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Volume Nr. 5, 29. Februar 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten (Public Domain) Issue1896 (Public Domain)

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(Offtcidic A«ssteUu«gs -Uachvichtrn. 
Tie Beleuchtung der Mittelhalle erfolgt durch hohes Seitenlicht, 
diejenige der Seitenhallen durch direktes Oberlicht. Tie Anlage bes 
nördlich anschließenden Gebäudes der Gruppe für Bau- und 
Jngenieurwesen mag einer besonderen Beachtung vorbehalten 
bleiben, wie so manche decorative Einzelheit des Innern, deren 
Entwurf oder Modellirung jetzt erst im Werden begriffen ist. 
Bei dem Rückgang zur Vorhalle erfreut der ivcchselvolle Fern 
blick in die große Kuppel und weiterhin ins Freie, sowie die ge 
schickte Wirkung des Raumes, die namentlich beim Eintritt vom 
See her eine überraschende Steigerung erfährt. — 
Von der Vorhalle treten wir nunmehr nicht direct hinaus 
in die duftenden Anlagen des Ziergartens; wir biegen »ach einem 
kurzen Blick auf die prächtige Scenerie des Neuen Sees seitwärts 
ein und gelangen aus der offenen Arkade durch breite stattliche 
Portale in die kühlen, an die Kreuzgänge der alten Klöster er 
innernden Wandelhallen, an die sich die dem Postverkehr, dem 
Arbeitsausschuß, der Presse und mannichfachen anderen Zwecken 
gewidmeten schönen Räume anschließen. Während die Besucher 
des Cafe Bauer von der offenen Halle her den Blick in den Park 
genießen, herrscht auch in den übrigen Gewölbe» ein reges Leben. 
Hunderte von Blättern liegen in den hellen Lesesälen aus, in 
Stangen's Rciscbureau drängen sich Angehörige aller Nationen, 
eine bekannte Auskunftei befriedigt in liebenswürdigster Art die 
geheimsten Anfragen und am Ansgang thront Georg Stilke, der 
Beherrscher von achtzig Kiosken für den Verkauf von Zeitungen 
und anderen lcsenswcrthen Dingen. 
Hochbefriedigt beenden wir den interessanten Rundgang, der 
natürlich noch erheblich an Reiz gewinnen wird, wenn das Ge 
bände seiner Bestimmung übergeben ist, wenn tausende von Aus 
stellern dadrinnen die Erzeugnisse heimischer Kunst, und heimischen 
Fleißes uns vorführen und ein vielsprachiges Publikum wie ein 
Bienenschwarm in den Gängen sich daherschiebt. P. Walle. 
Die Sport-Ausstellung. 
Von Dr. K. Beerwald. 
Tie Sportausstellnng hat im Iischcreigebüude leider nur einen 
vcrhältnißmäßig geringen Raum zur Verfügung erhalten können, 
und cs ist ihr dadurch eine Beschränkung auferlegt, die wesentlich 
ihren Charakter beeinflussen wird. Viele Angebote, besonders von 
industrieller Seite, mußten zurückgewiesen werden; aber während so 
das Decorative in den Vordergrund tritt, verspricht der Gesammt- 
cindruck des Ganzen sich um so efsectvoller uud künstlerischer zu 
gestalten. Freilich, die Mühe und Arbeit, die unter diesen Um 
ständen die Zusammensetzung erfordert, ist groß, und es ist kein 
banales Lob, wenn wir des Eifers und ausdauernden Fleißes ge 
denken, mit dem der Ausschuß der übernommenen Aufgabe zu 
genügen sucht. Besonders ist es Sc. Excellenz der Herr General- 
lieutenant v. Podbielski, der trotz seiner zahlreichen Geschäfte im 
Reichstage doch auch für dieses Amt die nöthige Zeit zu gewinnen 
weiss, und zwei treue Helfer sind ihm die Herren Oberstallmeistcr 
Graf Wedel, Architekt Hofacker und last not least Herr 
Mosino. Wie so oft ist es auch hier der Schriftführer, der 
ganz besonders in die Bresche treten muß, und wer die treue Pflicht- 
ivaltnng des Herrn Morino zu beobachten Gelegenheit hatte, 
ivird ihm gewiß die wohlverdiente Anerkennung nicht versagen. 
Ueber das, was wir in dieser Gruppe zu erwarte» haben, 
läßt sich ein abschließendes Bild heute noch nicht geben, und vor 
Allem sind die Details immer noch Schwankungen unterworfen. 
Aber auch die groben Contoureu, welche allein zu zeichnen heute 
möglich ist, dürften bereits zur Evidenz den Beweis liefern, daß die 
Sport Ausstellung gewiß nicht den übrigen Gruppen nachstehen 
ivird, vielmehr sogar sehr leicht ein ganz hervorragender An 
ziehungspunkt des Ganzen werden dürste. Nicht unwesentlich trägt 
dazu die rege Theilnahme Sr. Majestät des Kaisers bei, der nicht 
nur in huldvollster Weise den an ihn hcrangctrctcnen Gesuchen 
entsprochen, sondern sogar über dieselben hinaus aus eigener 
Initiative Anordnungen getroffen hat. Denn daß der Besucher 
unter vielem Andere» auch das Leibjagdpferd, welches der Kaiser 
auf der in Berlin so überaus populaire» Hubertusjagd zu reiten 
pflegt, vollständig gezäumt und im Momente des Abrcitcns dar 
gestellt in vollkommen genauer Nachbildung finden wird, dazu 
dürfte die Idee allein vom Kaiser ausgegangen sein, und ihm in 
erster Linie der Dank geschuldet werden. 
