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Periodical volume Nr. 48, 4. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

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Officielfe Ausstellungs - Nachrichten. 
arabische Musik. Ein einfaches, fast monotones Motiv, das durch 
den Gesammtbau sich hindurchzieht, einzelne Sätze, die un 
vermittelt anheben und abschlössen, die Figuren aber in genauer 
Symmetrie wiederkehrend nur stellenweise durch einen temperirten 
Rhythmus bewegt. Dazwischen mal ein Triller, ein paar melodiöse 
Takte, ein verschlungenes Ornament in aufleuchtenden Farben. Es 
sind nicht Posaunenaccordc: Pauke und Flöte und leise zwischen 
durch italienische Saiten. 
Der Grundzug aber eines echten Baustiles bestimmt sich 
immer aus dem Erzweck des Gebäudes und wächst mit seinen 
höheren Zwecken. So ist auch die arabische Moschee 
ein Bauwerk, das sich allmählich erst zu der Form zusammen 
gefügt hat, in der wir sie jetzt als abgeschlossenes Ganze 
betrachten. —- Der Moslemin kennt in seiner religiösen Vorstellung 
kein Haus, das einem Gotte zum Gegenwärtigsein erbaut wird, kein 
Gotteshaus. Was er braucht, ist nur eine stille abgelegene Stätte, 
wo er gemeinsam mit seinen Glaubensgenossen sein Gebet verrichten 
kann. Also war im Anfang die Moschee (Gämi) nichts anderes, wie ein 
Ort, auf dem man seine Teppiche zum Beten ausbreitete und seine 
Waschungen vornahm. Man schützte sich vor Sonnenbrand und 
Regen, indem man einen Säulenhof baute, luftige Arkaden in der 
Anordnung eines lateinischen Kreuzes, die Hauptachse nach dem 
heiligen Grabe von Mekka gerichtet. Daneben erhoben sich dann 
die Thürme, von denen herab der Muddin die Einwohnenden an 
die Gebetstunden mahnte, die Minarets. Eine Moschee darf deren 
sieben haben, die aber oft in grösseren Entfernungen unabhängig 
von einander stehen. Nur wenn eins allein vorhanden ist, steht 
dasselbe über oder neben dem Haupteingang. End an der ge 
heiligten Stätte, die er in Pracht geschaffen hatte, liess der fromme 
Stifter sich bestatten. Eeber dem Grabe wölbt sich die Kuppel 
seines Mausoleums. So besteht das, was wir unter dem Gesammt- 
begriff Moschee bezeichnen, aus einem Complex gesonderter 
Baulichkeiten mit besonderer Bestimmung. Ja es dürfen sogar in 
keiner Gämi gewisse Orte fehlen, die zwar auch für uns ein noth 
wendiges Bedürfniss sind, aber sonst durchaus in keinem Zusammen 
hang mit Heiligthümeni gebracht werden. 
Von den Nachbildungen, die uns in unserem Ausstellungskairo 
begegnen, ist die Gämi Kalt-Bey diejenige, welche die verschiedenen 
Annexe in einer geschlossenen Form am harmonischsten und auch 
in den Einzelheiten am reichsten ausgebildet zeigt. Kait-Bey, ihr 
Erbauer, war einer jener Mamelukensultane, deren Baulust wir die 
besten Werke,des bestehenden Kairo, verdanken.: Das seinige aber 
ist das schönste von allen, so sehr es nach vierhundert in’s Land 
gegangenen Jahren verwahrlost sein mag. 
Von ferne schon entzückt die schlanke, fein gegliederte Zierlich 
keit ihres einzigen hohen Minarets, das Filigranornament der 
Arkaturen, die warme Farbentönung, mit der es in die Luft taucht. 
Unten vierkantig, wird es von Stockwerk zu Stockwerk viereckiger, 
bis es nach oben in einer feingeschweiften Zwiebelform ausklingt. 
Die Kuppel über dem cubischen Unterbau deckt ein ebemnässig 
verschlungenes Reliefmuster; darunter spannt sich rings herum ein 
breites Band, mit Koransprüchen beschrieben. Die arabische Schrift 
ist arabeskenhaft und wirkt, wo irgend über Kanzeln oder Thürmen 
sie angebracht ist, immer als ein eingepasstes Ornament. — Steht 
man erst vor dem Gebäude, so beherrscht das Portal die Ansicht. 
Von den Stufen der Freitreppe weitet es sich im schwungvollen Kiel 
bogen als tiefe Nische bis zur ganzen Höhe der Mauer, Reicher 
Stalaktitenschmuck füllt die Wölbung. Alle anderen, in rechten 
Winkeln zusammenstössenden Wände sind nackt und glatt, hie 
und da nur unterbrochen von einem Paar spitzbogiger Fensterehen 
mit einer Rosette darüber. Es ist eine Merkwürdigkeit dieses 
Stiles, dass kein Gurtsims, nicht einmal ein DachSims den Mauern 
ein Profil giebt oder ein Risalit eine Gliederung. Oben schliesst 
es höchstens mit einer Spitzenkante ab, und breite, ockerfarbige 
Bänder in wagerechter Schichtung sollen die todte Fläche beleben. 
