Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

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Offizielle Ausstellung^ -Uachrichten
»
C. D. Koblenz^ 21. Februar. Ehe die tollen Tage des Prinzen
Karneval zn Ende sind, kommt es bei uns am Rhein selten vor, das;
andere Angelegenheiten ernsthaft besprochen oder gewürdigt werden. Das
erfahren wir täglich an den Aufführungen in unserm Stadttheater und
auch bei den größeren Concertveranstaltungen. Nach den ersten Bekannt-
inachungen über die Berliner Gewerbe - Ausstellung wurde das Unter-
nehmen in unsern Gesellschaftskreisen eifrig besprochen. Das Thema
fand noch größere Beachtung, als im December das originelle Placat
„der Hammer mit der Hand" erschien. Gerade in unserer Stadt
wird vielfach der Besuch der Ausstellung neuerdings wieder besprochen.
Es wird zwar von unsern Industriellen bedauert, daß nur Berliner Er
zeugnisse dort vorgeführt werden, aber dennoch herrscht in den maßgebenden
Kreisen ein warmes Jntereffe. Ich kenne einige Fabrikanten, welche ihre
Werkführer angespornt haben, mit den Arbeitern Reisekassen zn gründen,
um die Fahrt nach Berlin diesen zu ermöglichen.
R. 8. Danzig, 20. Februar 1896. Je näher der Termin für die
Eröffnung der Berliner Gewerbe-Ausstellung heranrückt, desto mehr steigert
sich das Interesse für dieselbe bei unserer Einwohnerschaft. Sämmtliche
hier erscheinenden Zeitungen aller Parteirichtungen bringen ausführliche
Nachrichten über den Fortgang der Arbeiten, die einflußreichste hier ani
Orte erscheinende Zeitung, die „Danziger Zeitung", hat sogar die Bauten
durch Clichäs erläutert. Die Ausstellung wird jedenfalls von sehr vielen
Danzigern besucht werden und es dürfte wohl jeder seine Erholungs- oder
Vergnügungsreise so einrichten, daß er einige Zeit zum Besuch der Aus
stellung in Berlin verweilt. Außerdem worden die billigen Preise und
die erhöhte Giltigkeitsdauer der Retourbillets viele Leute veranlassen, einen
Ausflug zur Besichtigung der Ausstellung zn unternehmen.
C>. Görlitz, 21. Februar. Seitdem im Jahre 1886 Hierselbst eine
in größerem Stil angelegte, von ganz Deutschland beschickte Gewerbe- und
Industrie-Ausstellung stattgefunden, der im Grunde genommen Görlitz
seinen Anfschwüng im letzten Jahrzehnt zu verdanken hat, ist das Interesse
für die Bestrebungen auf dem Gebiete des Handels, des Gewerbes und
der Industrie hier ein besonders reges geworden und man nimmt jede
Gelegenheit wahr, Veranstaltungen, welche der Förderung jener Zweige
des Verkehrs gewidmet find, seien sie im Inlands oder Anslande, nach
Kräften zn unterstützen. So war es auch, als der Gedanke, in Berlin
eine Gewerbe-Ausstellung ins Leben zu rufen, greifbare Formen annahm;
denn nicht nur im Gewerbeverein mit seinen 800 Mitgliedern, auch im
kaufmännischen Verein, sowie in den Kreisen der Bürgerschaft, die diesen
Eorporationen nicht angehört, wurde das Projekt lebhaft erörtert und fand
eine wohlwollende Beurtheilung. Daß der Besuch der Ausstellung von
Görlitz aus ein sehr reger sein wird, brauche ich Wohl nicht erst zu ver
sichern, trotzdem wenig Aussicht vorhanden ist, daß die Berliner Eifenbahn-
Direction den berechtigten Wünschen des hiesigen Publikums wegen Ein
stellung eines Schnellzuges der Strecke Berlin-Görlitz via
Kottbns Rechnung trägt. Gerade dieser Umstand würde geeignet ge
wesen sein, die Frequenz aus der preußischen und sächsischen Oberlausitz
um ein Bedeutendes zu erhöhen. Bis jetzt habe ich hier von der Berliner-
Ausstellung nur Gutes sprechen hören; man ist' aber der Meinung, der
Andrang der Besucher würde von allen Seiten so groß sein, daß es
Schwierigkeiten verursache, in Berlin Quartier zu erhalten; dieses Be
denken scheint doch wohl nicht ganz unberechtigt zu sein. (Diese Be
fürchtung ist durchaus unbegründet. Die Redaction.)
