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Periodical volume Nr. 51, 7. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

14 Officielle Ausstellungs- Nachrichten. 
sie vorerst iiür kümmerlich, ihr Dasein fristen. Heute ist 
fler Zuckerrübenbau so vervollkommnet und die dazu gebauten 
Maschinen sind so zweckentsprechend, dass man aus den 
Hüben ca. 18—20 pCt. Zucker erzielen kann. Durch die 
Fortschritte in, der Technik und der productiven Entwicklung 
ist der Zucker heute nicht mehr ein Luxusartikel, sondern 
ein Volksnahrungsmittel geworden. 
Die Landwirthschaft hat in unserem Jahrhundert eine 
Entwickelung durchgemacht, wie sie sie in vielen Jahrhun 
derten nicht hatte. Sie wird auf dieser Stufe aber noch nicht 
stehen bleiben, sondern sich weiter ausbilden und ein ker 
niges, gesundes Menschengeschlecht schaffen. A. Seht. 
Der geschäftsführende Ausschuss der Ausstellung 
hat in seiner Freitags-Sitzung beschlossen, einen umfassenden 
Bericht herstellen zu lassen, welcher den Charakter eines 
illustrirten historischen Werkes über die Ausstellung von 
ihrer Entstehung bis zu ihrer Beendigung tragen wird. Einer 
hierzu eingesetzten Commission ist die geschäftliche und redactionellc 
Führung der diesbezüglichen Arbeiten unter Hinzuziehung erster 
technischer und wissenschaftlicher Kräfte übertragen worden. — 
Um angesichts des täglich wachsenden Umfanges der Ge 
schäfte, eine Entlastung des von allen Seiten beanspruchten Arbeits- 
Ausschusses herbeizuführen, hat sich derselbe mit Herrn Stadtbau- 
Inspector Frobenius, Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses, 
dahin verständigt, dass Herrn Frobenius sämmtliche, auch die 
technischen Bureaux der Ausstellung unterstellt werden. Herr Ober 
bürgermeister Zelle hat diese Vereinbarung in entgegenkommendster 
Weise dadurch ermöglicht, dass er Herrn Stadtbau-Inspector Fro 
benius den erforderlichen Urlaub ertheilte. 
* 
Das Eintrittsgeld beträgt in Zukunft an den Sonntagen 
auch von 8 Uhr Morgens an nur 50 Pfennige. 
9 
Das starke Gewitter, welches gestern von Nachmittag 
4—7 Uhr über der Ausstellung sich entlud, brachte einen wolken 
bruchartigen Regen, der die Wege in recht unangenehmer Weise 
aufweichte und das Publikum in die Gebäulichkeiten und Wandel 
bahnen trieb. Es waren während des Gewitters mehrere sehr heftige 
Blitzschläge zu constatiren, von denen einige auch auf dem Aus 
stellungsterrain einschlugen. So traf ein Blitz den linksseitigen 
Thurm des Tabak-Museums von Löser & Wolff, riss einige Ziegel 
mit und machte den elektrischen Leitungsdraht im Saal unter dem 
Baldachin erglühen, sodass das Publikum, von augenblicklichem 
Schrecken erfasst, in das Freie drängte. Weiterer Schaden 
wurde nicht angerichtet. Auf dem Kaiserschiff (Lloyddampfer) 
hat ein sogenannter »kalter Schlag« eine dünne Fahnenstange ge 
troffen und einige kleine Splitter aus ihr herausgerissen, aber der 
Schlag war so wenig heftig, dass einige Herren, die sich in nächster 
Nähe dieser Fahnenstange am Schleusenthor befanden, erst als sie 
zufällig den Riss in der Fahnenstange sahen, darauf aufmerksam 
wurden. Von den Hunderten von Besuchern, die zu der Zeit auf 
dem Kaiserschiff waren, erfuhr der grösste Theil erst von anderer 
Seite, dass ein kalter Schlag das Schiff berührt hatte. — In der Möbel 
halle rechts im Hauptgebäude, parallel der Seitenhalle, welche die Aus 
stellung der Kgl. Porzellan-Manufactur birgt, ist der Regen so arg 
durchgedrungen, dass mehrere Zimmer beschädigt wurden. Auch bei 
der Ausstellung des Königs Hofmarschall-Amts hat es. durchgeregnet. 
Am ärgsten betroffen wurde die Wagengruppe in der 
Maschinenhalle und die Lederabtheilung. Der Arbeits 
ausschuss hatte noch rechtzeitig alles aufgeboten, um die 
Wassermassen zu beseitigen, so dass schon eine Stunde nach dem 
Gewitter nur wenig von der Nässe in den Gängen und Kojen 
bemerkbar war. Sämmtliche Dächer werden frisch eingedeckt oder 
ausgebessert, um die Herrlichkeiten der Ausstellung vor allen Un 
billen der Witterune zu sichern. 
Ermässigte Gebühr für Amateur-Photographen. 
Auf Veranlassung des Arbeits-Ausschusses hat sich der Verband für 
Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Gewerbe-, 
Ausstellung 1896 veranlasst gesehen, den Herren Amateuren das 
Photographiren auf der Gewerbe-Ausstellung gegen eine Licenz von 
5 Mk. (bisher . 10 Mk.) pro Tag zu gestatten. Für Wochen- und 
Monats-Karten bleibt die Licenz von 20 resp. 50 Mk. bestehen. 
