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Periodical volume Nr. 48, 4. Juni 1896

Full text: Officielle Ausstellungs-Nachrichten Issue 1896

Officielle Ausstellungs- Nachrichten. 13 
Messer geschoben und gelangen auf der anderen Seite fertig zu 
bereitet heraus. An Stelle des glatten Hobelmessers kann auch ein Kelil- 
hobelmesser zum Herstellen leistenförmiger Verzierungen u. s. w. an- 
geschraubt werden, wodurch die Maschine den Charakter eines Kehlhohels 
erhält. Die nächste der zur Holzbearbeitung dienenden Maschinen wollen 
wir uns bei der Firma E. Uhlmann näher betrachten. Es ist dies 
die sogenannte Fraisemaschine, welche dazu dient, die Ränder 
bearbeiteter Bretter leistenförmig abzurunden, wie wir dies an den 
vorstehenden Kanten bei Kleider- und Wäsehespinden gewöhnt 
sind, oder Fugen, Ruthen, das Abplatten von Thürfüllungen her 
zustellen. Die Maschine wird durch eine auf eisernem Untergestell 
ruhende Tischplatte gebildet, aus deren Mittelpunkt die sogenannte 
Fraisepindel hervorragt. Diese, durch eine kreisrunde Platte dar 
gestellt, wird durch eine Zahnradübertragung von unten in schnelle 
rotirende Bewegung versetzt und ermöglicht es mit ihrem feilen 
förmig gerippten Rand dem zu bearbeitenden Holzrand die ge 
wünschten Formen zu geben. Mit dieser Maschine werden beispiels 
weise auch die bekannten Falzen hergestellt, durch welche zwei 
Bretter dauerhaft mit einander in Verbindung gebracht werden 
können. 
Ferner kommen die sogenannten Pendelsägen in Betracht; 
dieselben werden durch Kreissägen, die an einem pendelförmig 
hängenden Träger befestigt sind, gebildet. Während bei den 
gewöhnlichen Kreissägen das Holz gegen die Zähne des Sägeblattes 
geführt wird, ist dies bei den Pendelsägen umgekehrt. Das Holz 
liegt fest und die Säge wird durch dasselbe hindurch 
geführt. Der Antrieb erfolgt durch Riemenübertragung von 
einer in der Pendelachse angebrachten Transmissionswelle aus. 
Neben dieser von der Firma Hirsch & Co. gefertigten Maschine 
interessiren die Trennband- und Trennkreis-Sägen. Dieselben sind 
im Grossen und Ganzen genau wie gewöhnliche Band- und 
Kreissägen gefertigt. Nur haben sie auf dem Anlegetisch eine neben 
dem Sägeblatt befindliche oder dasselbe vielmehr von beiden Seiten 
einrahmende Vorrichtung, welche es ermöglicht, Bretter u. s. w., 
welche bereits zugeschnitten waren, weiter zu trennen, d. h. zwei 
nur halb so starke Bretter aus ihnen herzustellen. Hier finden 
wir weiter die Rundstab-Hobelmaschine. Eine unbearbeitete Holz 
leiste wird durch einen Hohlcylinder geführt, in dessen Innern sich 
Messerchen befinden, welche aus der Leiste einen vollkommen runden 
Stab herstellen. Auch die vorhandene Kehlhobelmaschine verdient 
Beachtung. Sie ist im Allgemeinen wie eine gewöhnliche Hobel 
maschine hergestellt, hat aber statt des einfachen glatten Messers 
ein sogenanntes Kehlmesser, welches die Formen der fertigzustellenden 
Leiste aufweist. Schliesslich sei hier noch eine Holzwolle-Hobel 
maschine erwähnt, welche bezweckt, aus Holzüberresten die für die 
Verpackung von Glas und anderen empfindlichen Sachen allgemein 
im Gebrauch befindliche sogenannte Holzwolle, sehr schmale Ilobel- 
spähne, herzustellen. 
Alle diese bei den vorgenannten Firmen beschriebenen Aus 
stellungsobjecte finden wir dem Princip nach noch einmal in über 
sichtlicher Anordnung auf dem grossen Ausstellungsplatz der Firma 
Fleck & Söhne, jedoch in erheblich grösseren Dimensionen. 
Letzteres ist zum Beispiel bei einigen Horizontal- und Vollgattern 
der Fall. Hieran kommen dann noch die zur Reparatur 
beziehungsweise Instandhaltung der Arbeitsmaschinen dienenden Vor 
richtungen. Insbesondere sind hier die Land- und Kreissägen 
Feil- und Schränkmaschinen nicht zu vergessen. Am leichtesten 
erkennbar ist das Arbeiten dieser zum Schärfen von Kreissägen 
bestimmten Vorrichtung. Auf einer sich langsam vorwärtsdrehenden 
Achse ruht das zu schleifende Sägeblatt. Eine rotirende Schmirgel 
scheibe, mittels Handräder verstellbar, legt sich zwischen die ein 
zelnen Zähne des Sägeblattes und feilt die Kanten und Spitzen 
wieder scharf. Sobald ein Zahn fertig ist, hebt sich die Schmirgel 
scheibe, das Sägeblatt bewegt sich ein Stückchen vor und bei dem 
nächsten Zahn beginnt dieselbe Arbeit. Diese Maschine arbeitet 
vollkommen automatisch, so dass eine stete Bedienung nicht er 
forderlich ist, sondern es nur einer periodischen Kontrole bedarf. 