Doch gehen wir der Reihe nach. 
Eine Serie von 10 etwa 12 Meter langen Bildern, gemalt 
von Koch, werden die Friese der Austellnngsrünmc einnehmen und 
uns den deutschen Sport, beginnend mit der Zeit der Sage, in 
seinen hauptsächlichsten Entwicklungsstadien vorführen. Da werden 
sich nebe» dem Walkürenritt die weiten Flächen der Rennbahnen 
von Karlshorst, Westcnd und Hoppegarten ausdehnen; zu dem 
Wickingerschisf gesellt sich die elegante Dacht neuester Constrnction, 
und der wilden Jagd hinter dem ungefügen Auerochsen tritt die 
moderne Treibjagd gegenüber, wo viele Hunde des armen Meisters 
Lampe Tod sind. Auch der Radfahrsport wird nicht vergessen 
werden, freilich ohne ihm ein Pendant aus den Tagen unserer 
Altvordern :c. zu geselle», und auf den Jagd- und Rennplatzbildcrn 
werden wir die markantesten Persönlichkeiten des Rcnnsports 
portraitirt finden. 
Die Sportausstellung selbst setzt sich zusammen aus vier Unter 
abtheilungen: dem Fahr- uud Reitsport, dem Wassersport, dem 
Jagdsport und dem Radfahrspvrl, indem die Abtheilung für Luft 
schiffsport leider hat ausfallen müssen, da die diesbezüglichen Be 
mühungen des Herrn Prof. Aßmann erfolglos blieben. Im Fahr- 
nnd Reitsport wird der Flachrennspvrt durch ausgestopfte Imi 
tationen berühmter Rennpferde und durch Reitzeug, für welch' letzteres 
mehrere industrielle Aussteller vorhanden sind, seine» Ausdruck 
finden, der Hindernißsport durch Borsührnng eines Pferdes mit 
eompletcr, rennmäßiger Adjustirung und Modelle von Sprüngen 
ans der Earlshvrstcr Reitbahn; der Trabrennsporl aber wird der 
Cnlminativuspuukt dieser Ausstellung sein, da er neben deni oben 
erwähnten Leibjagdpferd des Kaisers ein vom Kaiser selbst ge 
fahrenes Dogcart mit ausgestopftem Pferde und Groom in Ori 
ginalausrüstung bringen wird. Ferner wird eine Collection her 
vorragender Ehrenpreise zu sehen sein, und hier ist es wieder 
der Kaiser, der aus seinem Besitz bereitwillig mehrere herrliche 
Prunkstücke, die zum Theil freilich auch aus Cowes stammen, zur 
Verfügung gestellt hat, uud gleich ihm hat sich auch der Prinz 
von Wales erboten, ihm gehörige Ehrenpreise einzusenden. Als 
Embleme sind für diesen Theil die Gestütsbrände in Flaggenform 
gedacht, eine Ausschmückung, die wohl mit Recht als eine sinnige 
und glückliche bezeichnet werden kann. 
Den Wassersport wird vor Allem ein vollständig aufgetakeltes 
Originalsegelboot rcpräsentiren, zu welchem in Modellen eine Eot- 
lectiou von Schiffen und Theile der hierher gehörigen Industrie 
kommen. Der Jagdsport erhält wieder durch die Munificcnz des 
Kaisers eine besonders glänzende Vertretung, da ein Theil der 
Kaiserlichen Gewcihsammlnng, welche bekanntlich die werthvollstcn 
Stücke enthält, zu sehen sein wird. Auch von anderer Seite sind 
mehrfach Geweihe angemeldet, und die Firma Otto Bock, Berlin, 
Kronenstraße, sowie Wiehert, Regensburg, werden durch Vorführung 
der Kronen-Jndustrie und höchst kunstvoll componirtc Gruppen aus 
gestopfter Thiere sich unbedingt den Dank vieler Besucher erringen. 
Die eigentlichen für die Jagd bestimmten Gegenstände haben da 
gegen des leidigen Raummangels wegen etwas zurücktreten müssen. 
So hat man deshalb die sämmtlichen großen Gewehrfirmen, wie 
Locwe & Co. rc., in andere Abtheilungen gewiesen, und es werden 
l»er nur die der Jagd direct dienstbaren Gewehre, Waffen und 
Munition zugelassen. 
Während bisher also augenscheinlich die Decoratio» mehr im 
Vordergründe steht, dürfte in der Ausstellung für Radfahrsport die 
industrielle Seite die überwiegende sein. Dieser Sport hat einen 
vcrhältnißmäßig sehr großen Raum belegt, entsprechend seiner täglich 
wachsenden Popularität und Zukunftsstellung, da er allein seiner 
Billigkeit wegen auch den Arbeiter-Massen zugänglich ist. Ma 
schinen aller Gattungen und Cvnstrnctionen sind angemeldet, und 
der Liebhaber wird eine Menge des Interessanten und Neuen sindcn. 
Doch nicht nur das Rad, auch die Kleidung des Radfahrers sucht 
man ja täglich zweckmäßiger zu gestalten, und diesen Beweis wird 
die für alle Zweige des Sports sehr zahlreich vertretene Beklei 
dungs-Industrie auch speciell für den Radfahrsport zu erbringen 
wissen. Von den Ausstellern in dieser Branche möchten wir schon 
heute die Firma Benedikt in der Leipzigerstraße nennen.
	        
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