S 
Unseren Pavillon besuchten in den letzten Tagen folgende 
hervorragende Herren: Hausmarschall Freiherr von Lyncker, 
der Generaladjutant des Kaisers Generallieutenant von Bornsdorff 
mit Familie, der Stadtverordnete Professor Dr. Schwalbe, der Chef 
des Generalstabes des Gardecorps Oberst von Woyisch, Geheimer 
Kegierungsrath von Barnekow, Kammerherr von Oertzen nebst 
Gemahlin, der mecklenburg - strelitz’sche Hofmarschall General 
von Maltzan, Generallieutenant von Münnieh, Gouverneur von 
Cöln, mit Gemahlin, der Commandeur des Garde-Füsilier-Regiments 
Oberst von Krosig, der hessische Finanzminister Staatsrath Weber 
u. v. A. 
9 ■ ' 
Ein Gasmotorwagen der Dessauer Gasbahngesellschaft 
ist nach der Ausstellung gebracht worden und vor dem Pavillon • 
der Gas- und Wasser-Fachnutühef»zur Aufstellung gelangt. Eben 
dort' befindet sich eine fahrbare Gäs-Goniprimir-An'stait, in welcher 
das Gas für den Betrieb des Wagens zusammengepresst wird. 
Ein gleicher Wagen der Dessaucr Gasbahngesellschaft befindet 
sich, wie bekannt, seit dem 1 Mai auf der Strecke Strassenbälinhof 
Charlottenburg-Knie' in täglichem, fahrplanmässigem Betriebe. ■ 
9 
Im Damenheim. Unsere Mitarbeiterin schreibt: Nunmehr 
haben die Firmen Fuders, Hain & Krüger, Laski und Maison 
Brunow eine Ausstellung im Bacber’sCben Trachten - Pavillon: 
»Damenheim« eröffnet. Gleich zuvor möchte ich bemerken, dass ' 
es jedenfalls den weitaus meisten Besucherinnen des Damenheims 
unbekannt ist, dass ständig die Vertreter der Firmen anwesend 
sind, die im Bedarfsfälle Bestellungen auf Anfertigung eines Kleides, 
Hutes etc. nach Modell annehmen ’ resp.' die ausgestellten Modelle 
verkaufen. Die Damen brauchen also nicht nur zu bewundern end 
zu wünschen, sie können sich sofort in den Besitz eines solchen 
gewünschten Gegenstandes setzen oder eine Nachbildung bestellen 
Die Firma Hain & Krüger ist mit Jackets und Jacken-Oostümen 
vertreten, die, so schlicht und solide, immer ihre Beliebtheit sich 
wahren. Besonders hübsch ist ein solches < ostüm in grünlichem 
Lodenstoff mit grünem Sammetkragen, der Vorstoss an der Jacken- 
Revers war aus weissem Moire antique. Lüders stellt verschiedene 
Foulardkleider in blau und in braun gemustert aus. Die Röcke 
sind ohne jeden Schmuck, die Taillen meist mit weissen, gelb 
lichen öder ecrufarbeiien Spitzen- Arrangements geziert Sehr 
hübsch und chic in seiner vornehmen Schlichtheit ist ein 
Kleid von glattem, leichtem, weissem Mullgewebe, dessen Ausnutz 
nur aus 'einem grauen, sehr schön gestickten Kragen und einem 
Gürtel ans braunem Atlas besteht. Laski, die bekannte Blousen- 
firma ist mit sehr allerliebsten jugendlichen Blousen und Bloasen- 
costümen zu sehr civilen Preisen, vertreten. Da ist z. 3. ein voll 
ständiges Kleid, Rock und Blouse in dem so sehr beliebten 
grossblumigen englischen Mull für 29 Mark zu haben. Für ganz 
junge Mädchen und Frauen kann man sich kaum etwas reizenderes 
denken, als solch ein luftiges, duftiges Kleid. Besonders zum 
Bade-Aufenthalt und für Besuchsreisen auf dem Lande dürften diese 
Kleider sich passend erweisen. Maison Brunow stellt nur grössere 
Toiletten aus. Als sehr apart und geschmackvoll fällt eine solche 
aus grau-modefarben gemustertem Etaminestoff auf, die nur einen 
Ausputz von weissen Atlasbändern zeigt. Ein anderes Kleid ist 
aus grossblumiger Chmeseide gefertigt, der Rock ganz glatt gehalten, 
die Taille mit Epaulettes von echten Spitzen geschmückt, einem 
Plisseeinsatz von Seidencrepe, den von beiden Seiten kostbare 
durchbrochene Goldstickerei begrenzt. Ein sehr schönes, schlichtes 
Costüin aus schwarzem Crepe, das, in der neuerdings so überaus 
modernen und beliebten Art, mit weissen Atlasbändern, die wiederum 
schwarze Seidenstickerei zeigen, geschmückt ist, erfreut sich des 
grossen Beifalls der verständnisvollen Damenwelt ebenso, 
wie ein Tuchcostüm in Fraisefarbe, dessen Mieder von 
grünem Sammet gefertigt war, welches reiche fraisefaroene
	        
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