Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Viffteietle AnsilkUungs tlach» ichtett.
mal stehen, nur sich eine 'Jioti;, zn machen, sv kann man darauf
schwören, daß bald ein öffentliches Organ vder auch ein Un
befugter auf Einen losfahrt mit der Frage: „Herr, was zeichnen
Sie hier, das ist verboten!" Behauptet man, blos geschrieben zu
Haben, findet man schwer Glauben, in diesem Falle l>ilft nur eine
tadellose Legitimation vom Ansstellnngs Borftand oder von einer
Redaction. Außerdem haben die meisten Besucher das Bedürfniß,
sich mit allerhand Fragen an schreibende Männer zu wenden, weil
sic diese für officielle Personen halten, Fuhrleute, die mit ihrem
Geschirr nicht weiter sindeit, begehren zu wissen, wie sie ans
kürzestem Wege znm Polier Schulze oder Müller gelangen, solchen
überhaupt ctivas verständlich zu machen, ist außerordentlich schtvcr.
Hat man sich an Gipsbeuteln bestäubt oder an einem Mörtel-
ivagen beschmutzt, so wird man wieder für einen Meister gehalten
und soll Verschiedenen, die mit ihrer Pulle spazieren gehen, Arbeit
verschaffen. Das Gesuch ivird meist in höflichstem Ton an Einen
gerichtet. Erfolgt nun die Erklärung, man habe damit nichts zu
thun, so schwindet alle Höflichkeit, und man kann ruhig annehmen,
daß die laute Bemerkung: „Na so'n Fatzke" sich auf unsere Person
bezieht.
Am Montag verunglückte ans dem Bauplatz in Treptow
der 52jährige Zimmermann August Seger. Er stürzte an dem
Schuppen der elektrischen Bah» in Alt Berlin so unglücklich herab,
daß er bald darauf verstarb. Seger stand beim Zimmermeister
Winkelmann in Arbeit und war bei dem Bau des erwähnten
Schuppens beschäftigt. Das übermäßig breite Spannholz eines
vvrüberfahrrnden Lastwagens riß die Leiter, auf welcher der
Zimmermann stand, um, Seger siel aus' beträchtlicher Höhe herab,
mit dem Kopf auf das Hinterrad des Wagens und dann auf die Achse.
Er trug eine Wunde an der rechten Gesichtshälfte, einen Bruch des
Jochbeins und schwere innere Verletzungen davon. Der Verunglückte,
dem'man die erste Hilfe in der Ünfallstation der Ausstellung zu
Theil werden ließ, wurde im Lück'schen Krankenwagen »ach der
William Lewy'schen Klinik, Prenzlauer Allee, gebracht, starb jedoch
schon aus dem Wege dahin.
Eigenthümliche Wagen fahren zur Zeit über jene Strecken
der Großen BerlinerPserdeeisenbnhngesellschast, die vv>n Zoologischen
Garten über die Bülowstraße nach dein Dönhvffplatz und nach
Treptow führen. Es sind die Mvntirnngswagen, die mit der
Einrichtung der beiden zur Ausstellung führenden elektrischen
Linien mit oberirdischer Ttromznführnng betraut sind. Die Wagen
sind in sinnreichster Weise cvnstrnirt: Tie tragen ein festes, ans
Pfoste» und Versteifungen bestehendes Gerüst von etiva 4 Meter
Höhe, das oben eine Plattform besitzt, die nach der einen Seite
um etwa anderthalb Bieter überlandet, sv daß die Montirnng der
Spanndrähte und des Leitnngsdrahtes in bequemster Weise er
folgen kann. Jeder dieser Wagen ist mit allein, was zur Montage
nothwendig ist, ausgerüstet. Die Arbeit geht ungemein flink von
statten und ist in Folge der getroffenen Sicherheitsmaßregei»
durchaus gefahrlos.
v
Unzufrieden mit der Ausstellung im Treptower Park sind
anscheinend die Zugvögel, welche sonst in der besseren Jahres
zeit dort ihren Aufenthalt zu nehmen pflegen. Die Staats
bürger-Zeitung schreibt: „Ein hochinteressantes Natnrschauspiel
ivurde am Montag Nachmittag in der Zeit von 2 bis 4 Uhr im
Treptower Park beobachtet. In drei geordneten Zügen kamen
Schaaren von Vögeln, Staare, Stieglitze ec., an, die ihre alten
Stätten suchten. Das Gezwitscher der Thierchcn, die alsbald
merkten, daß sich auf dein Gebiete ihres märkischen Svminer-
Quartiers die Verhältnisse umgeändert haben, war weit hörbar
und zeugte von der Erregung der Vögel. Nach langem Hin-
nnd Hergeflatter samnielten sich die so frühzeitig erschienenen ge
flügelten Wanderer zu einer Art Berathung, die ungefähr
20 Minuten dauerte. Während dieser Zeit boten die Dächer der
Ausstellungsgebäude, besonders diejenigen „Alt-Berlins", ein ge
wiß selten gesehenes Schauspiel dar. Die zahlreichen Beobachter
der interessanten Scene verhielten sich möglichst ruhig, da sie die
Hoffnung hegten, daß die ersten Ankündiger des Frühlings sich
mit dem lebhaften Treiben im Parkrevier vertraut machen würden.
