Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

R
Gfficielle Ausstellung« rlachrichte».
Klaife rentiren, der in Weißenfels mir dem von München kommenden
Zuge Nr. 31 vereinigt werden könnte? Dann wäre auch bei den Nacht-
zügen zwischen Rietschenhausen und Neudietendorf genügend Verkehr!
H. Stettin, 3. März. In allen Schichten der Bevölkerung bildet
hier die am 1. Mai zu eröffnende Berliner Gewerbe-Ausstellung, welche
in erster Linie die Leistungen des Berliner Gewerbefleißes veranschaulichen,
aber auch die Idee der Einheit des Reiches zur Darstellnng bringen soll,
das Gesprächsthema. Durch eine nicht weniger als täglich zehnmalige
Eisenbahnverbindung auf einer nicht mehr als 134 Kilometer betragenden
Entfernung hat unsere Stadt allerdings mit der Reichshauptstadt schon
von jeher an und für sich besondere Fühlung gehabt, wie in entgegen
gesetzter Richtung die Seestadt Stettin der Sammelpunkt der Reichshaupt-
städter ist, welche von hier aus allwöchentlich im Sommer ihre Rügen-
fahrten oder weitere Seereisen nach Copenhagen, Bornholm, Malmö rc.
antreten und von hier ans die erfrischenden Ostseebäder aufsuchen. Wie
ihnen diese Fahrten von Stettin aus durch die Bräunlich'schen Dampf
schifffahrts-Unternehmungen besonders bequem gemacht werden, so sollen
jetzt auch uns die Fahrten zu der Berliner Gewerbe-Ausstellung erleichtert
und vor allen Dingen auch durch Herabsetzung der Fahrpreise auf die
halben Preise der jetzigen Rückfahrscheine in dritter Wagenklasse für alle
fahrplanmäßigen Züge verbilligt werden. Dieser Plan des Vorstandes der
Berliner Gewerbe-Ausstellung wird sich ja hoffentlich verkörpern, zumal
durch den dadurch gesteigerten Massenverkehr die Einnahmen der Eisenbahn
verwaltung gewaltig anwachsen müssen.
br. Köslin, 1. März. Auch in unserer Stadt bildet die diesjährige
Berliner Gewerbe-Ausstellung ein häufig in der Familie, in der Gesellschaft
und am Biertische besprochenes Thema. Im Allgemeinen hofft und ver
spricht man sich von ihr und den mit derselben in der Reichshauptstadt
verbundenen Sehenswürdigkeiten recht viel und recht Gutes. Man ver
folgt mit Interesse jede einzelne Mittheilung, welche über die Ausstellung
durch die Zeitungen geht, und freut sich schon auf den Besuch derselben.
Wer es nur irgend ermöglichen kann, beabsichtigt einen Besuch, und wir
glauben, daß von hier aus eine nicht unbeträchtliche Anzahl Besucher
während der Ausstellung nach Berlin reisen werde. In gleicher Weise
äußert sich die allgemeine Stimmung auch auf dem Lande in der Nähe
unserer Stadt.
?
W. U. Köln, 1. März. In den letzten acht Tagen hatte ich aus
Anlaß einer kleinen geschäftlichen Reise durch die Rheinprovinz Gelegen
heit, in den größeren Städten vermöge meiner Beziehungen in den
industriellen, gewerblichen und wirthschaftlichen Kreisen mir ein Bild da
von zu machen, lvie man in jenen Kreisen über Ihre Ausstellung denkt,
und ich muß gestehen, eine derart entschieden günstige Aufnahme dieses
Unternehmens, wie ich sie in der rheinischen Bevölkerung gefunden habe,
hätte ich nicht erwartet. So viel steht fest, Rheinland dürfte ein be
deutendes Kontingent Besucher stellen, einmal schon wegen der bequemen
Fahrgelegenheiten, andererseits aber namentlich auch, weil man etwas
Großartiges, Gediegenes erwartet und bei dem natürlichen Drang des
Rheinländers, überall mit dabei zu sein, er doch auch seine Neugierde
befriedigen möchte. In den industriellen Kreisen bedauert man vielfach,
daß man als Aussteller nicht mitthun kann, tröstet sich aber niit dem Ge
danken, daß nach der voraussichtlich guten Durchführung dieser „lokalen"
Ausstellung es bald auch zu einer allgemeinen deutschen Ausstellung
kommen werde.
Die Berliner Gewerbe-Ausstellung und das
Ausland.
Ein Besuch des Internationalen Pres; - Bureaus der bevor
stehenden Berliner Gewerbe-Ausstellung würde selbst den berühmten
Kardinal Mezzofanti erfreuen, von dem behauptet wird, daß er
ungefähr hundert Sprachen und Dialekte thatsächlich kannte.
