Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

8
(Offtcidic A«ssteUu«gs -Uachvichtrn.
Tie Beleuchtung der Mittelhalle erfolgt durch hohes Seitenlicht,
diejenige der Seitenhallen durch direktes Oberlicht. Tie Anlage bes
nördlich anschließenden Gebäudes der Gruppe für Bau- und
Jngenieurwesen mag einer besonderen Beachtung vorbehalten
bleiben, wie so manche decorative Einzelheit des Innern, deren
Entwurf oder Modellirung jetzt erst im Werden begriffen ist.
Bei dem Rückgang zur Vorhalle erfreut der ivcchselvolle Fern
blick in die große Kuppel und weiterhin ins Freie, sowie die ge
schickte Wirkung des Raumes, die namentlich beim Eintritt vom
See her eine überraschende Steigerung erfährt. —
Von der Vorhalle treten wir nunmehr nicht direct hinaus
in die duftenden Anlagen des Ziergartens; wir biegen »ach einem
kurzen Blick auf die prächtige Scenerie des Neuen Sees seitwärts
ein und gelangen aus der offenen Arkade durch breite stattliche
Portale in die kühlen, an die Kreuzgänge der alten Klöster er
innernden Wandelhallen, an die sich die dem Postverkehr, dem
Arbeitsausschuß, der Presse und mannichfachen anderen Zwecken
gewidmeten schönen Räume anschließen. Während die Besucher
des Cafe Bauer von der offenen Halle her den Blick in den Park
genießen, herrscht auch in den übrigen Gewölbe» ein reges Leben.
Hunderte von Blättern liegen in den hellen Lesesälen aus, in
Stangen's Rciscbureau drängen sich Angehörige aller Nationen,
eine bekannte Auskunftei befriedigt in liebenswürdigster Art die
geheimsten Anfragen und am Ansgang thront Georg Stilke, der
Beherrscher von achtzig Kiosken für den Verkauf von Zeitungen
und anderen lcsenswcrthen Dingen.
Hochbefriedigt beenden wir den interessanten Rundgang, der
natürlich noch erheblich an Reiz gewinnen wird, wenn das Ge
bände seiner Bestimmung übergeben ist, wenn tausende von Aus
stellern dadrinnen die Erzeugnisse heimischer Kunst, und heimischen
Fleißes uns vorführen und ein vielsprachiges Publikum wie ein
Bienenschwarm in den Gängen sich daherschiebt. P. Walle.
Die Sport-Ausstellung.
Von Dr. K. Beerwald.
Tie Sportausstellnng hat im Iischcreigebüude leider nur einen
vcrhältnißmäßig geringen Raum zur Verfügung erhalten können,
und cs ist ihr dadurch eine Beschränkung auferlegt, die wesentlich
ihren Charakter beeinflussen wird. Viele Angebote, besonders von
industrieller Seite, mußten zurückgewiesen werden; aber während so
das Decorative in den Vordergrund tritt, verspricht der Gesammt-
cindruck des Ganzen sich um so efsectvoller uud künstlerischer zu
gestalten. Freilich, die Mühe und Arbeit, die unter diesen Um
ständen die Zusammensetzung erfordert, ist groß, und es ist kein
banales Lob, wenn wir des Eifers und ausdauernden Fleißes ge
denken, mit dem der Ausschuß der übernommenen Aufgabe zu
genügen sucht. Besonders ist es Sc. Excellenz der Herr General-
lieutenant v. Podbielski, der trotz seiner zahlreichen Geschäfte im
Reichstage doch auch für dieses Amt die nöthige Zeit zu gewinnen
weiss, und zwei treue Helfer sind ihm die Herren Oberstallmeistcr
Graf Wedel, Architekt Hofacker und last not least Herr
Mosino. Wie so oft ist es auch hier der Schriftführer, der
ganz besonders in die Bresche treten muß, und wer die treue Pflicht-
ivaltnng des Herrn Morino zu beobachten Gelegenheit hatte,
ivird ihm gewiß die wohlverdiente Anerkennung nicht versagen.
Ueber das, was wir in dieser Gruppe zu erwarte» haben,
läßt sich ein abschließendes Bild heute noch nicht geben, und vor
Allem sind die Details immer noch Schwankungen unterworfen.
Aber auch die groben Contoureu, welche allein zu zeichnen heute
möglich ist, dürften bereits zur Evidenz den Beweis liefern, daß die
Sport Ausstellung gewiß nicht den übrigen Gruppen nachstehen
ivird, vielmehr sogar sehr leicht ein ganz hervorragender An
ziehungspunkt des Ganzen werden dürste. Nicht unwesentlich trägt
dazu die rege Theilnahme Sr. Majestät des Kaisers bei, der nicht
nur in huldvollster Weise den an ihn hcrangctrctcnen Gesuchen
entsprochen, sondern sogar über dieselben hinaus aus eigener
Initiative Anordnungen getroffen hat. Denn daß der Besucher
unter vielem Andere» auch das Leibjagdpferd, welches der Kaiser
auf der in Berlin so überaus populaire» Hubertusjagd zu reiten
pflegt, vollständig gezäumt und im Momente des Abrcitcns dar
gestellt in vollkommen genauer Nachbildung finden wird, dazu
dürfte die Idee allein vom Kaiser ausgegangen sein, und ihm in
erster Linie der Dank geschuldet werden.
