Publication:
1896
URN:
https://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:kobv:109-1-15365322
Path:

GfsicreUe AusstcUnugs -Ltachrichte».
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gänzlich gerüstfrei ist, die eigenartige Dachconstructivn mit dem
buntbemalten Balkenwerk und die in Greifen auslaufenden Balken
köpfe sind von sehr gefälliger Wirkung. Die Umrisse des
Schiffes, welches die Tribüne für die Marineschauspiele nach den:
Ausstellungsparke zu abschließt, sind jetzt deutlich erkennbar.
Am Alpenpanorama steht nur noch ein kleiner Theil des Außen
gerüstes; die schönen „Restaurationsgebäude im Zillerthal" geben
jetzt schon ein deutliches Bild davon, wie verführerisch diese feuchte
Ecke des Ausstellungsparkes zum Verweilen anregen wird. Nament
lich die Gebäude der Habel'schen Brauerei und das Cafö Watzek
fallen jetzt schon angenehm auf. Das Gebäude für Massen-Er-
nührung, in unmittelbarer Nähe der Untergrundbahn, ist iu der
Hauptsache fertig, es wird von ziemlich geräumigen Seitenflügelti
in Eisengerippen für Zelte oder Baracken begrenzt, die nach Norden
zu einen offenen Hof bilden. Das Manerwerk für das Riesen-
Fernrohr ist fertig, ebenso die Bäckerei und die Waschanstalt, der
Hildebrand'sche Pavillon ist fast eingerichtet, die Maschinen stehen
bereit in Betrieb genommen zu werden, die Maschinenhalle von
Schlickeysen ist im Bau fertig, mit dein Aufstellen der Maschinen
wird begonnen.
Das Wetter war in den letzten Tagen den Erdarbeiten nicht
besonders günstig, doch wird an der Herstellung des Platzes vor
dem Hauptgebäude flott gearbeitet. Das Architektenbureau
wird in den nächsten Tagen in das Verwaltungsgebäude über
siedeln.
Wir berichteten in unserer Nummer 3 über das Riesen-
Fernrohr, welches auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung eine
der Haupt-Sehenswürdigkeiten bilden wird. Wir theilten mit,
daß dieses Fernrohr das größte der ganzen Welt sein und daß
die Objectiv-Linse einen Durchmesser von 44 Zoll haben würde.
Diese Riesen-Objectiv-Linse wird in München hergestellt und von
ihrem Gelingen ist das Gelingen des ganzen Unternehmens ab
hängig. Um so angenehmer wird es allen Interessenten für das
Riesen-Fernrohr sein, zu erfahren, daß von dem Astronomen der
Grunewald-Sternwarte Herrn Archenhold welcher bekanntlich
der „Vater des Riesen-Fernrohrs“ ist, folgender Brief aus München
soeben eingegangen ist:
An das Comitee für das Riesen-Fernrohr der
Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.
Einem geehrten Comitee erlaube ich mir die freudige Mittheilung
zu machen, daß eine genaue erste Prüfung des großen Objectivs heute
ein günstiges Resultat ergeben hat. Das Glas selbst, sowie die
sphärische Bearbeitung derselben ist, soweit die provisorischen Vor
richtungen zur Prüfung überhaupt erkennen lassen, als wohlgelungen
zu bezeichnen, so daß schon jetzt mit deni Objective gute Bilder er
zielt werden können. Die noch übrige Zeit kann nun noch auf die
setzten Feinarbeiten verwandt werden, so daß das Objectiv am
20. April 1890 bestimmt fertig wird. Heute würde es schon für
unsere Zwecke verwandt werden können. Der fünfzöllige Sucher,
sowie die vielen Oculare sind gleichfalls zur Zufriedenheit ausgefallen.
Eine achttägige Prüfung hat keinerlei Fehler ergeben, ein Resultat,
das meine Erwartungen übertroffen hat. Sobald ich nach Berlin
zurückgekehrt bin, werde ich nicht verfehlen, mündlich mehr zu be
richten. Noch vor meiner Abreise von Berlin habe ich auch die Ge
bäudefrage zum definitiven Abschluß gebracht, so daß auch alle inneren
Einrichtungen zum 1. Mai fertig gestellt sein werden.
In vorzüglicher Hochachtung
zeichne ganz ergeben
F. S. Archenhold.
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Im Preußischen Abgeordnctenhousc wurde am Mitt
woch bei der Berathung des Eiseubahuetats auch über de» Ver
kehr aus der Berliner Stadt- und Ringbahn debattirt.
Einzelne Bemerkungen und Mittheilungen, die im Laufe der Dis-
eustwn gemacht wurde», dürften auch für unsere Leser größeres
Interesse haben:
Abg. Richter (fr. Vp).: Die Beleuchtung der Eisenbahnwagen ist
sehr mangelhaft, es herrscht immer dieselbe schlummerige Dämmerung, die
zu hell ist, um schlafen, zu dunkel, um lesen zu können. (Heiterkeit.)
Was soll man nun machen? Mit wildfremden Menschen zu plaudern ist
doch mehr Liebhaberei von Kleinstädtern. Ich kam neulich sehr erbaut von
der Mittheilung, daß 23 Millionen Mehreinnahmen zu verzeichnen sind,
auf die Stadtbahn. Mit genauer Noth gelangte ich in ein Abtheil; in
dem saßen Zehn und Acht standen. Ich sah in das Nachbar-Abtheil hin
ein, in dem saßen auch Zehn, aber es standen nur Sieben (Heiterkeit)
und unter diesen Standespersonen erblickte ich Herrn Grafen Limburg-
Stirum. (Große Heiterkeit.) Ich bekam das Gefühl, daß in dieser Standes-
■ Versammlung nur noch der Herr Minister fehlte. (Erneute Heiterkeit.)