Nicht nur von allen europäischen Ländern, sondern aus den
entferntesten überseeischen Gcgendeli laufen ununterbrochen Berichte
über die Berliner Gewerbe-Ausstellung ein. Ohne das freundliche
Entgegenkommen des Orientalischen Seminars werden viele davon
für die Bcthciligten ein verschlossenes Buch bleiben. Oft lveiß »mit
nicht einmal, wem man solche Documente, die Monate unterwegs
bleiben, zu verdanken hat. Auch ein durchschlagender Beweis für
das Interesse, dessen sich das große Unternehmen überall erfreut
Um einen annähernden Begriff von der Bedeutung solcher
Berichterstattung für das Gelingen der Berliner Veranstaltung zu
geben, niöchten wir hier eine Auslese des vorliegenden Materials
halte». Da die Franzosen aus naheliegenden Gründen die Ber
liner Gewerbe-Ausstellung am liebsten todtschweigen und wir nicht
gerade mit stammverwandten Sprachen beginnen möchten, so fangen
wir mit Italien, unserem Freund und Alliirten, an.
Bei einem Ueberblick der zahlreich aus Italien eingelaufenen
Ausstellnngsberichte fällt der Unterschied zwischen der italienischen
und der nordischen journalistischen Eigenart sofort scharf ins Auge.
Der lebhafte Italiener ist ziemlich unempfänglich für trockene An
gaben, es liegt ihm nicht viel daran zu erfahren, wie viel Meter
hoch und breit ein Gebäude ist, wie viele Ziegelsteine bei seiner
Herstellung verwendet wurden, wie viele Eingänge oder Thürmchen
vorhanden sind. Wie alle lateinischen Völker, legt er unvergleichlich
mehr Werth auf die literarische Form und etwas Phantasie oder
richtiger gesagt Laune ist bei ihm Hauptbedingung. Daher fehlen
in der italienischen Presse die zahlreichen Ausstellungsnotizen,
denen wir in der Presse anderer Länder regelmäßig begegnen,
gänzlich. Der italienische Berichterstatter legt, wie der Franzose
und der Spanier, den Hauptwerth darauf, alles zu einer gefälligen
Plauderei zu gestalten. Dem Leser muß er die undankbarsten
Gegenstände mundgerecht machen und immer für seine Unter
haltung sorgen.
Unter solchen Umständen und bei dem Interesse, das Kaiser
Wilhelm überall erweckt, mußte natürlich seine ganz ungewöhnliche
Theilnahme für die Berliner Gewerbe-Ausstellung nach Kräften
verwendet werden. Ein Bericht heißt sogar: „Die Ausstellung
Kaiser Wilhelms". In den ehrfurchtvollsten und sympathischsten
Worten, jedoch nicht ohne einen gewissen Anflug von Humor,
wird darin auseinandergesetzt, wie das Interesse des Kaisers für
die bevorstehende Ausstellung in seiner Haupt- und Residenzstadt
das von ihm schon für die Welt-Ausstellung in ^Chicago offen
barte Interesse natürlicherweise ganz in den Schatten stellt. Der
Kaiser wird nicht nur als der eifrigste Förderer des Unternehmens
hingestellt, sondern er tritt uns auch als Aussteller der Abtheilung
für Jagd und Kunst entgegen.
Je näher der Eröffnungstag tritt, desto zahlreicher die Ein
sendungen aus allen größeren Städten Italiens. Alle diese
Berichte stimmen darin überein, daß es sich um ein ganz un
gewöhnliches Unternehmen handelt. Die Herren Berichterstatter
ergehen sich ausführlich in der Beschreibung des Treptower Parks,
welcher allgemeines Lob einheimst, sowie in der Beschreibung
der inneren Organisation der Ausstellung und der Hanptanziehungs-
objecte, lvie z. B., das riesige Fernrohr und die Stufcnbahn.
Ueberall das Bestreben, die Ausstellung noch aktueller darzustellen
und dieselbe mit den abwechselnden Tagsereignissen in Verbindung
zu bringen! In einem Bericht des Cvrriere di Napoli, „Unter
Röcken und Unterröcken", wird des ungeahnten Aufschwungs der
Berliner Conseetion gedacht und aufrichtige Freude über die prompte
Beilegung des Näherinnenstreikes ausgedrückt.
In einem Bericht eines anderen Neapolitanischen Blattes
„Don Marzio" — wirkliche und ideelle Colonieen — sitzt der
Verfasser in der schärfsten Weise zu Gericht über den Assessor
Wehlan, und geht dann zu einer schwungvollen Beschreibung der
Colonialausstellung über.
Gelegentlich winterlicher Vorbcsichtigungen des Ausstellungs
gebiets, breiten sich die italienischen Kollegen auch über die Schau
stellungen aus, wobei im allgemeinen mehr Verständniß für Alt
Berlin als für Kairo in Berlin zu Tage tritt. Nur die Marine
Ausstellung mit dem in einem Teiche manövrirenden winzigen
Geschwader und die Nachahmung des dem Norddeutschen Lloyd
gehörigen Postdampfer „Bremen" macht Alt-Berlin den Vorrang
streitig.
Der Neapolitanische „Mattiuv", das Blatt der bekannten
Schriftstellerin Mathilde Serrao und des nicht minder bekannten
Redakteurs und Afrikaapostels Scarfoglio, ihres Gatten, brachte
neulich einen Bericht: „Die Toilette Berlins zur Gewerbe-Aus
stellung 1896". Unter Anführung von allerlei Beispielen, lvie der
neue Reichstag, das sich rasch der Vollendung nähernde Ab
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