Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

GffirieUe Ausstellung«-Uachrichteu.
der Holzindustrie ein besonderer Anbau an das Hauptgebäude ge
macht worden ist, hat es bei den Entwürfen der Pläne ermöglicht,
gleich auf die weitgehendsten Wunsche der Aussteller der Berliner
Möbel-Industrie Rücksicht zu nehmen. Tie Original-Einrichtung
für den neu zu erbauenden Dampfer des Norddeutschen Lloyd
wird, wie schon erwähnt, in definitive» Arrangements in dem
bereits im Bau begriffenen Schiffskörper selbst Platz finden.
1l— y. Die Gruppe V (Porzellan-, Chamotte- und Glas-
Industrie) hat 29 Aussteller. Die beanspruchte Fläche betrügt 700
Quadratmeter. Herr Fr. E. Große hat in dieser Abtheilung ein massives
Häuschen errichtet, dessen Wände niit Glas-Mosaik belegt werden sollen.
Die Vorprüfung wird in dieser Gruppe sehr strenggenommen, es werden
nur solche Aussteller zugelassen, die in Berlin fabriciren oder ihr Haupt
geschäft hier haben. Dabei ist die Controls hier eine äußerst schwierige,
weil Haus-Industrie mit in Frage kommt. Eigentliche Glasfabrikanten
stellen nur drei aus, die übrigen Aussteller sind „Beredter". Die Gruppe
wird einen besonders glänzenden Eindruck machen: ein Aussteller be
ansprucht allein sechs Kojen. Leider wird die Glasmalerei nur wenig
vertreten sein, da es an passenden Fenstern fehlt; die Halle für Chemie
hat wohl solche, aber das Licht wird durch das Laub der dort befind-
tichen hohen Bäume gedämpft werden.
Aus dem Reich.
M. 8. Frankfurt a. M., 17. Februar. Sie wünschen zu wissen,
wie man in unserer Stadl von Ihrer Ausstellung denkt? Nun, ich will's
Ihnen verrathen! Wir Frankfurter sind keine Provinzialen im landläufigen
Sinne, aber wir sind es in der besten Bedeutung des Wortes. Ein
Provinziale sein heißt aber in dieser Auffassung, ein Mensch sein, der
die Ueberlegenheit der Hauptstadt rückhaltlos anerkennt, ohne des
halb für die Bedeutung seiner engeren Heimath eine Inferiorität ab
leiten zu wollen. Uns Frankfurtern ist von Alters her, namentlich aber
aus den Zeilen, in denen wir noch freie Reichsstädter waren, ein gut Stück
Selbstständigkeit im Urtheil überkommen, und wenn wir unser Urtheil
heute zusammenfassen in das Prognostikon: „Das, lvas Berlin leisten
lvird,ist gut," so gilt dies Provinzialenverdict vielleicht mehr, als
manch' anderes Gutachten vom grünen, und sei es noch so grünen
Tische (oder Schnabel) her. Sie denken vielleicht, das sei wieder
so eine anmaßende Voraussetzung eines der Eingesessenen aus der Kaiser
stadt am Main, von der ihr größter Poet gesungen: „Wie kann
nur e Mensch nit von Frankfurt sein" — und schließlich haben
Sie nicht so Unrecht, denn wir Frankfurter halten gar viel von
unserer „Vaterstadt" und ihrem Urtheil. Aber da dies Urtheil nun
einmal so günstig für Ihr schönes Spreeathen lautet, so verzeihen Sie
uns die „nationale" Schwäche für heute einmal und freuen Sie sich an
dem rückhaltlosen Lobe, das wir Ihrer Leistungsfähigkeit spenden, noch
ehe sie sich eigentlich bethätigt hat. — Zur Sache also: Wir erwarten von
Ihrer Ausstellung einen glänzenden Erfolg. Freilich, lieber hätten wir's ge
sehen, wenn Sie eine Weltausstellung bekommen hätten; aber schließlich können
Sie in dem enger begrenzten Rahmen auch so Verdienstvolles leiste», daß
der Fremdenzufluß, den Sic erwarten, gewiß nicht ausbleiben wird. Aus
unserer Stadt werden die ersten Ausstellungstage Ihnen eine Masse Fremden
bringen. Sorgen Sie dafür, daß dir Ausstellung rechtzeitig fertig ist, denn
