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Periodical volume Nr. 51, 7. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs-Nachrichten. 15 
Seidenstickerei zeigte. Ein Pompadour-Cpstüm in Chineseide, mit 
einem Ansputz von echten Spitzen wirkte sehr geschmackvoll und 
hübsch, besonders' apart war der Taillenschluss durch zwei sehr 
schöne grosse Goldknöpfe bewirkt. Fenier stellt Liaison Brunow 
prächtige seidene Unterkleider aus, die sehr farbenreich gehalten 
und mit sehr solidem geschmackvollem Ausputz versehen sind und 
eine Anzahl sehr hübscher Hüte. Unter diesen fällt besonders 
einer aus feinem, weissem Stroh in die Augen, der mit duftigem 
weissem Tüll, einem kleinen Tuff gelber Blumen, weissem Beiher 
und schwarzer Phantasiefeder garnirt ist, und einer aus lila 
Phantasie-Strohgeflecht mit Garnirung von schwarzer Drahtstickerei 
mitApplication weisser echter Points, Beiherstutz und Kranz von 
lila Blüthen und rosa Bosen. 
¥ 
Sa der Sanitätswache wurden in den letzten 24 Stunden 
28 Fälle behandelt. 18 Mal lagen Verletzungen vor! In den 
übrigen Fällen handelte es sich u.n leichte Olmmachtanfälle und 
Unwohlsein in Folge der grossen Hitze. 
a) In der Ausstellung. 
Die Fest-Illumination, die für den gestrigen Sonnabend 
geplant war, ist leider der.tückischen .Wetterlaune zum Opfer ge 
fallen. Alle Vorbereitungen waren für diesen illuminirten Festabend 
bis in die kleinsten Details im Laufe des Tages getroffen worden, 
allein es war verlorene Liebesmühe, denn durch den herabströmenden 
Bogen wurde der grösste Theil der Illuminationskörper unbrauchbar. 
Dennoch wirkte die Beleuchtung am Neuen See ungemein male 
risch, und zwar durch eine rothe Verkleidung, die gestern Abend 
zum ersten Mal die Bogenlampen einhüllte. 
V 
Das philharmonische Blas-Orchester spielte gestern, 
(Sonnabend) Nachmittag im Kuppelbau der Haupthalle. 
Im Hauptrestaurant beschloss gestern (Sonnabend) der 
Verband Deutscher Müller nach einem grossen Frühschoppen 
im Pilsener EiraustUbl, seine diesjährige dreitägige Hauptverhandlung 
mit einem Festdiner, das in dem. grossen, prächtig gedeckten Saal, 
unter Theilnahme von 280 Personen stattfand. Das Präsidium der. 
Tafel übernahm Herr Director v. d. Wyngaert, der auch in kernigen, 
warm patriotischen Worten den ersten, mit stürmischem Beifall auf 
genommenen Toast auf den Kaiser, ausbrachte. Herr Lehmann- 
Liebsge toastete auf die Ehrengäste, unter denen wir die Herren 
Gell. Commerzienrath Goldberger, Feilsch, Geheimrath Lusensky 
vom Handelsministerium und Generaldirector Tschmerke von 
der Magdeburger . Feuerversicherungs - Gesellschaft bemerkten. 
Neben anderen ernsten und humoristischen Reden fand ein 
äusserst lustiges Tafellied bei der lebhaft animirten Gesellschaft 
grossen Anklang und mancher Theilnehmer mag am Schluss des 
Diners, das sich bis 7 Uhr Abends hinzog, die Wahrheit der 
Strophe empfunden haben: 
„Und zum Schluss — wie dumm, 
Geht das Mühlrad drum 
Nicht blos in der Mühle, 
Auch im Kopf herum!“ 
Heute (Sonntag) findet im Architektenhaus der Delegirtentag 
des Verbandes statt, womit die diesjährigen Tagungen desselben zu 
Ende sind. — Gleichzeitig fand am Sonnabend in einem anderen 
Saale des Hauptrestaurants ein solennes Diner der Papier- 
Verbrauchs-Berufs-Genossenschaft statt, an dem ca. 100 
Personen Theil nahmen. 
V 
Die Theilnehmer des III. Allgemeinen Kunst- 
gewerbetag’es finden sich heute (Sonntag) im Hauptrestaurant 
zu einem Festbankett zusammen, zu dem sich über 200 Personen 
angemeldet haben. 
V 
Die Waisenkinder in Alt-Berlin. Die Zöglinge 
sämmtlicher Berliner Waisenhäuser haben in Alt-Berlin freien Zu 
tritt Demnächst werden 6000 Waisenkinder auf Kosten des Herrn 
Director Kaufmann in Alt-Berlin mit Kaffee und Kuchen zum 
Vesper, sowie mit belegten Butterstullen zum Abendbrot bewirthet. 
