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Periodical volume Nr. 58, 14. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle AussteHungs-Nachrichten. 13 
gung des Körpers beim Unterricht achten sollten. Gewisse 
Maximen wurden für- die Revision aufgestellt und endlich er 
hielten Württemberg, Hessen und Preussen den obligatori 
schen Turnunterricht. 
Damit war :ein bedeutender Schritt vorwärts gethan, um 
die Hygiene in die Schulen einzuführen, aber es blieb und 
bleibt noch heute sehr viel zu thun übrig. Die Kinder sind 
sehr empfindlich gegen Gifte, deshalb muss vor allen Dingen 
der Loden, auf dem die Schule erbaut wird, ein guter sein. 
Die sonstigen wichtigsten Factoren für die Schulhygiene sind 
Luft, Heizung und Licht. Wir hätten gewünscht, der Herr 
Professor Baginsky wäre gerade auf diese drei Theile des Nä 
heren eingegangen. Aus meiner (eigenen Praxis.als Lehrer 
schweben mir so viele Momente vor, welche gerade ein gutes 
Bild von der Wichtigkeit der drei erwähnten Punkte für die 
Gesundheit der Schüler gegeben hätten. Luft undLicht! 
Man soll, auch im Winter, nicht das Oefinen der Fenster 
verbieten, weil vielleicht ein Kind sich erkälten könn 
te, sondern man soll gerade die Geffnung der Fenster ver 
langen. In den Pausen zwischen den einzelnen Stunden 
ist es nothwendig, die Kinder ;auf den Spielplatz zu senden, 
damit sie sich erholen und unterdess are schlechte, Luft aus 
dem Zimmer möglichst entfernt wird. Das Licht muss ein 
gutes sein, es soll den Kindern auf der dem Licht entgegen 
gesetzten Seite des Zimmers nicht schwer fallen, leicht zu se 
hen. Gerade am Licht mangelt es oft und es muss die be 
trübende Thatsache constatirt werden, dass die Kurzsichtig 
keit mit den aufsteigenden Klassen zunimmt. Neben den drei 
genannten bilden verschiedene andere Factoren' wichtige Be 
achtungspunkte für die Schulhygiene. Fehlerhafte Sub- 
sollien schaden der Gesundheit der Schüler und durch sie wer 
den namentlich die Schäden am Knochengerüst des Menschen 
hervorgerufen, welche der .Vortragende an einer Reihe von 
Lichtbildern zeigte. Die Verkrümmung der Wirbelsäule, 
welche durch schlechtes Sitzen oder durch fehlerhafte Sub 
sellien hervorgerufen wird, ist eine bedeutende. Sie beträgt 
bei Kindern: 
im Alter von 5—6 Jahren 3 pCt. 
„ >> ,> 6—7 „ 21 „ 
„ „ „ 7-10 ,. 56 „ j 
Auch auf die Ausarbeitung der Stundenpläne muss be 
deutend mehr Gewicht gelegt werden. Nie dürfen viele 
Stunden, welche angestrengtes Nachdenken erfordern, hinter 
einander fallen. Namentlich sind in den Schulen, in welchen 
noch die Unsitte herrscht, Nachmittagsunterricht zu erthei 
len, die sogenannten „Denkstunden” auf den Vormittag zu 
verlegen, Nachmittags müssen nur mechanische Unterrichts 
zweige ausgeübt werden. Ebenso findet sich die grösste Ver 
worrenheit in der Zusammenstellung des Stundenplans. Es 
grenzt nahezu an Unvernunft, wenn man für die sechs Tages 
stunden die Reihenfolge wählt: Lesen, Singen, Englisch, Al 
gebra, Bibelkunde, Geographie, und doch ist dergleichen 
möglich. 
Man muss deshalb mit allen Kräften darauf bedacht sein, 
die vorhandenen Schäden, und deren sind nach dem Ange 
führten nicht wenige, auszubessern, denn nur in der 
normalen Entwickelung der Jugend liegt in 
der Zukunft die Macht und Stärke der Na 
tion. A. Schacht. 
Die Institution of Naval Architects in der 
Gewerbe-Ausstellung. Einer Einladung der Vertreter des 
Handels und der Industrie Berlins folgend, die den viel 
fachen Ehrungen, die der internationalen „Institution of 
Naval Architects” hier zu Theil wurde, eine neue zufügen 
wollte, statteten die Mitglieder derselben mit ihren Damen 
gestern in corpore unseren Ausstellung einen Besuch ab, 
um daselbst zunächst ihre geschäftliche Schlusssitzung ab 
zuhalten und hierauf an dem ihnen angebotenen Fest theil- 
zunehmen. Von 9 Uhr ab sammelten sich über 500 Mit 
glieder der Gesellschaft an der reichgeschmückten Jannowitz- 
»Brücke, wo eine Deputation des Fest- und Empfangs-Comi- 
te, darunter die Herren Geh. Commbrcienräthe Herz und 
Goldberger, Commercienrath Kaselowsky, Admiral von Holl 
mann und Dr. Martins, die Gäste, meistens Engländer, in 
Empfang nahm und auf die prächtig geflaggten .Dampfer 
„Kaiserin Friedrich“ und „Baurath Hobrecht“ geleitete. 