der Frankfurter ist entsetzlich neugierig, aber er ist auch sehr kritisch, und wenn
die ersten Ankommenden in ihren Erwartungen getäuscht sind, dann kommen nur
wenig Nachzügler hinterher. Ist aberAlles inOrdnung, klappt's drüben in der
Treptower Gegend, dann könnenSie sich vor Frankfurter» nicht helfen, dann ist der
reiselustige Mainbewohnerin Schaarenin Berlin zu finden. Man macht hiereifrig
Einzahlungen in die Reisekassen, aber vor Allem hofft man, daß die Bahnen
annehmbare Vergünstigungen zum Besuch der Ausstellung gewähren. Man hört
davon leider noch wenig. Und doch kommt's darauf sehr viel an, ob der
Besuch aus unserer Gegend auch den weniger bemittelten Klassen allge
mein zugänglich gemacht werden kann. Unsere Im»ts finance wird es
sich nicht nehmen lassen zu kommen, denn für die gehört es schon znm
von ton, von der Ausstellung sprechen zu tonnen —- aber ob die Aus
stellung für uns Frankfurter populair wird, das liegt besonders an den
Bahnen. Da müßten alle vierzehn Tage Extrazüge zu bedeutend ermäßigten
Preisen gehen. Nun vielleicht hat der Herr Eisenbahnminister das nöthige
Einsehen! Wenn auch Petrus seinen Segen giebt, dann kann es ja -in
Treptow an Erfolgen nicht fehlen!
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a. Braunschweig, 25. Februar. Für die Berliner Gewerbe-
Ausstellung giebt sich hier viel Interesse und Sympathie kund. In
Handels- und Gewerbekreisen begegnet man überall dem Verlangen, die
Ausstellung zu beschicken oder zu besuchen, jedenfalls ist die Berlin zuge
wendete Aufmerksamkeit ungleich lebhafter und größer, der Zug nach der
Spree ein stärkerer als nach anderen Städten, wo in diesem Jahre
gleichfalls Gewerbe-Ausstellungen in bescheidenerem Rahmen stattfinden.
Auch unter der Bürgerschaft, welche durch keine besonderen Interessen mit
der Ausstellung verknüpft ist, tritt vielfach der Wunsch zu Tage, die Reichs-
Hauptstadt mit einein Besuch zu bedenken: mancher, der seit Jahren Berlin
nicht mehr gesehen, wird die Gelegenheit ergreifen, um die gewaltig em
porgewachsene Millionenstadt im Schmucke des Festgewandes zu sehen. So
ist zu erwarten, daß Braunschweig ein starkes Contingent von Besuchern
der Ausstellung stellen wird. Noch lebhafter freilich würde der Besuch
werden, wenn die Fahrtbegünstigungen auf den Preußischen Staatsbalmen
derartige wären, daß sie auch den breiten Schichten der Bevölkerung zu
gute kämen. Die Ausgabe von Sonder-Rücksahrtkarten zum Preise ein
facher Fahrkarten, die sich zwischen Braunschweig und Berti» für 3. Klaffe
immer noch auf 10 Ml. 90 Pfg. belaufen, hat — sie beträgt nur 22pCr.
Ermäßigung — nicht viel zu bedeuten. Da wäre es zweckdienlicher, wenn
die preußische Staatseisenbahnverwaltung einen von der „Braunschweig.
Landes-Zeitung" gemachten Vorschlag beherzigte, den Besuch der Berliner
Ausstellung durch Nachahmung einer seitens der Direktion der Lübeck-
Büchener Eisenbahngesellschaft im vergangenen Somnier getroffenen Ein
richtung zu fördern. Es fuhr dort, um dem minder bemittelten Theil
der Hamburger Bevölkerung den Besuch der Deutsch-Nordischen Handels
und Industrie-Ausstellung in Lübeck zu ermöglichen, regelmäßig ein aus
schließlich aus einsprechend mit Sitzplätzen eingerichteten Güterwagen zu
sammengesetzter Sonntagszug zum Preise von 2 Mk. für Hin- und
Rückfahrt. Der Zug bestand aus 40 bedeckten Güterwagen mit 1700 Sitz
plätzen und ist an 14 Sonntagen von 18002 Personen benutzt worden.