S 
Im Vergnügungspark fand gestern (Sonnabend) vor 
einem geladenen Publikum eine officielle, grosse »Eröffnung« 
statt, obgleich eine provisorische Eröffnung schon kurz nach Beginn 
der Ausstellung verzeichnet werden ' konnte. Es war die grösste 
und interessanteste Sehens- und Hörenswürdigkeit des Vergnügungs 
parkes, nämlich Schippanowski’s »Weltmusik«, die sich 
gestern zum ersten Male in voller Pracht der äusseren Erscheinung 
und in voller Entfaltung ihrer Leistungen den geladenen Gästen 
zeigte. Man muss zugestehen, dass diese »Weltmusik« eines der 
eigenartigsten Etablissements repräsentirt unter allen Sehens 
würdigkeiten, die Berlin und seine Ausstellung aufzuweisen 
haben. Der .Besucher wird gleichsam von Ueberraschüng zu 
Ueberraschuiig„ geführt. Als-Etablissement zeigt, sich diese »Welt 
musik« zunächst als Welt im Kleinen. Der Besucher, ist bald 
mitten in einer Alpenlandsohaft, bald befindet er ■ sich iii einer 
Strasse Italiens. Hier steht er in einem Wirthshaus der unga 
rischen Pussta und nach wenigepi Schritte^ iss. er in einer „der 
Feengrotten von Colorado versetzt, da thut sich der Bosporus mit 
dem Goldenen Horn auf und, wenn mäh weiter geht, befindet man sich 
plötzlich in einem Saal des goldenen Kreml. Und wohin man sich 
wendet, überall findet man die nationale Musik der Landschaft, welche 
uns das äussere Bild vorführt. Tiroler Sänger, Italiener, russische Sänger 
und Schauspieler, ungarische Zigeuner, rumänische Virtuosen, dazu ein 
österreichisches Elite-Orchester, italienische Bersaglieri, Clavier- 
virtuosen, Ghansönnettehsängerinnen -— es klingt, und sin’gt, überall 
und jeder Geschmack findet seine Rechnung, auf jede Caprice ist 
Rücksicht genommen. Alles in Allem ist die »Weltmusik« eine 
der merkwürdigsten und anziehendsten Veranstaltungen in unserer 
Gewerbe-Ausstellung’ das grossartigste Vergnügungs-Etablissement 
des amüsanten Vergnügungsparkes. 
b) In Berlin. 
Das „Deutsche Theater“ bringt in dieser Woche 
Wiederholungen von »Lumpacivagabundus« ausser am heutigen 
Sonntag am Mittwoch, Freitag und nächstfolgendem Sonntage: 
»Die Weher« kommen am Dienstag und Sonnabend Zur Aufführung; 
Morgen (Montag) geht »Hamlet« und am Donnerstag »Der Meister 
von Palmyra«, letzterer zum 25. Male in Scene, beide Stücke mit 
Josef Kainz in der Titelrolle; die Ophelia spielt zum ersten Male 
Nina Sandow. 
V 
Das Modell, die nachgelassene Operette von Franz Suppe 
wird im Lessingtheater erst am 21. Juni zum ersten Mal auf 
geführt werden. Inzwischen beherrscht Strauss’ Operette »Wald 
meister« das Repertoire. - . 
V 
Im Berliner Theater geht heute (Sonntag) Abend um 
V 2 8'Uhr Ernst von Wildenbruchs »König Heinrich« in Scene. 
Das Wjjdenhriich’sche Drama wird in dieser Woche ferner auf 
geführt: Montag - deü 8., Dienstag den 9., Mittwoch den 10. und 
Donnerstag den 11. (zum hundertsten Male) und Sonntag den 
14. Juni. Freitag, den 12. Juni (38. Abonnements-Vorstellung), 
geht zum ersteh Male das Sardou’sche Lustspiel »Der letzte Brief« 
in Scene. Sonnabend, den 13. Juni, wird in Verbindung mit der 
ersten Wiederholung des Lee’schen Volksstückes »Der Schlag 
baum« das einaktige vaterländische Schauspiel »Soldatenherzen« 
von Adolf Rosee zum ersten Male aufgeführt. Den Abonnenten 
des Berliner Theaters werden die Billets zu dieser Vorstellung 
gratis zugeschickt werden. 
I». M. in Kyritz. Die Antwort auf alle diese Fragen finden Sie 
in unserem täglichen Programm. 
S. in F. Wann die nächste Illumination stattfindet, ist noch 
nicht bestimmt. Torfstecliniaschincn haben wir bisher auf der Aus. 
Stellung nicht gesehen.
	        
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