Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

Officielle Ausstellungs-Nachrichten.
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Scheinwerfer, der auf dem Wasserthurm des Hauptrestaurants
ausgestellt und die Umgegend meilenweit beleuchten wird, erhält
von diesen Kraft-Stationen Strom für sein Licht von 20 000
Kerzen Stärke.
Die Deutsche Colonial-Ausstellrmg.
Die Teutsche Colonial-Ausstellung wird einer der Hauptanziehungs
punkte der Berliner Gewerbe-Ausstellung werden und scheint berufen,
nicht nur das Interesse, sondern auch das Verständniß für die
deutschen Colonieeu in den breitesten Schichten der Bevölkerung zu
wecken. Sie beginnt südlich vom Karpfenteich in der Südostecke des
eigentlichen Ausstellungsparkes und zieht sich hinüber nach dem süd
lichen Theil des Vergnügungsparkes.
Betritt man von Westen die Ausstellung, so gelangt man zu den
Hütten der Eingeborenen von Togo und Kamerun. Es werden
im Ganzen ungefähr 100 Eingeborene (Männer, Weiber und Kinder)
aus West-, Südwest-, Ost-Afrika und Neuguinea zur Ausstellung nach
Berlin gebracht. Für diese lebendigen Ausstellungsobjecte wird ganz
besondere Vorsorge getroffen. Die Eingeborenen werden in heizbaren
Baracken wohnen und in ihren Hütten am Südufer des Karpfenteichs
nur tagsüber sich aufhalten. Für das leibliche und geistige Wohl dieser
fremden Gäste bildet sich ein besonderes Wohlfahrtscomitee, dein
außer einer Anzahl von Aerzten Danien verschiedener Frauen- und
Wohlthätigkeitsvereine, höchstwahrscheinlich auch Ihre Excellenz die
verwittwete Admiral Frau Gräfin» o n Monts angehören wird.
Die Eingebogenen werden täglich auf ihren Gesundheitszustand ärztlich
untersucht, und der Bereitung ihrer Nahrungsmittel, ihrer Körperpflege
wird von dem Wohlfährts-Comitee ganz besondere Aufmerksamkeit
gewidmet werden.
Oestlich von den Hütten der Kameruner liegt die große ostafri
kanische Tembe Q u i k u r r u qua S i ck i. Das Original dieser
Tembe hat der Vorsitzende des Arbeitsausschusses der Teutschen
Coloninlausstellung Graf Schweinitz als Führer einer ostafrikanischen
Expedition mit seinen Truppen zum ersten Male erstürmt. Die hohen
Palissaden, die sich an das fortähnliche, aus lufttrockenen Ziegeln
errichtete Mauerwerk mit Schießscharten anschließen, machten diese
Tembe zu einer der stärksten fortificatorischen Anlagen der Ein
geborenen in Ostafrika. (Eine Tembe ist ein befestigtes Dorf, das mit
Wall und Palissaden umgeben ist. Im Schutze des Walls befinden sich
die Hütten der Eingeborenen.)
Südöstlich von dieser Negertembe wird eine Arabertembe
errichtet, wie sie von den arabischen Händlern in Ostafrika benutzt wird.
Der Karpfenteich wird ein ganz besonders anziehendes Bild während
der Ausstellung bieten. An seinem südöstlichen Ufer liegen die Canoes
der Eingeborenen von Kamerun, Togo, Ostafrika und Neuguinea. Das
größte Boot ist ein Kriegsfahrzeug von 32 Rudern, welches vom
Victoria Nyanza in Ostafrika nach Berlin gebracht wird. Es werden
Canoewettfahrlen der Eingeborenen auf dem Karpfenteich veranstaltet.
Nördlich von der Arabertembe, dicht am Ufer des Karpfenteichs,
liegen die äußerst malerischen Hütten der Eingeborenen von Neu
guinea, unter ihnen ein Junggesellenhaus, ein Haus für Wittwen,
ein Haus für Verheirathete.