Die Berathung muß jedoch ein anderes Resultat ergeben haben:
denn plötzlich erhoben sich die Vögel und zogen mit lautem Ge
zwitscher in der Richtung nach Rnmmelsbnrg weiter. Kaum eine
halbe Stunde später kam eine Anzahl Störche an; doch auch
diese zogen nach kurzer Umschau alsbald weiter. Bewohner
Treptows haben ein ähnliches Verhalten der Wandervögel schon
am Ende der vorigen Woche beobachtet.
Für die Gewerbe-Ausstellung in Berlin werden —• so meldet
das Berliner Tageblatt — in Petersburg und Moskau
Reisebureaux nach dem Muster des Stangen'schen Institutes
in Berlin errichtet. In Moskau hat ein solches Bureau seine
Thätigkeit bereits begonnen. Der Kaiserlich russische Vicecvnsnl
in Berlin, Herr N. I. Damie, giebt in Folge dessen in der
Nowoje Wremja seinen Landsleuten, die die hiesige Ausstellung
besuchen wollen, Rathschläge und Instructionen, die bei jeder mit
de» Verhältnissen der deutschen Reichshauptstadt einigermaßen be
kannten Persönlichkeit eine gewisse Heiterkeit crivecken müssen. So
sollen nach den Worten des Herrn Damie die russischen Reisenden
sehr oft in den Berliner Magazinen, in den Pensionen und
möblirten Zimmern verschiedenen Unannehmlichkeiten ausgesetzt sein.
Den Berliner Ladenbesitzern wird ein wenig schmeichelhaftes Zeugniß
ausgestellt — sic seien nicht redlich genüg und - grob. Bedenkt
man aber, welch' eine Anzahl Fremder ans aller Herren Ländern
namentlich im Frühjahr und Herbst, bei Beginn und zum Schluß
der Badesaison Berlin ohnehin frequcntirt, so wird es einleuchten,
daß ein großer Theil der Berliner Geschäfte seine Existenz gerade
dein Fremdenverkehr verdankt, und die Ladenbesitzer, soivie das Per
sonal in Folge dessen schon im eigenen Interesse es an der nöthigen
Höflichkeit und Redlichkeit nicht fehlen lassen können und in der
That es auch nicht fehlen lassen. Was die Pensionen und
möblirten Zimmer anbetrifft, so wollen nur zugeben, das; für
Jedermann, den Einheimischen ebenso wie für den Fremden, ll»
znträglichkeiten entstehen können, sobald die Dauer des Miethsver-
tragcs und die Kündigungsfrist nicht genau vereinbart worden sind.
Dieses Rechtsverhältnis; ist aber ein so einfaches, daß jeder Fremde
sofort hinlänglich infvrmirt ist, wenn er weiß, daß bei Monatsfrist
Pränumerandozahlung und vierzehntägige Kündigung, bei Miethe
ans Tage dementsprechende Zahlung und Kündigung üblich ist.
Ob die Gründe dafür, daß Herr Damie seine Landsleute vor dem
Hausfriedensbruch-Paragraphen warnt, in den Berliner Verhält
nissen zu suchen sind, wollen wir hier nicht erörtern. Er legt
aber den zukünftigen russischen Besuchern der Ausstellung ans
Herz, daß der Wirth des Hauses oder der Besitzer des Ladens
das Recht habe, Jeden zu verklagen, der nicht auf erstmalige
Aufforderung, den Raum zu verlassen, dieser Aufforderung Folge
leistet. Wörtlich bemerkt dann der ivohlmeineitde Vicecvnsnl:
„Das ganze Magazin durchwühlen und fortgehen, ohne etivaS
gekauft zu haben, wie es unsere Damen in Gostini Dwor machen
darf man in Berlin nicht, das würde unausbleiblich Frech
heiten nach sich ziehen." Für diese Warnung werk» die Utters
essirtcn Kreise ohne Zweifel Herr» Damie Dank wissen, wie es
ebenfalls lobend anzlicrkennen ist, daß er seinen Landsleuten räth,
sich über die hiesigen Verhältnisse genau zu orientiren, ehe sie sich
zur Ausstellung in Berlin begeben.
Aus dem Reich.
B. G. Altenburg, 26. Februar. Eine Weltausstellung in des
Deutschen Reichs Metropole, das war und ist wohl auch noch jetzt das
Ideal derjenigen Kreise, die in unserer Stadt sich lebhaft für Ausstellungen
interessiren. Deutschland muß einmal auf engbegrenztem Raume zeigen,
was sein Volk leistet. Doch, wer die Taube nicht bekommen kann, nimmt
mit deni Sperling fürlieb, heißt's im Sprichwort, und so denkt nun auch die
hiesige Bevölkerung, die schon seit langer Zeit lebhaften Antheil nimmt an
allem, was die Berliner Gewerbe-Ausstellung betrifft, die doch nun das Bild
von einer jener großen Ausstellungen, wie man sie sich anfänglich in derReichs-
Hauptstadt erträumt hatte, in kleinerem Maßstabe bieten soll. So ist
noch vor Eröffnung dieser Ausstellung eine günstige Stimmung unter
der Altenburger und altenburgischen Einwohnerschaft für dieses llnter-
nehnien entstanden, und diese Stimmung ist durchsetzt von Hoff
nungen für das vaterländische Gewerbe, für Industrie und Handwerk.
Seitdem die Placate mit dem Hammer in der nervigen Hand die Stätten
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