Eisenbahnminister Thielen: Der Beleuchtung der Personenwagen
wenden wir seit Jahren unsere Aufmerksamkeit zu. An der technischen
Hochschule hält Professor Slaby für die Beamten meines Ressorts eine Vor
lesung über die elektrische Heizung und Beleuchtung der Eisenbahnwagen.
Seine Meinung geht aber dahin, daß, so lange der elektrische Betrieb nicht
überhaupt eingeführt ist, die elektrische Beleuchtung unwirthschaftlich sein
würde. In der Beleuchtung ist schon ein Fortschritt zu verzeichnen, be
sonders in den v-Zügen. Ich habe es allerdings auch schon am eigenen
Leibe erfahren müssen, daß die Personenwagen überfüllt sind, und es höchst
unbehaglich ist, wenn 18 Personen in einem Abtheil fitzen, selbst wenn fie
nicht den Leibesumfang des Herrn Abg. Richter haben. (Große Heiterkeit.)
Ich kann mich auch den Befürchtungen nicht verschließen, daß
während der Gewerbe-Ausstellung zu gewissen Zeiten ein
starker Andrang sein wird. Das können wir aber nicht ver
meiden, und deshalb begrüßen wir es mit Freuden, daß Privat
gesellschaften uns in der Bewältigung des Verkehrs helfen
wollen. Auch am Bahnhof Friedrichstraße sind neue Ver
besserungen in Aussicht genommen, welche dahin zielen, den
Gegenstrom der kommenden und abgehenden Reisenden in
besondere Kanäle zu leiten.
Abg. Graf Limburg (Stirum, cons.): Für Zufälle, wie fie der Abg.
Richter hier anführt, ist die Eisenbahn ebenso wenig verantwortlich wie für
einmal hervortretenden Wagenmangel. Es würde unwirthschaftlich sein,
wollte sie so viel Wagen einstellen, um jedesmal den allerhöchsten Anfor
derungen genügen zu können. Ich muß dabei bemerken, daß meiner Mei
nung nach die Stadt Berlin in der Förderung des Verkehrswesens es
etwas hat fehlen lassen.
Abg. Bueck (natl.): Das Schlimme an den Berliner Zuständen ist,
daß der Fern- und Stadtbahnverkehr verbunden sind. Nachdem aber ein
mal die Stadtbahnverwaltung die Pflicht übernommen hat, für den Stadt
verkehr zu sorgen, muß sie auch möglichst ihrer Aufgabe zu genügen suchen.
Die Stadt Berlin hat nicht allein Schuld an den mangelhaften Verkehrs
verhältnissen. Man braucht blos zu berücksichtigen, wie viel Schwierig
keiten ihr von Anliegern und sonstigen Stollen gemacht werden, um neue
Verkehrslinien einzuführen, beispielsweise die elektrische Hochbahn.
Abg. Wallbrecht (natl.): Die Verwaltung nimmt meiner Ansicht
nach auf die technischen Fortschritte zu wenig Rücksicht. In Amerika ist
längst die elektrische Beleuchtung eingeführt.
Abg. Richter: Ich erkenne an, daß die Berliner Verkehrslinien dem
Bedürfnisse nicht entsprechen. Bedenken Sie aber, welche Hindernisse der
Stadt und den Gesellschaften gemacht werden, wie das Hoheitsrecht benutzt
wird, Plätze und Straßen für Kirchen und andere Zwecke festzulegen, denken
Sie an die Niederlegung der Schloßfreiheit, an die Schwierigkeiten wegen
Neberschreitung der Straße Unter den Linden und die Angelegenheit der
Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche in Charlottenburg! Keine andere Stadt
hat so viel Schwierigkeiten zu überwinden und muß so viele Millionen
noch dafür bezahlen.
Auf eine Anfrage des Abg. Ring (kons.) erwidert
Minister Thielen: An den gegenwärtigen Tarifen auf der
Stadt- und Ringbahn kann ohne Schädigung der Finanzen
nicht gerüttelt werden. Die Monatskarten erleiden durch Einschiebung
des Bahnhofes „Savignyplatz" keine Vertheuerung.
V
Der Verein „Zonentarif" beschäftigte sich in seiner Ge
neralversammlung am 25. d. M. mit dem Thema: Die Eisen
bahnen und die Berliner Gewerbe-Ausstellung. Es
wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Ver
sammlung nimmt mit Genugthuung davon Kenntniß, daß der
Vorstand der Berliner Gewerbe-Ausstellung durchdrungen ist von
der Unzulänglichkeit der von den Eisenbahn-Verwaltungen bisher
gewährten Vergünstigungen, daß er fest entschlossen ist, die ihm
zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um den Besuch der Aus
stellung auch von außerhalb so weit zu ermöglichen, daß der
bildende und anregende Einfluß der Ausstellung den Jndustrieen,
den Gewerben und der Landwirthschaft von ganz Deutschland zn-
güngig gemacht werde. Die Versammlung beschließt, diese Be
mühungen des Vorstandes der Ausstellung nach Kräften zu unter
stützen, soweit dieser es wünschen sollte, und beauftragt die früher
gewählte Commission, falls innerhalb acht Tagen keine definitiven
zufriedenstellenden Erfolge erreicht worden sind, alle Mittel auzu-
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