Von dem südliche» Theil des Vergnügungsparkes, in dem sich die
Fortsetzung der Colonial-Ausstellung befindet, ist der Theil am Karpfen
teich durch die Park-Allee ' getrennt. Ueber die Park-Allee führt eine
Bogenbrücke, deren architektonisches Motiv aus.Zanzibar entnommen
ist. An die Bogenbrücke schließt sich ein Stück der Stadtmauer von Zanzibar
mit den charakteristischen, tonnenartigen Thürmen, und südlich von dieser
Mauer liegt eine große Anzahl von Bauten, von Moscheen, Wohn
häusern und Bazaren, wie sie in Zanzibar zu finden sind. Dicht neben
den alterthümlichen Gebäuden von Alt-Berlin wird sich also an dieser
Stelle der Ausstellung auch ein Stück Zanzibar erheben. In den
Bazaren dieser Abtheilung werden die deutschen Firmen, welche Import
und Export nach unseren Colonieen treiben, ihre Waaren ausstellen. In
der äußersten nordöstlichen Ecke wird wahrscheinlich ein Garten für
Stranßenzucht, besetzt mit lebenden Straußen verschiedenen Alters,
angelegt. Von Gebäulichkeiten in der „Zanzibar"-Äbtheilung sind noch zu
erwähnen: ein Wissenschaftstempel, welcher alles wissenschaftliche
Material über die deutschen Colonieen enthalten wird, ein Haus des
Auswärtigen Amts, eine Anzahl von Tropenbaracken, für welche eine
Preisconcurrenz ausgeschrieben ist. Da an dem mit üppiger Vegetation
bestandenen Südufer des Karpfenteichs die Hütten der Eingeborenen
von S ü d -W est afr ika nicht den richtigen Platz gehabt hätten, ist
die Untergruppe S ü d - W e st a f r i k a mit Eingeborenen nördlich von
der Zanzibar-Stadtmauer im Südtheil des Vergnügungsparkes unter
gebracht.
Es mag noch erwähnt werden, daß die Eingeborenen den Besuchern
der Ausstellung einmal in anderer Manier vorgeführt werden sollen,
als dies bisher durch die „Karawanen", die nach Deutschland kamen,
geschehen ist. Man >vill die Eingeborenen von ihrer guten Seite
zeigen. Sie werden in den Hütten, am Karpfenteich und nördlich
von der Zanzibar-Mauer ihre einheimischen Arbeiten vorführen. Sic
werden Schmiedearbeiten, das Flechten von Matten, Segeln, .Bast-
stricken u. s. w. zeigen. Hin und wieder werden sie allerdings auch
ein Tänzchen produciren. Doch wird Tanzen, Schreien und Singen
nicht ihre Hauptbeschäftigung wie sonst bei den Karawanen fein.
In der Slldostecke des Theils der Colonial-Ausstellung, der im
Vergnügungspark liegt, wird das halbkreisförmige Restaurant
errichtet.
Der Eintritt in die Colonial-Ausstellung wird voraussichtlich
30 Pfennige kosten. Die Ausstellung wird so großartig und reichhaltig,
daß Jeder, der nur einigermaßen gründlich dieselbe studiren will, zwen
bis drei Tage wird aufwenden müssen.
Die Ausstellung und das Ausland.
Von Alfred Holz bock.
