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Periodical volume Nr. 53, 9. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Off icieile Ausstellungs - Nachrichten. 
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wieder aufgebaut; nach der Freiheit zu werden für die Kriegskasse, 
Lehnskanzlei, Kammergericht u. s. w. mehrere Zimmer eingeräumt, 
in dem ehemaligen Marstall neue Wohnungen für verschiedene 
Hofbediente hergerichtet. Während der Befestigung von Berlin 
musste der weitere Ausbau des Schlosses liegen bleiben, bis er nach 
dem Frieden von Oliva wieder in Angriff genommen wurde. Später 
wurden auch die Gebäude nach der Spreeseite, wo noch Ueber- 
bleibsel des Münzgebäudes und ein altes Warthaus standen, be 
gonnen. 
Unter dem ersten preussischen König gewann das Schloss dann 
eine ganz andere Gestatt. Bekanntlich war es der grosse Schlüter, 
dem es vorbehalten blieb, in einem Zeitraum von wenigen Jahren, 
aus den einzelnen zusammengehäuften und ungeordneten Gebäuden 
ein einhaltliches Bauwerk von monumentaler Bedeutung zu schaffen, 
wie es heute auf dem Schlossplätze steht. Otto Strack. 
9 
Prinz Mehemed Ali-Pascha in Kairo. Der ein 
zige Bruder des gegenwärtig in Egypten regierenden Khedive 
Abbas II. Hilmi, welcher am Sonnabend von seinem gewöhnlichen 
Aufenthaltsort Paris hier eingetroffen ist, um die Berliner Gewerbe- 
Ausstellung, insbesondere die kunstvolle Nachbildung der ägyptischen 
Hauptstadt zu sehen, stattete am gestrigen (Montag) Nachmittag 
gegen 5‘/ 2 Uhr der Ausstellung Kairo seinen Besuch ab. Der 
jugendliche Prinz, -— Mehemed Ali, der am 28. Öctober 1875 
geboren ist, repräsentirt sich als eine hübsche Erscheinung; er trug 
eleganten braunen Civil-Anzug, dunkelrothe moderne Cravatte und 
hellen Strohhut. Mehemed Ali Pascha, der trotz des streng 
gewahrten Incognito allgemein auffiel, wurde von den Directoren 
Wohlgemuth und Moeller empfangen. In seiner Begleitung be 
fand sich nur einer der Mitschöpfer des Beresina-Panorama. Der 
Prinz besichtigte zunächst den antiken Theil der Ausstellung, 
wo er sich besonders über die künstlerisch vollendete Nachbildung 
des Edfu-Tempels äusserst anerkennend aussprach. Auch die 
Waffensammlung seines Bruders, des Khedive, mit dem Prachtschwert 
seines gleichnamigen Stammvaters Mehemed Ali, welcher 1811 die 
Dynastie begründete, studirte er sehr eingehend. Sodann begab 
sich der Prinz an den Nilanlagen vorbei über den Pyramiden 
platz, woselbst ihn das Treiben der Eseljungen und die 
kameelberittenen Europäer sehr zu belustigen schienen, nach 
der Bazarstrasse Bab el Ghoräyib, von da * durch die 
Gamalye, deren Läden grössere Aufmerksamkeit erregten, 
nach dem Khedivialplatz; hier begrüsste die Hofkapelle 
des Khedive unter Leitung des Major Faltis den Bruder ihres 
Regenten mit der arabischen Nationalhymne. Von den industriellen 
Etablissements wurde noch die grosse egyptische Cigarettenmanufactur 
von Lagnado aufgesucht, worauf der Prinz mit den begleitenden Herren 
auf der Terrasse des Wilhelmj’schen Weinrestaurants »zum Khedive«, 
auf dem die rothe egyptische Flagge mit dem weissen Halbmond 
und einem ebensolchen sechsstrahligen Stern in der Mitte aufgehisst 
war, das Diner einnahm. — Ueber das Gesammtbild der Ausstel 
lung Kairo wie über die Details drückte sich der Prinz wiederholt 
höchst anerkennend aus. 
V 
Die Waisenkinder in Alt-Berlin. Die Zöglinge des 
Waisenhauses in Rummelsburg besuchten, einer liebenswürdigen 
Einladung der Direction von Alt-Berlin Folge leistend, gestern 
(Montag) diesen alterthümliehen Schauplatz einstiger Berliner Herr 
lichkeit. Um 9 Uhr waren sie, 300 Männlein stark, unter Führung 
und Begleitung des gesummten Lehrercollegiums, sämmtlicher An 
staltsbeamten und der Nazarenerpflegeschwestern, von Rummelsburg 
aufgebrochen und unter den lustigen Klängen ihres eigenen Musik- 
corps, das aus 36 jugendlichen Musikern und 15 dreikäsehohen 
Tambours bestand, nach Treptow marschirt, woselbst sie um zehn Uhr 
eintrafen. Die helle Freude blitzte aus den Augen der Kleinen, die in 
ihrer kleidsamen Uniform einen äusserst sympathischen Anblick boten, 
als sie von allen Seiten freundlich begrüsst in Alt-Berlin einrückten, und, 
von Strasse zu Strasse ziehend, den Erklärungen ihrer Führer 
lauschten. Von Herrn Director Kaufmann mit Speise und Trank 
gelabt, gaben sie ihrem Dank durch mit lautem Beifall aufgenommene 
Vorträge einiger Musikstücke Ausdruck, der von einer ganz er 
staunlichen Schulung der Kapelle Zeugniss ablegte. Und doch 
war das grösste Mitglied derselben nicht viel grösser, als die von 
'hm geblasene Posaune — eine Thatsache, die bei den lebhaft 
animirten Zuschauern ebensoviel Staunen wie wohlwollende Heiter 
keit erweckte. Um 12y 2 Uhr wurde der Heimweg an getreten,' 
und marschirte die Waisenschaar, der lobenswerthes Wohlwollen 
einige wirklich vergnügte Stunden bereitet hatte, unter klingendem 
Spiel, von einer dichten Menschenmasse geleitet, durch die Aus 
stellung nach Portal VI und von da nach Rummelsburg zurück. 