Wenden wir uns weiter durch die vielwinkligen Strassen, so 
sehen wir noch manch’ kleines Minaret winken, schreiten wir noch 
an mancher geweihten Pforte vorüber. Meist aber sind es nur eng 
eingezwängte, versteckte Winkelbauten ohne Strassenfront, kleine 
Grabmäler, die das Volk seinen Heiligen, seinen Schechs oder 
Velis, in grosser Anzahl errichtet hat. Schliesslich jedoch gelangen 
wir am Ende der Sukkarije, der Strasse, wo die Zuckerbäcker 
ihren süssen Kram feilbieten, noch vor ein imposanteres Bauwerk, 
das durch klassischen Formenreichthum aus seiner einfacheren Um 
gebung heraustritt. Das ist die Gami el-Muaijad, auch cl-Ahmar, 
die rothe Moschee genannt. Sie stammt wie die Kalt - Bey aus 
der Mamelukenzeit vom Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts, ist 
aber noch in Allem wohl erhalten und gepflegt. An ihr ist es 
charakteristisch, dass die beiden zugehörigen Minarets abseits stehen, 
auf den Vorbauten des benachbarten Thores, des Bah el Zuwela, 
welches damit der Strasse einen grandiosen Abschluss giebt. Das 
Schwergewicht liegt bei dieser Grabmoschee auf dem Kuppelbau, 
dem Mausoleum, während das Sanctuarium, der eigentliche Andachts- 
raum, nur einen Annex darstellt. — Die Flügel der mit prächtiger 
Patina vergrünten, reich gemusterten Bronzethüren stehen weit ge 
öffnet und verführen zum Eintritt in das Innere. Nach zwei 
dunklen, dickwandigen Vorkammern, auf schlürfenden Strohschuhen 
über hinabführende Stufen tasten wir in die beklemmende Dämmerung 
des Grabgewölbes. Ueber dem holzumgitterten, glatt behauenen 
Marmorsarkophag des Stifters spannt sich die mattschimmernde 
Rundkuppel, die durch fein sieh überschneidende Stalaktiten aus 
dem nackten Mauerviereck übergeleitet wird. Seitwärts das kleinere 
Grabmal der Familie Muaijads. Unter halb herabgelassenen Stroh 
matten fällt kühles Lieht herein von dem teppichbelegten Arkaden 
hofe, wo zu einer sinnbefangenden Musik asketische Derwische 
ihren Kreiseltanz endlos wirbeln. Tausend farbige Ampeln an 
Kanzeln und Kiosken, kostbare Intarsien von Perlmutter, Ebenholz, 
Silber, Gold und buntem Gestein, leuchtende Teppichpracht, blinken 
des Brunnengeplätscher — und dicht daneben dunkle starre Grabes 
kühle: arabische Sonnenherrlichkeit, muhammedanische Finsterniss. 
Friedrich Fuchs. 
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Hinter den Coulissen der Marine-Schauspiele. 
Es ist Vormittags und das weite Tribünenhalbrund, das den See 
hinter der Hohenzollern um giebt, ist noch leer. Auf dem Wasser 
liegt einsam eins der kleineren Kriegsschiffe; am Felser.fort ragt 
ein Gerüst empor, das wohl an 150 Fuss hoch ist und für die 
pyrotechnischen Schauspiele das Gerippe abgeben soll. 
Hinter dem künstlichen Fort zeigt sich uns eine Einfahrt 
zum Hafen. Wir betreten ihn von der Landseite auf einem 
schmalen Steg und kommen in eine ziemlich grosse Halle, die das 
Hafenbecken einschliesst und überdacht. An drei Wänden laufen 
in massiger Breite Bretterquais entlang, aus der Rückwand erstreckt 
sich ein breiter Landungssteg in das Bassin. Auf langen Tischen an 
den Wänden stehen im Bogen die verschiedenartigen Schiffsgegenstände. 
■Zunächst fallen nur die Geschütze auf. Sic sind nach Art der gewöhn 
lichen Revolver eingerichtet, allerdings bedeutend grösser und sind für 
je 25 Schuss berechnet. Der Lauf hat die genaue Form eines 
Kanonenrohrs. Die Geschütze werden in den Thürmen an Bord 
der Schiffe so angebracht, dass nur der Lauf sichtbar ist, der 
Drücker liegt so, dass der Mann, der zur Bedienung im Rumpfe 
des Schiffes sitzt, ihn bequem erreichen kann. Vor den Manövern 
■werden die nöthigen Patronen in die Revolvertrommel gelegt, so 
dass der Mann unterwegs nur abzudrücken braucht. Nach dem 
selben Princip sind sämmtliche der Miniaturkanonen äusserst 
praktisch eingerichtet. Ueber diesen Kanonen sehen wir grosse Papp 
schachteln mit Patronen, dann kleine Boote, Schiffstreppen, Commando- 
brücken, Panzerthürme, alles so zierlich und niedlich, dass man 
ganz vergisst, dass diese Sächelchen in der grossen Wirklichkeit 
einen Theil jener fürchterlichsten Vernichtungsmaschinen bilden, 
die menschlicher Geist je ersann. An den Landungsstegen liegen 
die kleinen Kriegsschiffe. Sie sind überdies in der Nähe besehen 
fast so gross wie ein gewöhnliches Ruderboot. Man ist eifrig 
dabei, sie zu putzen und zu reinigen und da sie hierzu zum 
Theil auseinander genommen werden, — wenigstens sind die meisten 
Theile des Oberdecks beweglich —- gewinnen wir einen äusserst inter 
essanten Einblick in ihre complicirte Construction. Der Schiffsrumpf 
ist aus Stahl gebaut. Er enthält eine elektrische Batterie, die der 
Schiffsschraube die zum Manövriren nöthige Bewegung giebt, 
ferner den Sitz für den Matrosen, allerlei Handgriffe für die 
Steuerung und für die Hissung der Signalflaggen. Der Mann sitzt 
im Schiffsrumpf so, dass er von aussen nicht gesehen werden kann, 
während er selbst nach allen Seiten hin freien Ausblick hat. Es 
geschieht das dadurch, dass er den Kopf in der Cajüte auf der 
Commandobrücke hat. Er kann sich vollkommen frei bewegen und 
alle Geschütze, sowie den Signalmast und das Ruder regieren,
	        
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