S
K—e Dessau, 28, Februar. Wohl selten ist eine Ausstellung in
Unserem Anhalt schon vor ihrem Beginn so viel besprochen worden, wie
die diesjährige Berliner Gewerbe-Ausstellung. Die öftere Besprechung der
Ausstellung in den hier viel gelesenen größeren Berliner Zeitungen, die
überall ausgehängten Ausstellungs-Placate u. s, w, hoben sehr dazu beige
tragen, die Ausstellung in allen Kressen gewissermaßen populair zu machen.
Ihr Besuch gilt bei der Nähe des Ausstellungs-Ortes und der nicht un
günstigen Eisenbahn-Verbindung für Jeden als beschlossene Sache, der eine
etwa dreitägige Reise-ermöglichen kaun. Auch von denjenigen, welche ge
wöhnt sind, alljährlich eine größere Reise zu unternehmen, ist ein Besuch
der Ausstellung, der Stadt Berlin und ihrer Umgebung, welche von der
Ausstellung nicht minder Vortheil haben dürfte, für mehrere Tage in den
Reiseplan aufgenommen worden. Die Erwartungen, welche man allerseits
an die Ausstellung knüpft, sind aber auch nicht geringe. Die Einen er
warten von dem Besuch der Ausstellung eine wesentliche Bereicherung ihrer
Fachkenntnisse, und die Anderen, und dies ist der große Theil, erwartet
neben dem Vortheil, den eine Anschauung der Ausstellung für Jeden mit
sich bringt, vor Allem reichliche Gelegenheit zu Vergnügungen in und um
Berlin. Bestätigt es fich, daß zum Besuch der Ausstellung eine Ermäßi
gung der Fahrkarten-Preise nach Berlin eintritt, so steht fest, daß die Aus
stellung von hier nicht nur einen regen, sondern auch einen sehr starken
Besuch zu gewärtigen hat.
0. Marburg in Hessen, 24. Februar. Trotzdem man, abgesehen
von den speciell intereffirten Kreisen, von der demnüchstigen Berliner Ge
werbe-Ausstellung noch nicht viel mehr weiß» als daß sie stattsindet, bringt
man derselben hierorts ein reges Interesse entgegen. Letzteres ist geweckt
durch die ab und zu in den Zeitungen erscheinenden Notizen über diese
oder jene Ausstellungsgegenstände, diesen oder jenen Erfolg in der Technik,
der auf der Ausstellung zu bewundern sein wird, und nicht zum Mindesten
durch jene Circulare, welche jetzt von verschiedenen Berliner Bureaux
hinausgeschickt werden in's ganze Reich, und welche auch nach hier ihren
Weg gefunden haben. Die Aussicht, die jene Bureaux geben, für sechs
bis zehn Mark täglich incl. Wohnung und Verpflegung auch jeden Tag
die Ausstellung besuchen zu können, für alle dortigen Sehenswürdigkeiten
freien Eintritt zu haben und auch noch anderweite Genüsse der Großstadt
geboten zu erhalten, haben in Manchem den Wunsch rege gemacht, diese
billige Gelegenheit zu benutzen, nicht nur die Ausstellung zu besuchen,
sondern hierbei auch zugleich die Reichshauptstadt und das Leben in ihr
kennen zn lernen, das die Meisten in hiesiger Gegend - schon angesichts
der großen Entfernung — nur vom Hörensagen zu beurtheilen wissen.
