Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

(Öffmeue AussteUungs Uachrichteu.
5
dic dem Ausstellungs-Terrain benachbarten Grundbesitzer schon jetzt
nicht zu verkennen seien. Den deutlichsten Beweis dafür geben
die Resultate der Umsatzsteuer in den betreffenden Ortschaften.
Rixdorf habe bereits im abgelaufenen Geschäftsjahre einen Ueber-
schuß gegen den Voranschlag um 90 pCt. aufzuweisen und habe
für das laufende Jahr einen noch höheren Betrag in den Etat
gestellt. Aehnlich gestalten sich dic Verhältnisse für Treptow. Die
Stadt Berlin dürfte bei den Terrain-Verkäufen weniger interessirt
sein. Weniger erfreulich seien die Einflüsse, welche sich bisher in
Bezug mtf die Wohnverhältnisse in den der Ausstellung benach
barten Stadttheilen bemerkbar gemacht haben. Hier zeige sich eine
Erscheinung, die man bei der bedeutenden Entwickelung der Ver
kehrsverhältnisse augenblicklich nicht hätte erwarten sollen. Das
elegante Treptower Villengebiet sei der Miethsspeculation anheim
gefallen, und es würden Miethsprcise dort gezahlt, wie sie in
Berlin für die gleichen comfortlosen Räume einfach unerhörü sein
würden. In der Gegend des Görlitzer Bahnhofes machte man
energische Anstrengungen, um für die dort seit Langem leerstehen
den Räume wenigstens während der Ausstellung Bewohner zu
finden; man setzte sich mit bekannten Reise-Unternehmern in Ver
bindung, damit sie ihre Fremdeuzüge dorthin dirigirten; allein
diese Herren erklärten, daß sic lieber mit den Inhabern renom-
mirter Hotels und Pensionate, als mit neuen, für die Ausstellungs-
zwecke auftretenden Unternehmern unterhandeln mögen. Es sei
also bisher in Bezug auf den Hauptnothstand der Hausbesitzer in
jener Gegend, das Leerstchen von Wohnungen, eine Besserung
nicht erzielt worden.
Am 1. April — also in etwa vier Wochen — wird nach
Ueberwindung zahlreicher Einsprüche nunmehr die Treptower
Ehaussec gesperrt werden und damit das Ausstellungsterrain
ein in sich geschlossenes Ganze werden. Es liegt auf der Hand,
daß bei der späten, durch Verkehrsrücksichten bedingten Uebergabe
dieses Theiles des Ausstelluugsgclündes auf demselben die Aus-
stellungsobjeete untergebracht iverdeu müssen, welche nicht große
und zeitraubende Bauten in Anspruch nehmen, sondern die, in
ihren einzelnen Theilen vorbereitet, eine schnelle Aufstellung imb
Mvntirung gestatten. Die Treptower Chaussee von dem Ver
waltungsgebäude an bis an das Ende des Ausstellungsparkes
ivird zunächst planirt werden lind dann der Berliner Eisen- und
Maschinenindustrie und in ihr denjenigen Firmen überwiesen wer
den, welche — jede für sich ■— außerordentliche Raumentfaltung
bis zu vielen Hunderten von Quadratmetern brauchen. So werden
vier Firmen hier Feld- und Schmalspurbahn-Anlagen zeigen, mit
Gleisen, Wagen, Weichen, Drehscheiben u. s. w., und zwar die
Firmen Orensteiu & Koppel, Spalding Feld-Eisenbahnfabrik,
Friedläuder & Jvsephsohu und Arthur Koppel. Die Märkische
Lvcvmotivfabrik wird Lvcvmotiveu ausstellen, dic Fabrik von
E. Becker Krahne, Aufzüge und Hebezenge mit elektrischem und
Handbetrieb. Das Eisenhütten- und Emaillirwerk Neusalz,
W. von Krause, errichtet einen großen eisernen Pavillon mit Er
zeugnissen des Merkes, Gebrüder Dopp stellen hier Decimal- und
Eeutesimalwaagen ans, sowie Petroleum Motoren verschiedener
Größe. Siemens & Halste, Rössemann & Kühncmann und dic
Actiengesellschaft vorm. Hein, Lehmann & Co. zeigen Eisenbahn-
Sichcrungs-Einrichtungen und je nach der Eigenart ihres Betriebes
in großartigem Umfange elektrische Apparate, Läntebuden, Gleis-
Heber und endlich eiserne Bauconstruetivncu, Wellblcchbauten n. s. w.
Lv wird gleich beim Betrete» des Ausstellungsparkes durch das
Verwaltungsgebäude von Berlin her, das mit seinen imposanten
Zufahrten die Chaussee überspannt, der Besucher Einblick bekommen
in die großartig entwickelte Berliner Maschineniudustrie. Der übrige,
>veniger Raum beanspruchende Theil dieser Industrie ist in der be
treffende» Gruppe in den Anbauten des Hauptgebäudes untergebracht.
^>er Besuch des Ausstellungsterrains in Treptow war
am Sonntag wieder ganz gewaltig. Nach ungefährer Schätzung
dürften mehr als 50 000 Personen die Straße nach der Aus
stellung passirt haben. Die Treptower Gasthäuser waren über
füllt. Auf den Eisenbahnstationen Treptow und Stralau-Rummcls-
burg that man das Möglichste zur Bewältigung des Verkehrs,
tvührend der Pferdceisenbahnbetrieb viel zu wünschen übrig ließ.
