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Heiligegeist-Gasse

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Landesherren wiederholt in geharnischten Vorschriften. In Eöpenick und Spandau 
wurden Wasservögte oder pritzstabeln niedergesetzt, von denen der erstere denWasserlauf 
bis zu den kurfürstlichen Mühlen in Berlin und der andere die Spree und Havel bis zur 
Mündung zu infpiziren hatte. Doch diese Beamten wurden so schlecht besoldet, daß man 
annehmen muß, daß sic auf alles Andere, nur nicht auf die Raubfischereiihr Augenmerk 
richteten. Charakteristisch ist schon cineCntscheidung des Markgrafen Johann vomZ.De 
zember 1480, welche streitige Punkte zwischen den Berliner und Cöllner Mischern 
einerseits und den Spandauer Kietzern andererseits regelt. Hierbei wurde bestimmt, 
daß die Ersteren auf der Spree unterhalb Berlins nur mit sechs Kähnen fischen 
und sich dabei nicht der pulserei und der Rapennetze bedienen sollten. Das 
pulsen ist das Hineintreiben der Fische in ausgespannte und durch Strohwische 
markirte und an der Oberfläche gehaltene Netze. Die Mischer pflegten mit ihren 
Staken und schaufelähnlichen peetzen in das Wasser zu stöckeln oder durch Klopfen 
mit Steinen oder Hämmern auf den Boden des Kahns den Fischen das Einlaufen in 
die Netze handgreiflich nahe zu legen. Das sollte nun nicht mehr sein. Am 6. März 
1637 erließ der Rath von Berlin-Cölln eine genau detaillirte (Ordnung für die 
Fischer-Innnung. Da dieses Edikt annähernd in den Zeitpunkt unserer Ausstellung 
fällt, möchte ich wenigstens den Anfang der weitschweifigen Urkunde hier mit 
theilen, damit der Leser einmal eine Vorstellung gewinnt, was für ein Deutsch 
die würdigen Rathsmannen dazumal von sich zu geben pflegten. Cs heißt auf dem 
Pergament: 
„Wier Bürgermeisters und Rhatmanne der hiesigen beeden Churfürstlichen 
Resiöentien Berlin und Cöln an der Spree hiermitt vor unß, unßere Nachkamen 
am Rhat und sonsten jedermänniglichen thuen kund und bekennen öffentlich, daß 
vor uns im sitzendem Rhat kom-men und erschienen die ehrsahme sämbtliche Fischere 
Hierselbsten und uns mitt mehrem zu erkennen gegeben, wessen gestallt ihre unter 
sich habende altte Gewohnheiten und Fischer-Gebreuche biß dato noch in keiner 
schriftlichen Ordnung verfasset gewesen, dahero dann in Manglung derselben 
zwischen ihnen öffters und vielmahls allerley Confusiones, Gezencke, Unwill, 
Zerrüttung und Unordnung entstanden, weßwegen fle bewogen worden, zu Ver 
hüttung fernerer Uneinigkeit und Schaden, dakegen aber zu Fortpflantzung und 
Erhaltung guter Ordnung, Zucht und Erbarkeitt ihre altte Gewohnheiten und was 
sonsten der Erbarkeitt und guter polizey gemeß in gewisse Articul wohlbedecht- 
lichen fassen und zu P.:pir bringen zu lassen mitt gantz fleißiger unterdinstlicher 
pitte, wier möchten sie mitt solcher Fischer-Ordnung, Gülde undt Gewonheitt pri- 
vilegiren und berührte Articull nicht alleine verbessern, sondern auch gonstig- 
lich confirmiren undt bestettigen, wie selbe in folgender Ordnung von Wortt zu 
Wortt folgen:" Es kommen nun 24 langathmige „Articull", die Alles bis auf 
das tz nach dem Brauch alter guter Zeit regeln.
        
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