Aber alles dieses würde Viele, besonders weniger Bemittelte, schon in An
sehung ihres Vermögenszustandes auch noch nicht in die Lage versetzen
können, die Ausstellung zu besuchen, wenn nicht auch seitens der preußischen
Eisenbahnverwaltungen die Ermäßigungen hinsichtlich des Fahrpreises ge
macht werden. Der Gedanke, von hier, bis Berlin und zurück 3. Klasse
für ca. 12 Mark fahren zu können, dort fünf Tage zu verweilen und da-
Ganze für ca. 60 Mark genießen zu dürfen, wird sehr Viele veranlassen,
zn sparen, um einmal Berlin und seine Ausstellung zn sehen und dort
Erinnerungen zu sammeln, die für das ganze Leben vorhalten.
M. Rostock, im Februar 1896. Was man von der Berliner Ge
werbe-Ausstellung 1896 hierorts hält? Was man über dieselbe spricht?
— Diese Fragen sind mit kurzen Worten leicht zu beantworten: Man
hält sehr viel davon und man spricht sehr wenig darüber. Sind
wir Norddeutsche überhaupt nicht gerade gesprächiger Natur, so muß uns ein
Ding erst zeitlich mehr auf den Leib gerückt sein, damit es unser Interesse
derartig erregt, daß das Gespräch sich darum dreht. Das wird schon kommen:
aber daß man von der Ausstellung etwas hält, daß man sich eifrig durch
Besuch daran betheiligen ivird, darf als sicher angesehen werden. Sind
doch alle früheren derartigen Veranstaltungen in der Reichshauptstadt hier
mit eifrigem Interesse verfolgt worden. Seitdem durch die Bahn des
Deutsch-Nordischen Lloyd Rostock an die Reichshanptstadt herangerückt er
scheint, so daß sein Hafenort Warnemünde in der Badesaison als eine Art
.Vorort von Berlin erscheint, benutzt der Rostocker gern die Gelegenheit,
welche ihn nach Berlin führt. Besonders steht es außer allem Zweifel,
daß in den gewerblichen Kreisen, die hierorts sehr rege sind, die Ausstel
lung auf Interesse und Förderung rechnen darf. Gerade in diesen Kreisen,
welche von der letzten hier abgehaltenen Mecklenburger Gewerbe- und In
dustrie-Ausstellung her den Nutzen solcher Veranstaltungen kennen, wird
man das in größerem Rahmen Gehaltene sich nicht entgehen lassen.
Schon die in der „Rostocker Zeitung" mehrfach erfolgten Hinweise
sind in betheiligten Kreisen immer aufmerksam verfolgt worden. Biel
haben auch die bekannten Siegelmarken des Ausstellungs-Comitee's dazu
gewirkt, den Blick ans das Unternehmen zu lenken. Es ist kein Zweifel,
daß, wenn die Zeit da ist, man hier auch von der Ausstellung sprechen
wird, welcher man schon die Gedanken zuzuwenden beginnt.
Ausstellung
Das Hauptmdustriegelriiube.
So gut wie jede Stadt ihr Wahrzeichen hat, soll man auch
in jeder Ausstellung etwas finden, das ihr gerade im Gegensatz
zu ähnlichen Veranstaltungen ein in die Angen springendes eigen
artiges Gepräge giebt. Bei der Berliner Ausstellung ist es ohne
Zweifel das Hauptgebäude, das mit seiner glänzenden Kuppel
zwischen hochragenden, schlanken Thürmen von fernher als charakte
ristischer Umriß dem Wanderer die Stätte des gewerblichen Wett
kampfes kündet.
Nach dem großen Zauber von Chicago ist es fiir die Berliner-
Architekten keineswegs eine leichte Aufgabe gewesen, mit verhältniß-
mäßig geringen Mitteln an eine Reihe von Schöpfungen heran
zugehen, denen ohnehin durch einen werthvollen Baumbestand die
Freiheit der Bewegung beschnitten war. Nach der cndgiltigcn
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