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Plan und Straßen-Namen von Alt-Berlin

Full text: Offizieller Führer durch die Spezial-Ausstellung Alt-Berlin / Rapsilber, Maximilian

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Neuen Markt, Gegen und Hinter der Marienkirche, Neben der Kanzlei, Gegen der 
Kanzlei und am Endpunkt an der Mauer war der Gcckhol. Das war eine Sack 
gasse, und wenn etwa ein des Weges Unkundiger hier einbog, rief man ihm 
„Geckhol" (Geck Hali!) nach. Daher die Bezeichnung, vom Hohen Steinweg 
glaubt man, daß er schon in früher Zeit Pflaster erhalten, weil hier der Mark 
graf, wenn er vom Spandaucr Thor und dem Neuen Markt kam, durchritt, um 
zu dem Hohen Hause in der Klosterstraße zu gelangen. Interessant ist es auch, 
den früheren Namen von hervorragenden Straßen des neueren Berlin nachzu 
spüren. Die Schloßfreihcit hieß zuerst schlecht und recht „Gang am Wasser", 
dann „Hinter der Wasserkunst", weil sich dort der mit einem Wasserwerk versehene 
Münzthurm erhob, 1672 begegnen wir dem Namen „Freiheit am Schlosse", etwas 
umständlicher lautete es nach der Bebauung des Uferstreifens „Die Iäexheit zwischen 
der Hundebrücke und der Mühle". Im Jahre 1723 verfügte der kurz angebundene 
Soldatenkönig den Namen „Die Istexheit". Friedrich Wilhelm I. hat auch den 
ehemals mit pomphaften Gartenanlagen geschmückten Lustgarten in einen nüchternen 
Parade- und Exerzierplatz umgewandelt. Die Avenue Unter den Linden hatte 
eine Vorgängerin in der alten Landstraße, die durch den Thiergarten über Lietzow 
nach Spandau führte. Wo heute Zeughaus und Kommandantur stehen, war im 
17. Jahrhundert noch der sogenannte Gänsewerder, ein Anger, auf welchem sich 
die kurfürstlicbcn Gänse tummelten. Schon auf dem Stadtplan Memhardt's von 
1652 findet sich eine sechsfache Baumrcihe vor. Die Allee erstreckte sich anfänglich 
von der Hunde- (h.utigen Schloß-) Brücke nur bis an die Stelle des späteren 
Opernhaujes. Mit der Vergrößerung der Stadt wurde auch die Straße stückweise 
verlängert. Beim Anbau der Dorotheenstadt 1675—1680 entstand die bis zur 
Schadowstraße reichende Strecke; die Kurfürstin Dorothea, die hier auch den ersten 
Baum eigenhändig gepflanzt, taufte sie Linden-Allee. Der letzte Theil bis zum 
«Quarree, späteren pariser Platz, wurde 1737 angelegt. Johann Stridbeck bat 
uns in seinem Skizzenbuch eine Ansicht der Linden-Allee aus dem Jahre 1691 
hinterlassen. Er nennt das Blatt „Profpcct oder Weg, gegen dem Thier-Garden 
vor Berlin". Die Straße war nur stellenweise von Häusern eingesäumt. 21» der 
Stelle des Kaiser-Palais hatte der Oberst von Weiler ein Haus, gegenüber stand 
der kurfürstliche Stall. Kühe weideten auf dem Glacis-Streifen, wo jetzt die Uni- 
versttät zu finden ist. Eine Zugbrücke neben dem Stall deutet auf den Iststungs- 
graben des Großen Kurjürsten hin. Aus eben solchem Stückwerk ist die Isticdrich- 
straße entstanden. Der älteste Theil zwischen der Weidendammer Brücke und der 
Behrenstraße hieß ursprünglich bei Bebauung der neuen 2luslage „Der Damm" und 
später „(Querstraße", weil von ihr die älteren Straßen der Dorothecnstadt durch 
schnitten wurden. Der Theil zwischen den Linden und der Lehrenstraße hieß auch 
„An der Potsdamer Brücke". Im Zuge der Behrenstraße befand sich nämlich der
        
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