Wie wir hören, wird der Arbeits-Ausschuss die Kleinen demnächst 
auch zum Besuch der Ausstellung einladen, ein Vorgehen, das wir 
im Interesse der Humanität mit lebhafter Freude begrüssen. 
U ' 
Das Torpedoschiessen in den Marine-Schau 
spielen, von welchem wir bereits früher Mittheilung machten, 
wird am künftigen Montag seinen Anfang nehmen. Dasselbe besteht 
in Sprengungen unter dem Wasserspiegel, welche kolossale Wasser 
massen in die Höhe schleudern. Dieses einfache Explodiren der 
Torpedos wird in der Folge dahin erweitert werden, dass that 
sächliche Schiffskörper, die noch im Bau begriffen sind, gerammt 
und dann in die Luft gesprengt werden. Mit diesen Productionen 
erreichen die Gefechtsmanöver der Marine-Schauspiele die denkbarste 
naturgetreue Vollkommenheit. 
9 
Ueber das Programm des grosse» orienta 
lischen Festes, welches unter dem Titel »eine orienta 
lische Nacht« am nächsten Freitag in Kairo stattfindet, wird 
uns Folgendes mitgetheilt. Bei eintretender Dunkelheit werden 
alle Bauten und besonders die Minarets der Moscheen mit echt 
orientalischen Beleuchtungskörpern illuminirt; in der Arena 
findet um 8'/ 2 Uhr Abends eine grosse Festvorstellung, 
Beduinenkämpfe und Fantasias statt, ausgeführt von 500 Personen, 
sowie Pferden, Dromedaren, Eseln, Gazellen und anderen Thieren. 
Diese Aufführungen währen eine Stunde. Den ganzen Abend über 
eoncertiren 4 Kapellen, die Khedivialkapelle in Uniform, eine 
CavalleriekapeUe, eine Infanterie- und eine rumänische Kapelle. 
Der Beginn des Festes, zu dem ein Entree von 1 Mk. festgesetzt 
wurde, ist um 7 Uhr Abends. Das Programm wird mit einer von 
C. W. Allers gezeichneten Figur geschmückt sein, die einen GigerJ 
aus Kairo darstellt. ' / 
9 \ 
Die Direction der Marine - Schauspiele theilt uns 
mit, dass sie den Billetverkauf für die morgen (Mittwoch) Abend 
9 Uhr stattfindende »Girandola« den Filialen Loeser & Wolff und 
zwar am Bahnhof Alexanderplatz, im Hauptgeschäft Alexanderplatz 
und Friedrichstrasse, Central-Hotel, belassen hat. Der Stadtverkauf 
der Billets dauert nur bis Nachmittag um 3 Uhr; alsdann sind 
Eintrittskarten zu der »Girandola« nur noch im Directions-Bureau 
an Bord der »Hohenzollem < zu haben. 
b) In Berlin. 
Das Olympia-Riesen-Theater, welches 4000 Personen 
fasst, erwiess sich am letzten Sonntag als viel zu klein, um die 
Zahl der anstürmenden Besucher aufzunehmen. Viele mussten, wie 
die Direction uns meldet, unverrichteter Sache von den fünf Kassen 
schaltern den Rückweg antreten. 
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£1. K. Aber bester Herr, wir haben in der That etwas anderes 
zu thun, als Ihnen die Höhe der einzelnen Gebäude anzugeben. 
Sollten Sie derselben so dringend bedürfen, so rathen wir Ihnen, in 
einer hellen Vollmondsnacht (bei Tage würde es zu viel Aufsehen 
machen) nach der bekannten trigonometrischen Methode die Höh« 
selbst zu bestimmen. 
O. MT. Meinen Sie? Eine ziemliche Portion Naivetät spricht aus 
Ihren Ansichten. Freie Fahrt auf dem Neuen Sec? Wieviel Motor-- 
und Ruderboote sowie Gondeln sollten dann wohl angeschafft werden,, 
um dem Andränge zu genügen! Dann hätte man besser gethan, dea 
Neuen See garnicht erst zu graben, denn bewegen würde »ich die 
Unmasse von Booten nicht können.
	        
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