Von der an den Ufern und auf der Brücke zahlreich versam 
melten Menge, sowie von der Mannschaft des ihnen unterwegs 
begegnenden Torpedos „Sirene“ lebhaft begriffest, setzten 
sich die Schiffe um 9§ resp. 10 Uhr in Bewegung und lan 
deten in kurzen Zwischenräumen nach 10| Uhr an dem 
Kaisersteg, der ebenso reich wie geschmackvoll mit frischem 
Grün und zahllosen Flaggen und Wimpeln geschmückt war 
und wie das benachbarte Kaiserschiff „Bremen“, das im 
Schmuck der Seeflaggen aller Nationen prangte, einen präch 
tige^ Anblick gewährte. 
H>n den Mitgliedern des Empfangs - Comite geleitet, 
begaben sich die Gäste zunächst durch die überaus festlich 
geschmückte Allee nach dem Hörsaal des Chemiegebäudes, 
der mit herrlichen Palmengruppen, einem duftigen;BltI2Pen- 
fior und den Büsten Kaiser Wilhelms und der Königin Vic 
toria geziert war. An dem Tisch des Präsidiums hatten als 
Leiter dCrVersammlung der Earl of Hopetown, neben ihinAd- 
miral von Hollmann und Geh. Commercienrath Herz, der 
Vorsteher der Aeltesten de? Berliner Kaufmannschaft, Platz 
genommen, während den Saal eine auserlesene Gesellschaft 
füllte, in der wir unter der Fülle nautischer wissenschaft 
licher Capacitäten u. A. die englischen Admirale C. C. P. 
Fitzgerald und Lord Beresford, den Admiral Karelier, Mr. 
B. Marteil, den zweiten Präsidenten der Gesellschaft und dem 
berühmten Eisenbahn- und Schiffbau-Architekten White be 
merkten. Um 11 Uhr erhob sich Herr Geh. Commercienrath 
Herz und begrüsste die Versammlung mit einet Rede, in der 
er etwa Folgendes ausführte: 
„Ladies und Gentlemen ! Die Vertreter des Handels und 
der Industrie konnten es nicht unterlassen, die Mitglieder 
der Institution of Naval Architects bei ihrem Aufenthalt 
in Berlin zu begrüssen, und heisse ich Sie daher 
herzlich willkommen. Handel und Industrie aller 
Völker erkennen dankbar die Wohlthaten an, die durch die 
eminenten ^Fortschritte auf dem Gebiet des Schiffbaues dem 
Weltverkehr zu Theil geworden sind. Wie die Eisenbahnen 
den Verkehr auf dem Continent vermitteln, so vermitteln die 
Schiffe den Verkehr zwischen den durch die Meere getrennten 
Erdtheilen und kommt hier dem Welthandel jede Verbesse 
rung zu Gute. Die durch sie in das Leben gerufenen 
gewaltigen Fortschritte haben die Schnelligkeit 
und Sicherheit der Schifffahrt derartig erhöht, dass die Aus- 
und Einfuhr der Erzeugnisse des Handels und der Industrie 
fast gar keinen Schwierigkeiten mehr begegnet, und dankbar 
erkennen wir an, dass gerade Ihre Arbeit, Ihr reiches Wissen 
wesentlich dazu beigetragen haben, diesen weltbedeutenden 
Erfolg zu erringen, der uns den höchsten Respekt vor dem 
menschlichen Geist empfinden lässt. Ich schliesse. mit dem 
Wunsch, dass alle Völker durch die Fortdauer des Friedens 
in die glückliche Lage gebracht werden, die Segnungen des 
Verkehrs, wie sie von ihrer Institution ausgehen, glücklich 
zu gemessen und heisse Sie nochmals herzlich willkommen.” 
Von dem Seeretair der Gesellschaft sofort in das Eng 
lische übertragen, wurde die Rede stürmisch begrüsst, worauf 
der Präsident, Earl of Hopetown, das Wort ergriff und 
mit warmen Worten den Dank der Versammlung für den 
herzlichen Empfang aussprach — ein Empfang, wie er wohl 
noch keiner Gesellschaft jemals zu Theil geworden sei. Der 
Redner verlas das bekannte Begrüssungstelegramm des 
Kaisers an die Institution, das mit brausendem, nicht enden 
wollendem Jubel aufgenommen wurde und forderte idie. An 
wesenden auf, den Kaiser, der um 3-g Uhr auf seiner V acht 
„Alexandria“ Treptow passire, in corpore am Ufer zu be-
	        
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