Doch gehen wir der Reihe nach.
Eine Serie von 10 etwa 12 Meter langen Bildern, gemalt
von Koch, werden die Friese der Austellnngsrünmc einnehmen und
uns den deutschen Sport, beginnend mit der Zeit der Sage, in
seinen hauptsächlichsten Entwicklungsstadien vorführen. Da werden
sich nebe» dem Walkürenritt die weiten Flächen der Rennbahnen
von Karlshorst, Westcnd und Hoppegarten ausdehnen; zu dem
Wickingerschisf gesellt sich die elegante Dacht neuester Constrnction,
und der wilden Jagd hinter dem ungefügen Auerochsen tritt die
moderne Treibjagd gegenüber, wo viele Hunde des armen Meisters
Lampe Tod sind. Auch der Radfahrsport wird nicht vergessen
werden, freilich ohne ihm ein Pendant aus den Tagen unserer
Altvordern :c. zu geselle», und auf den Jagd- und Rennplatzbildcrn
werden wir die markantesten Persönlichkeiten des Rcnnsports
portraitirt finden.
Die Sportausstellung selbst setzt sich zusammen aus vier Unter
abtheilungen: dem Fahr- uud Reitsport, dem Wassersport, dem
Jagdsport und dem Radfahrspvrl, indem die Abtheilung für Luft
schiffsport leider hat ausfallen müssen, da die diesbezüglichen Be
mühungen des Herrn Prof. Aßmann erfolglos blieben. Im Fahr-
nnd Reitsport wird der Flachrennspvrt durch ausgestopfte Imi
tationen berühmter Rennpferde und durch Reitzeug, für welch' letzteres
mehrere industrielle Aussteller vorhanden sind, seine» Ausdruck
finden, der Hindernißsport durch Borsührnng eines Pferdes mit
eompletcr, rennmäßiger Adjustirung und Modelle von Sprüngen
ans der Earlshvrstcr Reitbahn; der Trabrennsporl aber wird der
Cnlminativuspuukt dieser Ausstellung sein, da er neben deni oben
erwähnten Leibjagdpferd des Kaisers ein vom Kaiser selbst ge
fahrenes Dogcart mit ausgestopftem Pferde und Groom in Ori
ginalausrüstung bringen wird. Ferner wird eine Collection her
vorragender Ehrenpreise zu sehen sein, und hier ist es wieder
der Kaiser, der aus seinem Besitz bereitwillig mehrere herrliche
Prunkstücke, die zum Theil freilich auch aus Cowes stammen, zur
Verfügung gestellt hat, uud gleich ihm hat sich auch der Prinz
von Wales erboten, ihm gehörige Ehrenpreise einzusenden. Als
Embleme sind für diesen Theil die Gestütsbrände in Flaggenform
gedacht, eine Ausschmückung, die wohl mit Recht als eine sinnige
und glückliche bezeichnet werden kann.
Den Wassersport wird vor Allem ein vollständig aufgetakeltes
Originalsegelboot rcpräsentiren, zu welchem in Modellen eine Eot-
lectiou von Schiffen und Theile der hierher gehörigen Industrie
kommen. Der Jagdsport erhält wieder durch die Munificcnz des
Kaisers eine besonders glänzende Vertretung, da ein Theil der
Kaiserlichen Gewcihsammlnng, welche bekanntlich die werthvollstcn
Stücke enthält, zu sehen sein wird. Auch von anderer Seite sind
mehrfach Geweihe angemeldet, und die Firma Otto Bock, Berlin,
Kronenstraße, sowie Wiehert, Regensburg, werden durch Vorführung
der Kronen-Jndustrie und höchst kunstvoll componirtc Gruppen aus
gestopfter Thiere sich unbedingt den Dank vieler Besucher erringen.
Die eigentlichen für die Jagd bestimmten Gegenstände haben da
gegen des leidigen Raummangels wegen etwas zurücktreten müssen.
So hat man deshalb die sämmtlichen großen Gewehrfirmen, wie
Locwe & Co. rc., in andere Abtheilungen gewiesen, und es werden
l»er nur die der Jagd direct dienstbaren Gewehre, Waffen und
Munition zugelassen.
Während bisher also augenscheinlich die Decoratio» mehr im
Vordergründe steht, dürfte in der Ausstellung für Radfahrsport die
industrielle Seite die überwiegende sein. Dieser Sport hat einen
vcrhältnißmäßig sehr großen Raum belegt, entsprechend seiner täglich
wachsenden Popularität und Zukunftsstellung, da er allein seiner
Billigkeit wegen auch den Arbeiter-Massen zugänglich ist. Ma
schinen aller Gattungen und Cvnstrnctionen sind angemeldet, und
der Liebhaber wird eine Menge des Interessanten und Neuen sindcn.
Doch nicht nur das Rad, auch die Kleidung des Radfahrers sucht
man ja täglich zweckmäßiger zu gestalten, und diesen Beweis wird
die für alle Zweige des Sports sehr zahlreich vertretene Beklei
dungs-Industrie auch speciell für den Radfahrsport zu erbringen
wissen. Von den Ausstellern in dieser Branche möchten wir schon
heute die Firma Benedikt in der Leipzigerstraße nennen.
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