlechthin „die Glock" genannt. Ferner 
wurde in der Stiftskirche in eigens dazu erbauten Gewölben die Gruftstätte der 
Hohenzollern angelegt. Am 6. «Oktober 1662 verlangte der Kurfürst vom Berliner- 
Rath 24 Mispel Kalk und 6000 Ziegelsteine, um eine neue Mauer um die Kirche 
herum erbauen zu lassen. Die Baulichkeiten des Klosters wurden nach Aufhebung 
desselben anderen Zwecken dienstbar gemacht, es wurde dort im Anfang des 17. Jahr 
hunderts u. a. das Kammergericht und das Konsistorium untergebracht. Auch 
nach der Einführung der Reformation wurde in der Hofkirche der Gottesdienst 
in allem Pomp früherer Zeit abgehalten und der Kurfürst beschenkte die Kirche 
mit einein reichen Schatz von goldenen und silbernen Gefäßen und mit Statuen 
aus Edelmetall, ebenso wurden zu Ehren Heimgegangener Kurfürsten jene pracht 
vollen Grabdenkmäler errichtet, die noch heute erhalten sind. Durch die Schätze 
angelockt, brach in der Thrlstnacht des Jahres >690 ei» Weißgerber aus Lieben 
werder in die Kirche ein und stahl eine Reihe von Merthstücken, darunter auch 
eine silberne Statue der hl. Katharina. Der Dieb wurde mit glühenden Zangen 
gezogen und dann bei lebendigem Leibe gerädert. Che der Mann gefaßt war, 
hatte der Kurfürst von Rah und Fern Schwarzkünstler und Teufelsbanner zu- 
sammengerufen, die den Thäter herausspüren sollten. Diese Rotte mußte aber 
wieder verjagt werden, weil die Hellseher nach und nach einige hundert Einwohner
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.