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Periodical volume Nr. 6, 7. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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OfftcieUe AusfteUnngs -Llachrichtett. 
vor und äußerte den Wunsch, das Gebäude für Chemie, Mechanik ! 
und Photographie, sowie das Alpenpanorama und Alt-Berlin zu 
besichtigen/ Der Platz-Jnspeetor, Corvetten Capitain Heyn, über 
nahm die Führung. Die Kaiserin äußerte ivicderhvlt ihre Be 
friedigung lind war besonders entzückt beim Anblick des Wraxegg- 
Gletschers im Alpenpanorama: hier gab Maler Rummelspachcr 
die nöthigen Erklärungen. Ausnehmend gilt gefiel den hohen Be 
suchern auch die Partie am Karpfenteich mit dem Blick auf Alt- 
Berlin. I» Alt-Berlin erfreute sich die Gerichtslaube besonderer 
Aufmerksamkeit. Am Platz für die Marineschanspiele vorüber 
wurde dann der Weg nach der Estrade des Hnnpt-Restaurants 
genommen. Auch hier gab die Kaiserin ihrer höchsten Befriedi 
gung wiederholt Ausdruck und verabschiedete sich huldvoll mit 
der Versicherung, bald wiederzukoinme». 
Am Donnerstag Abend fand im Anwesenheit aller drei Mit 
glieder des Arbeitsausschusses eine mehrstündige Sitzung der 
Vorsteher der Gruppen lind Untergruppe» der Aus 
stellung statt. Der Vorsitzende, Commercienrath Kühnemann, machte 
zunächst einige interessante Mittheilungen über de» Sland der 
Baulichkeiten. Nach den bestimmten Zusicherungen der Architekten 
lvird das Fischereigebäude am Id,. März vollständig übergeben 
tverden. Die Arbeiten für die Gruppen IV und VII am Haupt 
gebäude, die erst später angefangen ivorden sind, werden erst am 
15, April fertig sein, ein Zeitpunkt, der indessen genügend ist. 
Am 16. März tverden die Gebäude für Gas und Wasser und für 
Unterricht und Wohlfahrtseinrichtn»gen ebenfalls übergeben 
werden. Die offenen Hallen in Gruppe XIII werden am 1. April 
fertig sein. Das Hanptgebäilde selbst ist jetzt bereits so gut wie 
fertig, bis auf die Hanptkuppel. Aber auch diese lvird am 25. März 
vollständig bereit stehen. Die Forträiunnng der gewaltigen, im 
Innern aufgerichteten Gerüste wird dann innerhalb weniger Tage 
vor sich gehen. — Im Anschluß an diese Mittheilungen wird ge- 
ineldet, daß eine Anzahl Schränke bereits in den einzelnen Gruppen 
eingeliefert worden. Es wird jedoch durch Herrn Geh. Rath 
Goldberger ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß Ans- 
stellüngs - Objecte nicht hinausgeschickt werden sollen, ehe ben 
Gruppen die bestimmte Mittheilung zugegangen, daß ihre Baulichkeit 
übergeben werden könne. Auch gilt der Gegenstand nur dann für 
versichert, wenn auf dem mit der Einlieferung zil übergebenden 
Einlieferungsschein der Werth des Objects genau verzeichnet 
ist. — Die Frage der Ernennung der Preisrichter ist auf Grund 
der in der vorigen Sitzung der Grnppen-Vorsteher erzielten Be 
schlüsse um einen Schritt weitergeführt worden. Im Großen und 
Ganzen ivurde — mit geringen Abweichungen — auf je 35 Aus 
steller ein Preisrichter zugestanden, so daß im Ganzen 110—120 
Preisrichter vorhanden sein werden, die dann als Gesanimtcollegium 
hauptsächlich über die Zuerkennung der vorhandenen goldenen, silbernen 
und bronzenen Medaillen zu beschließen haben werden. 
Director Max Schlesinger, Mitglied der Vortrags 
commission, macht die Mittheilung, daß über alles Erwarten 
hinaus sich Gelehrte von hervorragendstem Rufe aus allen Theilen 
Deutschlands bereit erklärt haben, während der Ausstellung Vorträge 
zu halten, und zwar anschließend an alle Gruppen. Bis jetzt habe» 
sich 70 Vortragende gemeldet, die Gesammtzahl wird auf 120 steigen. 
Die Vorträge sollen im Hörsaale des Chemiegebäudes stattfinden. 
M-y. Ueber das Fortschreiten der Arbeiten in Treptow 
wird uns gemeldet: Auf der Terrasse vor dein rechten Rnndtheil 
des Haupt-Ausstellungsgebüudes wurde am Dienstag mit dem Auf 
stellen der Balustraden begonnen. — ZnrAnfhöhnng der Straße am 
Verwaltungsgebäude wird Boden und Sand aufgeschüttet, zu welchem 
Zwecke eine Feldbahn vom großen Ausstellungsparterre nach der 
Treptower Straße in Betrieb ist. Hier bewegen sich die Trans 
portzüge, bestehend aus 8 bis 10 Kipplowries („Hunden"), die von 
zwei Pferden gezogen werden. In der zu Kanalisationszwecken 
errichteten Pumpstation werden Kessel aufgestellt. Interessant sind 
die Arbeiten an den doppelten Paternosterwerken der gleichen 
Zwecken dienenden Senkkasten, die verschieden lief eingelassen wer. 