Folgende dic Ausstellung betreffende Be r ke h rs n a chr ich tcu
liegen vor: Die große Berliner Omnibusgesellschaft baut
zur Zeit 15 Omnibusse, die den Verkehr nach der Treptower
Ausstellung vermitteln sollen. Die Wagen sind mit Decksitz und
Schutzdach versehen und erhalten herausnehmbare Scheiben, so daß
dic Omnibusse zu jeder Zeit zu Sommerwagen umzuwandeln sind.
Die hocheleganten Gefährte, welche elektrische Beleuchtung und
ebensolche Signallaternen erhalten, fahren vom Lustgarten nach der
Gewerbe-Ausstellung. — Eine polizeilich e Regelung des
Fährverkehrs nach der Gewerbe-Ausstellung wird durch die zu
schmale Anlage der Treptower Chaussee erforderlich werden. Wie
nur hören, beabsichtigt die Polizei für öffentliches Fuhrwesen, den
Verkehr nun doch endgiltig derartig zu leiten, daß Omnibusse,
Droschken und Equipagen bei der Fahrt nach der Ausstellung den
Köpenicker Weg, bei der Fahrt von der Ausstellung die Treptower
Chaussee zu benutzen haben. — Die ersten Extrazüge nach
Berlin, für welche die von der Bahnverwaltung aus Anlaß der
Gewerbe-Ausstellung gewährten Preisermäßigungen gelten, werden
bereits am 1. Mai Vormittags, also noch zur Eröffnung der
Gewerbe-Ausstellung, in Berlin eintreffen. — Der Wagenpark
der von Siemens L Halske gebauten elektrischen Bahn,
Strecke Behrenstraße bis Treptow, Parkstraße, ist bereits im
Treptower Depot angelangt. Tie Einrichtung der Wagen ent
spricht im Allgemeinen der der Pferdebahnwagen; jedoch ist für
die Bequemlichkeit des Publikums mehr Sorge getragen worden.
Um den Conducteuren und Führern der Wagen Gelegenheit zu
geben, sich in den Dienst einzuarbeiten und auch einen sicheren
und schnellen Betrieb einzurichten, haben dieselben eine auf 14
Tage berechnete Uebungszeit zu absolviren. Nach Beendigung
derselben werden die Beamten auf drei Wochen nach Lichtcrfelde
geschickt, um dort den Dienst praktisch kennen zu lernen. — Auf
der Kieler Werft sind gegenwärtig fünf Dampfer im Bau be
griffen, welche bestimmt sind, während der Berliner Gewcrbc-
Ausstellung zwischen der Jannowitzbrücke und dem Äusstellungs-
park Treptow den Verkehr zu vermitteln. Die Boote werden
folgende Namen erhalten: „Kronprinz Friedrich Wilhelm", „Prinz
Eitel Friedrich", „Prinz Adalbert", „Prinz August", „Prinz
Oskar" und „Prinz Joachim". — Mit dem Bau der großen
Dampfer-Anlegestelle an der Waisenbrücke, gegenüber der
Wallstraße, ist gestern begonnen worden. Die Anlegestelle gegen
über — An der Stralauer Brücke — ist fast vollendet. Auch die
Gesellschaft „Stern" erweitert ihre Abfahrtsstelle.
Das freundliche Wetter der letzten Tage — so schreibt
uns ein gelegentlicher Mitarbeiter — verlockt zu Spaziergängen
ins Freie, und zeigt sich auch noch kein frisches Grün, so deutet
doch der kräftige Erdgcruch auf baldiges Sprossen der Saat uud-
dcr Gräser. In ganz besonderem Maße bildet in diesem Jahre
der Park von Treptow das Ziel der Spaziergänger, denen aber
die endlosen Einzäunungen der für die Gewerbc-Äusstellung be
anspriichtcu Theile Einschränkungen auferlegen. Die Thore der
Ausstellung offnen auch sich wieder Leuten, die des Winters
wegen ihren Beruf int Freien nicht ausüben konnten. Man sieht
hier und da wieder Zeichner, welche die anmuthigen Silhouetten
der Ausstellungsgebäude ans Papier fixireu, um sie daun aus
Postkarten, Briefbogen oder in Albums zu vervielfältigen. Noch
müssen sie öfter die Arbeit unterbrechen, wenn die erstarrten Finger
den Stift nicht mehr zu regieren vermögen, und dic Caiitineu
aufsuchen, um dem Leibe flüssige Wärme zuzuführen. Auch
Photographen mit fahrbaren Ateliers tauchen auf, eilen
hin und her und spähen in's Terrain, wie Artillerie Offieiere.
im Manöver, wenn sie eine Batterie plaeiren wollen, bis
der geeignete Standpunkt gefunden ist, von dem mau der
Landschaft am besten beikommcn kann, inzwischen ist der von einem
Mann gezogene .Karren im tiefen Schmutze eines ansgcfahreuen
Weges stecken geblieben, und der Künstler muß sich entschließen,
helfend einzugreifen und das Gefährt zu schieben. Wer einen Blick
in eine Zcichcnmappe oder auf die Platte eines Photographen
werfen wollte, kaun von Glück sagen, wenn er nicht als Spion
behandelt ivird, unsagbare Verachtung liegt in der zurückweisenden
Geberde der Künstler, wenn sich ein dreister Mensch in der sträf
lichen Absicht naht, ihnen etwas abzulauschen. — Bleibt man ein
Top of page

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.