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Volume Nr. 6, 7. März 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

(i'ds'plttm: Amt l. 4001. 
Bekanntmachungen des Arbeits - Ausschusses. 
1. In Gemäßheit des Z 11 des in der Sitzung des Gesammt-Vorstandes vom 25. Januar 1894 angenommenen 
Programms für die Ausstellung und in Gemäßheit des bestätigenden Beschlusses der Gruppen-Vorstünde vom 
16. Januar er. sind die Preisrichter von den Ausstellern zu wählen. 
Wir bitten die Gruppen-Vorstände, möglichst unverzüglich die Wahl der Preisrichter zu bewirken, 
damit die Namen derselben in den „Organen" und den officiellen Katalogen veröffentlicht werden können. 
Die Namen der gewählten Preisrichter sind uns spätestens bis zum 20. März er. bekannt zu geben. 
2. Im Begriff, ein neues Verzeichnis; der Organe der Ausstellung herauszugeben, bitten wir die verehrlichen 
Gruppen-Vorstände, uns mit thunlichster Beschleunigung die Aenderungen mitzutheilen, die sie gegenüber dem 
in ihren Händen befindlichen Verzeichniß vom 1. Januar d. I. wünschen. Da das neue Verzeichniß in den 
Ausstcllungs -Hauptkatalog aufgenommen wird, müssen wir in Rücksicht auf die Drucklegung dieses Hanpt- 
kataloges den Termin für die Einsendung der Aenderungs-Vorschläge auf 14 Tage (bis 8. Mürz) beschränken. 
Mittheilungen, die später eingehen, können nicht berücksichtigt werden. 
3. Wir bringen hierdurch wiederholt zur allgemeinen Kenntniß, daß wir nicht mehr in der Lage sind, Vereinen, Ver 
bänden je. den Zutritt zu dem Ausstellungsgelände zu gewähren. Sv bereinvillig wir seither allen solchen 
Anträgen stattgegeben haben, so veranlassen uns zur Zeit Gründe zwingender Art, den Zutritt zu verweigern, 
zumal die seitherigen Massenbesuche den Fortgang der Bauarbeiten zuweilen gehindert haben und dies in erhöhtem 
Maße bei der jetzt beginnenden Arbeit der Jnnen-Decoration der Fall sein dürfte. 
4. Der Eintritt zu dem Ansstcllungsgelände (gegen Passierschein) ist an den Sonntagen nur bis 4'/z Uhr Nach- 
mittags gestattet. 
Berliner Gewerbe - Ausstellung 1896. 
Der 4lrbeits-Ausschuss. 
Fritz Kühnemann. Bcrnh. Fetisch. L. M. Goldberger. 
Die Orgauisatiimsformeri des Berliner 
Gewerbes. 
(Hausfleiß, Lohnwerk, Handwerk, Manufactur, 
Haus-Industrie, Fabrik.) 
Bon Dr. Karl Thieß. 
Die Formen des Gewerbebetriebes haben sich von Anfang der 
menschlichen Cultur-Entwickelung an bis in die Gegenwart inimer 
vollkommener, verwickelter und leistungsfähiger gestaltet. Diese Ent 
wickelung menschlicher Thätigkeit gleicht der der Natur. Jedoch ist sic 
nicht dem bewußten Schaffen des Züchters zu vergleichen, der 
immer vollkommenere Arten von Pflanzen oder Thieren züchtet 
und die weniger entwickelten gleichzeitig beseitigt, vielmehr gleicht 
sie der freiwaltenden Schaffenskraft der Natur, die ihre Wesen 
von Jahrtausend zu Jahrtausend höher ausbildet, neben den hoch 
entwickelten aber die alten, unvollkommeneren Formen großentheils 
ruhig weiter gedeihen läßt. Sv sehen wir auch im Berliner Ge- 
lverbe neben den höchstausgebildeten Formen des Gewerbebetriebs 
noch alle vorhergehenden und auch die ursprünglichsten weiter be 
stehen. Die letzteren treten freilich nicht so augenfällig in die 
Oeffentlichkeit; in der kommenden Ausstellung werden die Er 
zeugnisse der einfachen Gewerbeformen kaum zu finden sein. In 
ihr werden wir vor allem die Prvdncte der Großindustrie, da 
neben noch besonders hervorragende Erzeugnisse des Handwerks 
bewundern. Es wird darum gut sein, sich auch über die übrigen 
Formen des Gewerbebetriebes vorher Klarheit zu verschaffen und 
so eine Gesammtübersicht zu erhalten, damit der Eindruck der 
Ausstellung nicht zu einseitigen Rückschlüssen auf das gesammte 
Berliner gewerbliche Leben führt. 
Die ursprünglichste Forni der gewerblichen Thätigkeit ist der 
Hausfleiß. Das heißt, die Bedürfnisse des Hauses werden im 
Hause selbst gearbeitet. Kleidung, Geräthe, Waffen, Nahrung 
u. s. f. werden von jedem Haushalt für den eigenen Bedarf her 
gestellt. Die Zeiten, wo der Hausfleiß ausschließlich herrschte, liegen 
weit, weit hinter uns. Ganz aber ist diese Betriebsform auch heut 
noch keineswegs beseitigt. Freilich haben die Entwickelung unseres 
Jahrhunderts und die besonderen Verhältnisse der Großstadt das
	        
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