Die Fahrt von Braunschweig nach Berlin und zurück würde analog den
Lübecker Preisen ungefähr 7 Mk. 50 Pfg. kosten; ein Preis, den Jeder,
der die Reichshauptsradl besuchen will, wohl anwenden kann. Auf der
andern Seite würde eine solche Einrichtung ebenso den Besuch der Aus
stellung fördern, wie die Sondcrzüge gut bezahlt machen.
K.—n. München, 21. Februar. In München herrscht für die
Berliner Gewerbe-Ausstellung, welche am 1. Mai dieses Jahres eröffnet
wird, die denkbar beste Stimninng. Allgemein wird hier in gewerblichen,
besonders aber kunstgelverblichen Kreisen bedauert, daß der ursprüngliche
Plan, neben der Berliner Gewerbe-Ausstellung auch eine deutsche Kunst»
gewerbe-Ausstelluug zu veranstalten, durch die gleichzeitig stattfindende Landes
ausstellung -in Nürnberg sowie die Ausstellungen in Stuttgart und Sachsen
aufgegeben werden mußte. Wie uns von z u st ä n d i g sr e r Stelle
versichert wird, steht von hier aus für Berlin mindestens derselbe starke,
wenn nicht stärkere Besuch zu erwarten, als für die Nürnberger Landes
ausstellung. , Man ist hier allgemein der Ansicht, daß der Besuch der letzteren
mit dem der Berliner Ausstellung stich nicht entfernt wird messen können,
da man der Bedeutung Berlins als Weltstadt mit eminentem Verkehr
vollkommen Rechnung trägt. Der plötzlich fertig hervorgetretene Plan
der Veranstaltung einer Landesausstellung in Nürnberg wurde hier
gerade mir Rücksicht auf die Berliner Gewerbe-Ausstellung keineswegs
wohlgefällig aufgenommen. Derselbe verdankt sein Entstehen dem Pous-
firen der fränkischen Kreise durch den Hof und dem ewigen eifer
süchtigen Rivaliflrenwollen Nürnbergs mit München. In hiesigen ge
werblichen und kunstgewerblichen Kreisen wird, wie gesagt, die Bedeutung
Berlins für Deutschland und das Ausland vollkommen gewürdigt und
giebt mau sich keinem Zweifel darüber hin, daß die Berliner Ausstellung
eine weit bedeutendere werden wird, als die Nürnberger Landcsansstellnug.
Man erwartet hier von der ersteren schätzbare Anregungen und Finger
zeige zur praktischen Verwerthung in der Zukunft.
lieber das Reclameplacat bezw. dessen Ausstattung sind die Ansichten
stier getheilt, doch darüber ist Alles einig, daß durch dasselbe Reklame er
zielt wurde.
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G. T. Dortmund, 25. Februar. Die Tage der Berliner Gewerbe-
Ausstellung rücken imnier näher, und läßt sich in unserer Stadt ein immer
lebhafter werdendes Interesse für dieselbe wahrnehmen. Wie oft wird einem
nicht die Frage gestellt, ob man auch zur Berliner Ausstellung fahre, wer
ausstelle, ob die heimische Industrie vertreten sein werde rc. ec. Ver
schiedene hiesige Vereine haben beschlossen, eine» gemeinschaftlichen Besuch
der Ausstellung zu unternehmen. Es wird überall anerkannt, daß mau
von allen Seiten angelegentlichst bemüht ist, den Besuchern der Ausstellung
die Reise nach und von Berlin, sowie den Aufenthalt daselbst so angenehm
und praktisch wie niöglich einzurichten. Man hat die llcberzeugung, daß
dem ganzen Unternehmen ein thatkräftiges und geschicktes Comitee vorstellt.
Alle diese Umstände werden sehr dazu beitragen, de» letzten Rest von Miß
trauen, der nun einmal für jede Ausstellung vorhanden ist, zu beseitigen.
Soweit ich daher in Erfahrung gebracht habe und zu ermessen vermag, ist
für die Berliner Gcwerbe-Ansstellung in allen Kreisen unserer Stadt eine
durchaus günstige und zufriedenstellende Stimmung vorstanden und zweifelt
man nicht daran, daß Berlin einen würdigen und großartigen Erfolg zu
verzeichnen haben wird. Aus Wiedersehen in Berlin!
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