Hand in Hand mit der Entwickelung und Steigerung unseres
modernen Verkehrslebens geht die Propaganda. Sie spielt nicht
nur die Rolle der Anpreiscrin, sondern auch die der Vermittlerin;
sie ist nicht nur für den, der sie treibt, sondern auch für den,
den sie anlocken soll, eine Nothwendigkeit geworden. Die Viel
gliedrigkeit und Ausbreitung unseres Verkehrs mußten natur
gemäß auch auf die Gestaltung der Propaganda ihre Wirkung
ausüben. In dieser Zeit des Erfindens und Ringens, des
manchmal oft zu jähen Hervortretens des Neuen, das vielleicht
morgen schon das Alte ist, des schnellen und rücksichtslosen
Kämpfens auf geschäftlichem und gewerblichem Gebiete mußte
die Propaganda ein nothwendiger Factor lvcrdcn. Wer mit den
Anderen gleichen'Schritt halten, wer 'sie überflügeln will,- wer -
die Aufmerksamkeit auf seine Person, die Theilnahme für seine
Unternehmungen, das Interesse für sein Schaffen finden will,
der ist gezwungen, will er nicht vergessen, nicht übersehen werden,
sich der Propaganda zu bedienen, durch sie zu verkünden, was er
leisten kann, was er erstrebt und bezweckt. Und wenn der
Propaganda Wort, der Kunde Inhalt sich mit den Thatsachen
deckt, wenn Alles das, was sie verspricht, zur unverfälschten
Wirklichkeit wird, wenn sic nicht nur ein lauter, rasch verhallender
Trompctenton ist, dann hat sie ihren Zweck erreicht, nicht allein
für den, der sie in die Welt hinaussendet, auch für den, der sie
beachtet und benutzt.
Was der Werth der Propaganda bedeutet, das haben die
Männer, welche an der Spitze der Berliner Gewerbe-Aus
stellung 1896 stehen, erkannt. Ein in so großartigem Stil an
gelegtes Unternehmen, welches der deutschen Reichshauptstadt Ent
wickelung und Fortschritt auf gewerblichem Gebiete charakterisircn
will, muß naturgemäß die Aufmerksamkeit der Welt auf sich lenken,
kann nur durch die sympathische Theilnahme aller Nationen einen
gedeihlichen und segensreichen Fortgang nehmen. Und darum mußte
der Propaganda ein internationales Gepräge gegeben werden, durfte
sie nicht, trotzdem es sich hier nur um ciue deutsche Ausstellung
handelt, lediglich auf Deutschland beschränkt bleiben. Das
Interesse der Welt muß für die Berliner.Gewerbe-
Ausstellung -1896 erweckt werden, das ist der Zweck, und,
um diesen zu erreichen, wurde als Mittel die Propaganda benutzt.
— Ueber alle Länder hat diese ihr Netz ausgebreitet, in allen
Sprache» macht sie sich geltend, in den Zeitungen des.gesammten
Erdenrunds kündet sic Tendenz, Aussehen und Bedeutung der
Berliner Ausstellung.
Das von dem Redacteur Max Horlvitz geleitete internationale
Preßbureau, das mit den Zeitungen und Fachschriften des Jn-
und Auslandes Conncxionen anzubahnen und aufrecht zu erhalten
hat, bildet die beste Verbindung und Vermittlung zwischen Aus
stellung und Ausland. Das Bureau erfordert in Folge der aus
gebreiteten Agitation, die cs bewerkstelligen muß, eine ganz besondere
Organisation, deren Centrale zwar Berlin ist, deren Zweige jedoch
über die ganze Erde sich erstrecken. Nur mit Hilfe der deutschen
Botschaften und Consulatc konnte das Preßbureau seine Aufgaben
erfüllen, und, da cs bei diesen Behörden durch die warmen Em
pfehlungen des Auswärtigen Amtes ein vcrständnißvollcs Ent
gegenkommen fand, so konnte der Propaganda ein internationaler
Charactcr gegeben lvcrdcn. Das vom Preßbureau zu veröffent
lichende Material lvird i» sieben Sprachen, Deutsch, Englisch,
Französisch, Italienisch, Russisch, Dänisch und Holländisch zu
selbstständigen größeren oder kleineren Artikeln verschiedenartig
bearbeitet,' die je nach der Sprache des Landes den einzelnen
Zeitungen, .direct resp., durch die Botschaften und Consulatc»
welche die betreffenden Aufsätze in einer besonderen Fassung
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