Die Bandsägen-Feilmaschine beruht auf demselben Princip, nur ist 
hier die Schmirgelscheibe durch eine sich horizontal bewegende 
Feile ersetzt und die Bandsäge läuft um zwei Radscheiben, welche 
sich mit der Feilvorrichtung automatisch bewegen. 
Dieses sind die hauptsächlichsten, der Holzbearbeitung dienen 
den Maschinen. Ich habe nicht die Absicht gehabt, dem Leser 
eine vollkommene Zusammenstellung der ausgestellten Gegenstände zu 
bieten, sondern will nur durch eine genauere Beschreibung der 
verschiedenen Hauptconstructionen dem Laien das Verständniss der 
ausgestellten Maschinen, welche für das praktische Leben von so 
hoher Bedeutung sind, erleichtern helfen. 
J. Gustavus. 
Oie Vorträge in der Ausstellung. 1 
[Abdruck untersagt.] 
Kunst und Hygiene im Wohnhause. 
Seitdem die wissenschaftlichen Vorträge im Hörsaal des 
Chemiegebäudes unentgeltlich abgehalten werden, ist der Be 
such plötzlich ein weit ausgiebigerer geworden und die Herren 
Redner haben nicht mehr nöthig, vor leeren Bänken zu 
sprechen. 
Herr Geheimrath Professor Leasing, der ebenfalls 
vor dichtgefülltem Saal sprach, ist als ausgezeichneter Redner 
längst bekannt und auch diesmal wieder beherrschte er in 
seinem Vortrag : „Kunst und Hygiene im Wohnhause“ Stoff 
und Ansdrucksform mit jener spielenden Leichtigkeit, die 
sofort den so wünschenswerthen innigen Rapport zwischen 
dem Vortragenden und seinen Hörern herstellt. Vielen, so 
führte der Redner aus, mag die Verbindung von Kunst und 
Hygiene nicht recht fasslich erscheinen und erstaunt mögen 
sie sich die Frage vorlegen, was die beiden eigentlich mit 
einander zu thun haben. Es sind zwei Begriffe, die anschei 
nend gänzlich auseinander gehalten werden müssen, da der 
eine lediglich Sache des Geschmacks, der andere Sache der 
Zweckmässigkeit ist, was den Hygieniker in dem Gefühl, 
dass seine Wissenschaft nur praktischen Zielen dient, häufig 
veranlasst, mit einer gewissen Verachtung auf den Künstler 
herabzusehen. Allein, näher betrachtet, ist es erstaunlich, 
was wir künstlerisch in unserem Haus Alles in Zusammen 
hang mit den Anforderungen der Hygiene, bringen können, 
um uns das Lehen bekömmlich, erträglich und behaglich 
zu machen. In geistvoller Weise führte, der Redner aus, 
wie von jeher die historischen Stilarten aller Völker nicht 
lediglich Sache des Geschmacks waren, sondern auch durch 
nationale Eigenart, Klima und geographische Lage gewisser- 
maassen hygienisch beeinflusst wurden und welche, grosse 
Rolle beim Stil z. B. die Unbill des Wetters, Hitze sowohl 
wie Kälte, spielte. Man sehe sich nur ein Haus von Pompeji 
oder Herculanum an. Die Fenster der Schlafzimmer sind 
enge, vergitterte Löcher, allein sie wehrten dem übermässigen 
Eindringen der Sonnengluth und gaben doch genügend 
Licht, da der Besitzer sich fast den p-anzen Tag im Freien 
aufhielt, des Nachts aber bei offener Thüre auf Matratzen 
schlief. Der Orientale benutzt mit Vorliebe zu diesem Zweck 
das flache Dach seines Hauses und je mehr wir uns dem nörd 
lichen Klima nähern, desto auffallender ändern sich Stil und 
Bauart, immer den lokalen Verhältnissen und der Lebens 
weise entsprechend. So verschieden uns auch die Baustile 
erscheinen mögen, in einem sind sie alle gleich — ihr Ge- 
sammttypus ist bedingt durch die klimatischen culturellen 
und socialen Verhältnisse. Wir in Berlin haben beispiels 
weise ein ganz bestimmtes Bauschema, ein Resultat desselben 
ist u. A. das Berliner Zimmer. Gewöhnlich doppelt so gross, 
wie die übrigen, gestattet es die Aufstellung von Möbel 
stücken, die niemals in einem jener engen Pariser Zimmer 
frie die dortige Bauart sie bedingt, Platz fänden. Wenn wii 
in unseren vornehmen Vierteln heute Prachtbauten bewun 
dern, die in ihrer Aeusserlichkeit den Eindruck machen, 
als seien sie ganz anders als unsere bürgerlichen Mieths- 
häuser, so beruht dies auf Täuschung. Mögen sie nun im 
orientalischen, altdeutschen, Rocoeo- oder sonstweichem Stil 
gebaut sein, in ihrer inneren Ausgestaltung fügen sie sich 
stets ganz bestimmten Verhältnissen, und es kommt nicht da 
rauf an, oh Fenster und Thüren Rund- oder Spitzbogen auf 
weisen. Das ist auch ganz natürlich. Denn wenn Jemand 
auch in die Lage käme, sich ein vollständig altes Haus zu 
bauen, so würde er jedenfalls sofort entdecken, dass er Rai
	        
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