den. Auf den schwer belasteten Holzkästen drehen 8 Arbeiter die 
Maschinen, welche Sand und Wasser zu Tage fördern, der Kasten 
senkt sich durch die eigene Schivere und die Belastung mit Eisen 
bahnschienen, Paternosterwerken und Arbeitern allmählich bis zur 
vorgeschriebene» Tiefe in das lockere Erdreich. Tie Senkkasten 
sind zur Aufnahme der Abwässer bestimmt: sind sie gefüllt, so 
wird der Inhalt durch das Drnckiverk in die Kanäle gepreßt. Ein 
solches Paternvsterwerk ist gegenwärtig neben der Gartenbau 
Ausstellung im Betriebe. — Sehr hübsch wird sich am Karpfen 
teich der türkische Pavillon mit vergoldeten, durchbrochenen Kuppeln 
und davorliegender Halle mit der in den Teich hineingebanten ge 
räumigen Terrasse von Felix Sarotti ausnehmen. Selbst reizend 
gelegen, bietet er einen hübschen Blick nach dem am gegenüber befind 
lichen Ufer liegenden Fort derCvlonial-Ansstellnng. Der Ende voriger 
Woche heftig wehende Sturm hat eine» Theil der Alumininm- 
bedachnng der großen Kuppel des Hanpt-Ansstellnngsgebäudcs 
abgedeckt, doch ist man bereits wieder daran, den Schaden aus 
zubessern. — In der großen Lüngshalle des Hanpt-AnsstellnngS- 
gebändes wird soeben ein geschmackvolles Portal aufgestellt, welches 
diese von den Gruppen Xlll und XlV scheidet. Gruppe I lTextil 
Industrie) hat Ansstellungsmaterial angefahren und einen Pavillon 
aufgestellt. Das Gebäude für Gruppe XVIII (Gesnndsheitspflegej 
und Gruppe XIX (Unterricht und Erziehung) ist innen gerüstsrei, 
die Thürme hingegen sind noch unvollendet. 
Die Gesammtzahl der Aussteller der Berliner Gewerbe- 
Ausstellung beträgt zur Zeit 3780. Da nur noch in wenigen 
Gruppen Nachmeldungen angenommen werden, wird diese Zahl 
bis zur Eröffnung der Ausstellung nur noch eine geringe Steigerung 
erfahren. Am stärksten beschickt ist bekanntlich die Gruppe der Be- 
kleidungs-Jndnstrie, mir ca. 000 Ausstellern. Diese Zahl wechselt 
z. Z. noch täglich, da einzelne Aussteller zurücktreten und andere 
dafür einspringen. Es folgt dann die Gruppe Metallindustrie mit 
350 Ausstellern. 300 Aussteller weist die Gruppe Kurz- und 
Galanteriewaaren auf. Mil 280Ansstellern istdicGruppe Maschinen- 
bau und Transportwesen auf dem Plan, mit 226 Ausstellern 
die Holzindustrie und mit je 200 Ausstellern die Gruppen Ban- 
nnd Jngenienrwesen und graphische und dekorative Künste und 
Buchgewerbe. 140 Aussteller führen Nahrungs- und Gcnußmittel, 
127 wissenschaftliche Instrumente, 120 Musikinstrumente vor. Der 
Gartenbau zählt 112, die chemische Industrie 110, die Fischerei- 
Ausstellung ca. 100 Aussteller. Die Textilindustrie wird durch 01, 
die Leder- und Kautschnkindnstrie durch 77, die Photographie durch 
75 Aussteller vertreten. Die wenigsten Aussteller, 29, findet man 
in der Gruppe Porzellan-, Chamvtte- und Glasindustrie. Diese 
Gruppe ist aber keineswegs die kleinste, sie folgt vielmehr, was 
den beanspruchten Flüchcnraum anbetrifft, sofort nach Gartenbau 
<43 000 gm) und Maschinenbau <17 000 gm» mit 7500 gm. Fe 
6000 gm erfordern Ban- und Jngenienrwesen und Metallindustrie, 
4000 gm die Holzindustrie. 2600 gm hat die Textilindustrie, 1500 gm 
die Gruppe Nahrungs- und Gennßmittel, 1100 gm die Gruppe der 
graphischen und decorativen Künste, 1050 gm die Leder- und Kant- 
schukindustrie, 1000 gm die Photographie beansprucht. Die wissen 
schaftlichen Instrumente nehmen 600 gm Fläche ein. 
Eine sehr erfreuliche Erklärung giebt die Königl. sächsische 
Staatseisenbahn - Verwaltung mit Bezug auf die Behaup 
tung ab, daß sie keine Vergünstigungen im Reiseverkehr zur Ans 
stellung gewähre und daß sie sich für ein geringes Entgegen 
kommen der preußischen Staatsbahn-Verwaltnng dadurch revanchire. 
Sie theilt nämlich mit, daß 1. durchaus nicht jede Vergünstigung 
in der Personen-Befördcrung anläßlich der Berliner Gewerbe-Aus 
stellnng seitens der sächsischen Staatseisenbahn-Verwaltnng ab 
gelehnt worden ist, 2. insoweit eine Ablehnung beantragter Vcr 
günstigungen stattgefunden hat, hierfür ganz andere Gründe als 
die bezeichneten maßgebend gewesen sind. <Es war behauptet 
worden, die sächsische Regierung übe Repressalien, weil die preußische 
Staatsbahn keine Fahrpreisermäßigung für die gleichzeitig in 
Dresden stattfindende Ausstellung bewilligt habe.) 
Ueber den Einfluß der Gewerbe-Ausstellung in Trep 
tow auf den Grundbesitz äußert sich das „Grnndeigenthnm" 
in einem längeren Artikel dahin, daß unmittelbare Vortheile für
	        
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